12. Februar 2018, 16:34 Uhr

Das Amtsgericht München hat Stefanov Y. zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt, weil er zwei 16-jährige Mädchen massiv begrapscht hat.
Der Vorfall ereignete sich bereits im Sommer 2017 im Außenbecken des Westbads.

„Haben Sie Kinder?“, fragt die Richterin Ines Tauscher den Angeklagten. Stefanov Y. nickt und antwortet: „Zwei Söhne und eine Tochter.“ Was er denken würde, wenn das seiner Tochter passiere, fragt die Richterin weiter. Da hält der 28-Jährige die Hand vor das Gesicht und sagt, das wäre „sehr schlimm, wenn ihr das angetan werden würde“.

Was Stefanov Y. zwei 16-Jährigen vergangenen Sommer im Westbad angetan hat, fällt unter den Begriff der mehrfachen sexuellen Nötigung. Er hat die Minderjährigen im Kreisstrudel des Bades massiv begrapscht. Dafür wurde er am Montag vor dem Amtsgericht München zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt.

Der Vorfall im Westbad an jenem Nachmittag des 30. Juli 2017 hat die beiden Schülerinnen Manuela F. und Irena S. (Namen geändert) nachhaltig geschockt. „Ich hab total geweint, ich konnte das nicht auf mir sitzen lassen“, zitiert die Richterin die Aussage von Manuela F. in der Verhandlung. Auch ihre Freundin Irena S., „die im Gegensatz zu mir stark ist, ich bin verletzlicher“, habe der Angriff sehr mitgenommen.

Die Mädchen hatten sich an dem heißen Sommertag im Freibad verabredet und ließen sich durch den Strudelkanal treiben. In dem Becken herrscht eine starke Strömung, wer sich in diese hinein begibt, wird im Kreis durch das Bad getrieben. Sie habe plötzlich eine Hand auf ihrem Po gespürt, erzählt Manuela, dann sei direkt hinter ihr ein Mann aufgetaucht. „Ich hab ihn total böse angeschaut, wusste aber nicht, ob das ein Versehen war.“ Anschließend habe der Unbekannte seinem Begleiter zugelächelt. In der nächsten Runde habe derselbe Mann dann Irena angegrapscht. Die habe sofort laut geschrien: „Hey, spinnst du, was soll das!“

Am Beckenausstieg hatte sich in dem Moment eine Menschentraube angesammelt. Irena S. schaffte den Ausstieg, Manuela F. kam nicht rechtzeitig an den Rand und wurde noch eine Runde durch den Kreis gespült. Am Rand sei wieder der Fremde gestanden, habe sie angegrinst und sei dann abgetaucht, um ihr unter ihrer Badehose zwischen die Beine zu fassen. „Ich hab sofort laut geschrien, ihn nach oben gezogen und ihm eine gescheuert“, so die Aussage der 16-Jährigen. Anschließend sei sie mit ihrer Freundin zum Bademeister, der habe die Polizei verständigt.

Stefanov Y. hockt apathisch auf der Anklagebank und ist anfangs kaum dazu zu bewegen, seinen Mund aufzumachen. Er nennt seine Wohnadresse nicht und sagt auch nichts zu seiner Staatsangehörigkeit, seine Eltern im Zuschauerraum stöhnen hörbar. Und erst als Richterin Tauscher mit erhobener Stimme sagt: „Das sind jetzt ganz leichte Fragen. Wenn das so weitergeht, dann sehe ich schwarz für Sie“, fallen ihm mehr als zwei Worte aus dem Mund.

„Ich entschuldige mich“, sagt er. Er wisse nicht, was ihn an diesem Tag getrieben habe. „Mein Kopf funktioniert nicht so richtig, ich weiß nicht, was mit mir los war.“ Er habe die Tat nicht geplant, und auch nicht mit seinem Begleiter abgesprochen, versichert er. Ob denn seine Frau von der Tat wisse, fragt die Richterin noch. Ja, kommt es zurück. Und was sie dazu sage? Da kommen von Stefanov Y. nur zwei Wörter zurück: „Sie weint.“

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/prozess-mann-wegen-sexueller-noetigung-von-schuelerinnen-im-westbad-verurteilt-1.3864497