07.02.2018

Bielefeld (WB). Im Bielefelder Franziskus-Hospital haben sich Ärzte und Pfleger nachts von Angehörigen eines verstorbenen Patienten so bedroht gefühlt, dass sie die Polizei alarmierten.

Der Vorfall geschah am 23. Januar. Ein dementer 83-jähriger Mann, der herz- und lungenkrank gewesen sein soll und auf der Intensivstation lag, wollte unbedingt nach Hause. Eine Pflegerin rief einen seiner Söhne zur Hilfe, dem es aber auch nicht gelang, seinen Vater zum Bleiben zu bewegen. Der Sohn kündigte schließlich an, das Krankenhaus mit seinem Vater zu verlassen.

Geschäftsführer Dr. Georg Rüter wurde gegen 23.30 Uhr von einem Chefarzt aus dem Bett geklingelt, der sich bedroht fühlte, und fuhr sofort ins Krankenhaus. »Der Patient lag auf Leben und Tod auf der Intensivstation. Der hätte es nicht bis nach Hause geschafft. Aus einem ärztlichen Notstand heraus haben die Mitarbeiter versucht, ihn zurückzuhalten und ihm eine Beruhigungsspritze zu geben. Er erlitt einen Herzstillstand, und es wurde versucht, ihn wiederzubeleben.« Der Sohn habe das möglicherweise als Misshandlung empfunden, und es sei zu einem Gerangel gekommen. »Dabei wurde einer unserer Mitarbeiter geschlagen.«

Der Sohn rief weitere Angehörige an, darunter seinen Bruder Robin Fermann. Fermann, als Fuat Akpinar in der Türkei geboren, ist in Bielefeld als Kommunalpolitiker bekannt, der sein Glück schon bei den Linken, den Piraten, der SPD und der AfD versucht und zuletzt eine eigene Partei gegründet hatte.

Insgesamt sollen zwölf Angehörige im Krankenhaus erschienen sein, von denen einige verbal, andere auch körperlich aggressiv geworden sein sollen. Rüter: »Die Polizei war mit drei Streifenwagen hier. Wir haben es gemeinsam geschafft, eine Eskalation zu verhindern.« Allerdings hätten Hinterbliebene noch in der Nacht schwere Vorwürfe gegen Ärzte und Pfleger erhoben. »Ich habe sofort die Staatsanwaltschaft informiert, damit der Verstorbene obduziert wird und Klarheit herrscht.« Mehrere Mitarbeiter hätten in jener Nacht Angst gehabt, nach Hause zu gehen. »Aus dem Kreis der Familie war ihnen mit Rache gedroht worden.«

Robin Fermann: »Mein Vater hatte das Recht, das Krankenhaus zu verlassen. Aber er wurde am Nacken gepackt und aufs Bett gedrückt.« Für ihn sei das ein Mord gewesen, der jetzt »raffiniert vertuscht« werden solle. Fermann sagte, er werde »die türkische Menschenrechtskommission« informieren.

Staatsanwalt Christop Mackel erklärte gestern, nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis sei der Patient an seinen Vorerkrankungen gestorben.

http://www.westfalen-blatt.de/OWL/Bielefeld/Bielefeld/3165415-Nach-Tod-eines-Patienten-fuehlt-sich-Klinikpersonal-von-Hinterbliebenen-bedroht-Aerzte-rufen-Polizei-zur-Hilfe