23. Juni 2017 | 20:08 Uhr

Saarbrücken. 38 Jahre alter Syrer soll Anschläge geplant haben und muss sich jetzt wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht verantworten.
Hassan A. (38), der unter Terrorverdacht stehende Friseur aus Damaskus, gibt sich medienscheu. Hinter einer grünen Aktenmappe versteckt er sein Gesicht vor den Kameras, als ihn Vollzugsbeamte mit Fußfesseln in den Schwurgerichtssaal des Saarbrücker Landgerichts führen, wo er zwischen seinem Verteidiger Marius Müller und einer Dolmetscherin auf der Anklagebank Platz nimmt.

Unter den etwa 80 Besuchern im Saal sind an diesem Freitagvormittag mehrere Dutzend Elftklässler des Günter-Wöhe-Gymnasiums für Wirtschaft. Die jungen Leute erleben, nachdem die Fotografen und Kamerareporter ihre Arbeitsgeräte zur Seite legen mussten, einen gelegentlich zum Lächeln aufgelegten Angeklagten mit Stoppelbart und Kurzhaarschnitt. Aufmerksam verfolgt der Syrer, der im Dezember 2014 nach Deutschland kam, was ihm die Gerichtsdolmetscherin übersetzt und erklärt. Er nickt mitunter zustimmend.

Noch bevor Oberstaatsanwalt Guntram Liebschner die Anklageschrift vorliest, wird Hassan A. auf Bitte seines Anwalts von den Fußfesseln befreit. Der Vorsitzende Richter, Bernd Weber: „Wir haben genügend Sicherheitskräfte im Saal.“ Im Landgericht herrscht erhöhte Sicherheitsstufe, schließlich wird gegen einen Angeklagten verhandelt, der angeblich mit der Terrormiliz IS (Islamischer Staat) in Kontakt stand und sich sogar angeboten haben soll, Sprengstoffanschläge in deutschen Großstädten und in Belgien und den Niederlanden zu verüben. 180 000 Euro hat er angeblich verlangt, um acht Fahrzeuge als Polizeiautos zu tarnen und mit Sprengstoff zu bestücken.

Er ging aber Gegnern der Terrormiliz im Internet auf den Leim. Die mutmaßlichen Verbindungsmänner informierten die Polizei, die am Silvestermorgen sein Zimmer in der Burbacher Bergstraße stürmte. Seitdem sitzt Hassan A. in Haft. Vor Gericht macht er vorerst keine Angaben mehr. In früheren Vernehmungen hat er behauptet, er habe keinesfalls Anschläge geplant oder vorbereitet. Er wollte den IS betrügen, abzocken, 180 000 Euro kassieren und zurück nach Syrien reisen. Mehrfach tauchte bei Prozessbeobachtern die Frage auf, ob jemand so naiv sein kann und glaubt, er könne IS-Terroristen einfach betrügen.

Staatsanwaltschaft und Gericht gehen wohl auch von einer Schutzbehauptung aus. Schließlich wurde die Anklage wegen versuchten Mordes (sich konkret bereit erklärt zu haben, einen Mord zu begehen) zugelassen. Verteidiger Müller zielt wohl darauf ab, seinen Mandanten, dem eine langjährige Haftstrafe droht, als geldgierigen, durchaus betrügerisch veranlagten Zeitgenossen vorzustellen. Dies sollen Zeugen bestätigen, deren Vernehmung er beantragt hat. Derweil bestätigte am ersten von acht Verhandlungstagen ein Oberkommissar des Staatsschutzes, der Hassan A. vernommen hat, dass in seinem Zimmer handschriftliche Notizen über Autotypen und Preisangaben gefunden wurden.

Der Prozess wird am 5. Juli fortgesetzt. Hassan A. bleibt in Untersuchungshaft. Weil er im Saarbrücker Gefängnis angeblich von drei Vollzugsbeamten geschlagen wurde, hat Anstaltschef Pascal Jenal zwischenzeitlich Strafanzeige gegen die Beamten erstattet und Disziplinarverfahren eingeleitet. Der Vorfall geschah angeblich in einer ständig per Videokamera überwachten Sonderzelle. Allerdings waren die Kameras zu der angegebenen Tatzeit aus. Die drei Beamten sind jetzt krank gemeldet.

https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/saarland/syrischer-fluechtling-unter-terrorverdacht_aid-2402022


23.06.2017 – 13:52 Uhr

Saarbrücken – Prozess-Auftakt gegen Hasan A. (38). Der Friseur aus Damaskus soll laut Anklage versucht haben, Geld von ISIS zu bekommen, um Anschläge zu finanzieren

Die Sicherheitsvorkehrungen im Gericht: extrem hoch! Doppelte Eingangskontrolle, dazu ein Dutzend Beamte in Saal 38.

Hasan A. schweigt zu den Vorwürfen. Sein Verteidiger Marius Müller: „Keine Angaben zur Person und zur Sache.“

Dafür berichtet ein Kriminaloberkommissar (54). Als Zeuge. Er hatte das erste Verhör nach der Verhaftung geführt.

► Ausgangslage: Hasan A. verlangte mutmaßlich 180 000 Euro von ISIS, um Autos und Sprengstoff zu kaufen. Damit wollte er angeblich mit Komplizen in fünf deutschen Städten Anschläge begehen.

Der Polizist, der für den Staatsschutz arbeitet: „Im Verhör hat er gesagt, dass alles seiner Fantasie entsprungen sei. Er habe finanzielle Probleme und sich das Geld von ISIS holen wollen. Fahrzeuge und Gruppe würden nicht existieren.“

Zudem sagte Hasan A. im Polizeiverhör, dass er niemals für ISIS kämpfen würde, noch nie den Koran in der Hand gehabt hätte. Er würde gar nicht beten.

Sein Verhalten im Prozess? Hasan A. macht während der Verhandlung einen ruhigen, fast gut gelaunten Eindruck.

Er hörte der Übersetzerin aufmerksam zu, lächelt ab und zu. Sein wacher Blick schweift immer wieder durch vollen Gerichtssaal (70 Zuschauer).

Der Prozess wird am 5. Juli fortgesetzt.

http://www.bild.de/regional/saarland/isis/terrorverdaechtiger-in-fussfesseln-zum-prozess-52292568.bild.html

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