17.11.2016
Schon wieder rasteten Falschparker aus und griffen Polizisten an, die ihre Arbeit taten.

Eine fünfköpfige Familie hat im nordrhein-westfälischen Krefeld Polizisten angegriffen und verletzt. Nach der Gewalteskalation in Düren ist es bereits der zweite Vorfall innerhalb von fünf Tagen, bei dem Polizeibeamte von Falschparkern angegriffen wurden.

Die Schlägerattacke in Krefeld ereignete sich am Mittwochabend. Nach Angaben der Polizei wollten zwei Mitarbeiterinnen des Ordnungsamtes ein Auto wegen mehrerer Verstöße abschleppen lassen. Daraufhin tauchte der 41-jährige Vater der Halterin auf und verhielt sich so aggressiv gegenüber den beiden Frauen, dass sie die Polizei riefen.

Doch auch das Eintreffen der Polizisten führte nicht dazu, dass sich der Mann beruhigte. Als die Beamten ihn festnehmen wollten, eskalierte die Situation. Zum Ort des Geschehens eilten auch die 19-jährige Tochter und gleichzeitig Halterin des Autos, dazu zwei Frauen (20 und 39 Jahre alt) sowie ein 21-Jähriger, die den 41-Jährigen befreien wollten.

Sie traten und schlugen die Beamten, sodass beide verletzt wurden. Ein 57-jähriger Polizist ist seither dienstunfähig, seine 37-jährige Kollegin wurde leicht verletzt. Die beiden Mitarbeiterinnen der Stadt kamen ohne Schaden davon.

Die Polizei rief Verstärkung, erst dann konnten sie durchgreifen und den Angriff abwehren. Die Halterin, die keinen festen Wohnsitz hat, wurde vorläufig festgenommen, aber wieder freigelassen. Alle fünf müssen nach Angaben der Polizei mit einem Strafverfahren wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte rechnen.

Die Männer und Frauen gehören nach Informationen der „Welt“ zu einer griechischen Familie und besitzen keine deutschen Staatsbürgerschaften. Die wohnungslose Halterin des Fahrzeugs soll keine Aufenthaltsgenehmigung haben. Unklar ist, wie sie trotzdem ein Auto in Krefeld anmelden konnte.

Eine Sprecherin der Krefelder Polizei berichtet der „Welt“ von einer deutlichen „Verrohung“ gegenüber Polizeibeamten. „Es gibt immer mehr Menschen, die Maßnahmen nicht befolgen“, sagte sie. Dies habe in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen: „Es herrscht eine große Respektlosigkeit“, sagte sie. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums gab es in dem Bundesland allein im vergangenen Jahr 14.000 verbale oder körperliche Übergriffe auf Polizisten. 7000 davon sind Beleidigungen oder Bedrohungen.

Erst am Sonntag hatte sich in Düren eine Gruppe hochaggressiver Männer eine gewaltsame Auseinandersetzung mit der Polizei geliefert. Dabei waren zehn Beamte teils schwer verletzt ins Krankenhaus gekommen. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt; die Polizeigewerkschaften verurteilten die brutale Attacke als nicht hinnehmbaren Gewaltexzess.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert den Gesetzgeber zum Handeln auf. Der Vorsitzende GdP-Landeschef Arnold Plickert verlangt eine stärkere Bestrafung bei Angriffen auf Polizisten und mindestens drei Monate Haft für körperliche Attacken. Polizisten seien inzwischen gefährdet, wenn sie ihre Uniform anlegten.

https://www.welt.de/vermischtes/article159566209/Auto-abgeschleppt-Passanten-greifen-Polizisten-an.html


16. Februar 2018 – 19:06 Uhr

Krefeld. Zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen einer Familie und der Polizei kam es im November 2016 auf der Dreikönigenstraße. Dafür mussten sich am Freitag drei Frauen und zwei Männer der Familie im Alter von 20 bis 43 Jahren vor Gericht verantworten. Ihnen wurde unter anderem Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Sachbeschädigung vorgeworfen, außerdem versuchte Gefangenenbefreiung. Bis auf den letzten Tatvorwurf sah der Richter die Anklage auch bestätigt und verurteilte die Angeklagten zu Strafen zwischen 400 Euro (80 Tagessätze zu je fünf Euro) und sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung.

Auslöser war ein Abschleppvorgang. Zwei Politessen wollten das Auto, welches der älteste Angeklagte wohl gefahren hatte, abschleppen lassen, weil es falsch geparkt war und ein Halter nicht zu ermitteln war. Als der Abschleppdienst schon mit dem Abschleppen begonnen hatte, seien zuerst die beiden männlichen Angeklagten zur Szene gestoßen. „Wir konnten gar nicht erklären, wieso wir das Auto abschleppen“, sagte die Ordnungsamts-Mitarbeiterin im Zeugenstand. Es wäre nämlich vom Haken gelassen worden, wenn der Mann die 30 Euro Verwarngeld sowie 75 Euro Abschleppkosten gezahlt genannt hätte.

Die beiden Mitarbeiterinnen riefen die Polizei. Es kam zur Auseinandersetzung, bei der ein Polizist schwer am Bein verletzt wurde. Außerdem soll immer wieder versucht worden sein, die Polizisten zu schlagen. Die Angeklagten wiesen die Vorwürfe zurück. Es habe kein Grund bestanden, ihn zu fesseln, sagte der älteste Angeklagte. Sein Auto sei grundlos abgeschleppt worden. Da sei er nervös gewesen, habe aber niemanden angegriffen. Der Richter war aufgrund der Zeugenaussagen und auch eines Videos vom Tatort von der Schuld der Angeklagten überzeugt.

http://www.wz.de/lokales/krefeld/prozess-familie-greift-polizisten-auf-strasse-an-1.2622849