15.02.2018

Salzwedel l Mitte Januar gelang der Kriminalpolizei Rostock und Einsatzkräften eines Spezialeinsatzkommandos aus Mecklenburg-Vorpommern in Salzwedel ein Schlag gegen Prostitution und Zuhälterei. Die beiden festgenommenen Bulgaren sind immer noch in Haft, die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt inzwischen auch wegen Vergewaltigung. Der Fall sorgte für Schlagzeilen. Bei dem Einsatz in der Braunschweiger Straße werden an einem frühen Mittwochmorgen im Januar zwei Männer verhaftet. Ein 50-Jähriger und dessen 22-jähriger Sohn. Gegen beide bulgarische Staatsangehörige sind Haftbefehle ausgestellt, die von der Rostocker Staatsanwaltschaft beantragt worden waren. Dem Duo wird Menschenhandel, das Zwingen zur Prostitution und Zuhälterei vorgeworfen. Die Ermittlungen richten sich wegen des Verdachts der Beihilfe auch gegen die beiden Ehefrauen, die allerdings auf freiem Fuß bleiben. Im Dezember 2017 lebten die beiden Ehepaare noch in Berlin, siedelten dann später nach Salzwedel um.

Inzwischen sind neue Vorwürfe gegen die Männer aufgetaucht. Staatsanwältin Maureen Wiechmann sagte auf Anfrage der Volksstimme, dass es auch um „sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung geht“. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, die beiden Männer sind immer noch in Haft. Allerdings sei noch keine Anklage erhoben worden. Der Fall werde aber beschleunigt abgearbeitet. Wiechmann hofft, dass innerhalb von sechs Monaten über die Anklage entschieden wird.

Ausgelöst hatte die Ermittlungen eine junge Frau. Das damals noch nicht einmal 18-jährige Mädchen war von ihrer Mutter in Bulgarien für 4000 Euro verkauft worden. Der verhaftete, ältere Beschuldigte soll sie unter anderem mit der Waffe bedroht und sie zum Sex in verschiedenen Modelwohnungen gezwungen haben – in Rostock und Schwerin. Ähnlich erging es einer 18-Jährigen. Sie wurde von ihrem ehemaligen Freund für 800 Euro verkauft. Zum Sex gezwungen wurden noch drei weitere Frauen. „Ob auch sie verkauft wurden, müssen de Ermittlungen ergeben“, sagte Wiechmann.

Das horizontale Gewerbe ist auch in Salzwedel verbreitet. In Zeitungen, Wochenblättern oder auf einschlägigen Seiten im Internet wird für bezahlten Sex in der Hansestadt geworben. Die Prostituierten arbeiten meist in privaten Wohnungen. In Salzwedel beispielsweise im Südbockhorn, in der Neutor-, Reiche- oder in der Tuchmacherstraße. Die Dunkelziffer dürfte allerdings noch höher sein, denn in manchen Anzeigen heißt es zum Ort des Treffens lediglich: „Sag ich dir am Telefon.“

Im Jahr 2014 verzeichnete die Hansestadt Salzwedel drei Anmeldungen in diesem Bereich. In diesem Jahr sind es nach städtischer Auskunft zwei Anmeldungen. Aber auch in den umliegenden Orten wie Kusey, Gardelegen, Kalbe (Milde), Klötze, Stendal oder Uelzen bieten Sexarbeiterinnen ihre Liebesdienste an.

Die Grünen-Abgeordnete Cornelia Lüddemann hatte im April vergangenen Jahres auf eine Anfrage an die Landesregierung die Antwort bekommen, dass es landesweit 30 Gewerbeanmeldungen für bordellartige Einrichtungen gebe. Sie befinden sich überwiegend in festen Gebäuden, davon allein acht im Altmarkkreis Salzwedel. Zudem teilte die Landesregierung Sachsen-Anhalt mit, dass „lediglich der Altmarkkreis Salzwedel drei nicht der Baugenehmigungspflicht unterliegende Räumlichkeiten (Prostitutionsfahrzeuge) benannt hat“.

https://www.volksstimme.de/lokal/salzwedel/kriminalitaet-ermittelt-wird-auch-wegen-vergewaltigung