11.02.2018
In Kittlitz fährt der Schulbus direkt neben dem Pausenhof der Grundschule ab. In der Vergangenheit beklagten die Fahrer oft, dass einige Schüler von hier im Bus randalieren und andere Schüler bedrängen. Manchmal sahen sich die Busfahrer sogar genötigt, die Polizei zu Hilfe zu rufen. Seit dem Eingreifen hat sich die Lage beruhigt.

Kittlitz. Eigentlich ist ja eine Bushaltestelle wie die andere. Doch mancher Schulbusfahrer stellt sich schon mal auf einen erhöhten Stresspegel ein, wenn er die Haltestelle „Kittlitz Schule“ ansteuert. Und manchmal greift ein Fahrer dort sogar zum Funk und ruft Verstärkung. „In Kittlitz lasse ich regelmäßig die Ortspolizei mitfahren oder unsere Security“, sagt Alfons Dienel, Chef der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck (KVG). Die Busse der KVG besorgen den Schülertransport für Löbau und auch einen großen Teil des weiteren Linienverkehrs. „Und in Kittlitz gibt’s ein paar Schüler, die bräuchten eine Sonderbeförderung“, sagt Alfons Dienel.

Er schildert der SZ ein paar Vorgänge aus der jüngeren Vergangenheit, die ausschließlich auf das Konto einer kleinen Gruppe von Grundschülern gingen: „Wir sind schon aus Kittlitz gekommen und mussten einen Bus aus dem Verkehr ziehen und reinigen lassen, weil man ihm keinen anderen Fahrgast mehr zumuten konnte.“ Im ganzen Bus seien Sitze und Scheiben bespuckt gewesen. Weil die KVG Aufwand und Kosten dieser Reinigung selbst tragen musste, musste Dienel an diesem Tag bei der Schülerbeförderung Geld drauflegen. Außerdem sei es auf der Tour von Kittlitz oft vorgekommen, dass mitfahrende Schüler von anderen Schulkindern bedrängt oder körperlich angegangen wurden. Seine Busfahrer könnten da nicht immer Herr der Lage sein, sagt Dienel. Dann riefen sie die Löbauer Ortspolizei zu Hilfe. „Es ist schon vorgekommen, dass die Ortspolizei die Kinder von einer Haltestelle nach Hause befördert hat“, erinnert sich Alfons Dienel.

„Uns sind die regelmäßig auftretenden Probleme beziehungsweise Zwischenfälle im Schülerverkehr Löbau-Kittlitz bekannt“, bestätigt auch Löbaus Stadtsprecher Marcus Scholz auf SZ-Anfrage. Und bekannt sind auch die Verursacher: „Bei den verhaltensauffälligen Kindern handelt es sich vorwiegend um Kinder einer uns bekannten, in Löbau lebenden Großfamilie mit Migrationshintergrund. Als Reaktion auf die Beschwerden der KVG seien zweimal Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Schulbus mitgefahren, sagt Scholz. Dabei seien die betreffenden Kinder vor allem dadurch aufgefallen, dass sie nicht auf ihren Sitzen bleiben, sondern durch den Bus tollen und wahllos Halteknöpfe drücken. „Vor allem wegen der Verletzungsgefahr – zum Beispiel im Falle einer Gefahrenbremsung – haben unsere Mitarbeiter des Ordnungsamtes versucht, dem Treiben Einhalt zu gebieten“, schildert Stadtsprecher Scholz. Erfahrungsgemäß herrsche immer dann Ruhe im Bus, wenn sich außer dem Fahrer ein weiterer Erwachsener im Bus befindet.

Diese Einschätzung bestätigt KVG-Chef Alfons Dienel – das gelte insbesondere dann, wenn dieser Erwachsene eine Uniform trägt. Es sei natürlich auch schwierig, dem Ordnungsamt das ganze Ausmaß der Probleme glaubhaft zu machen, wenn die betreffenden Kinder sich immer dann benehmen, sobald sie eine Uniform sehen. Problematisch seien auch nur die Fahrten am Nachmittag von Kittlitz nach Löbau. Morgens auf dem Weg zur Schule gebe es nur sehr selten Zwischenfälle. Auf diesen Umstand hat auch die Grundschule in Kittlitz reagiert. „Vor Antritt der Heimfahrt werden die genannten Schüler von den Erzieherinnen in den ersten beiden Reihen des Busses platziert“, sagt Marcus Scholz. Und auch Schulleiterin Katja Marquardt hat sich gekümmert: „Das Problem mit dem einen Kind, das im Bus gespuckt hat, ist uns bekannt. Das ist aber nicht mehr vorgekommen“, sagt sie. Davon, dass Schüler vereinzelt von der Ortspolizei nach Hause gebracht wurden, sei ihr dagegen nichts bekannt.

Die Stadt Löbau bietet weiter ihre Hilfe an. Busfahrer könnten bei schwerwiegenden Störungen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes zu Hilfe rufen, teilt Stadtsprecher Marcus Scholz mit und rät auch zu drastischeren Maßnahmen: „Es ist für die Mitarbeiter unseres Ordnungsamtes personell nicht zu realisieren, jeden Tag den Schülerverkehr zu überwachen. Aus diesem Grund würden wir der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck nahelegen, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und die betreffenden Kinder von der Schülerbeförderung auszuschließen, bis Besserung eintritt“, teilt die Stadt mit.

Zu diesem generellen Mittel hat KVG-Chef Alfons Dienel noch nicht gegriffen. Die bisherigen Maßnahmen scheinen zu wirken. Denn in den letzten Wochen hätten seine Fahrer keinen Vorfall gemeldet.

https://www.sz-online.de/sachsen/aerger-im-schulbus-3876726.html

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