17. Juni 2017

Berlin

Der schwule Kiez am Nollendorfplatz kämpft mit wachsender Kriminalität, vor allem mit Diebesbanden aus Südost-Europa. Daher haben nun die Wirte ein Projekt gestartet, um die Polizeiarbeit zu unterstützen.

Wirte rund um den Nollendorfplatz haben einen Plan entwickelt, um die Polizei im Kampf gegen die Kriminalität im Kiez zu unterstützen. Denn in letzter Zeit werden immer mehr Feiernde Opfer von Diebesbanden aus Südost-Europa.

„Laut Statistik gab es hier vergangenes Jahr vielleicht 65 Überfälle“, sagt Reinhard Wöbke, Chef der Schöneberger Eckkneipe „Blond“, gegenüber der B.Z. „Aber ich kenne schon zehn am Tag. Da stimmt was nicht.“

Der 65-Jährige glaubt, dass viele Überfälle gar nicht zur Anzeige gebracht werden. „Wenn man die Polizei ruft, ist der Abend gelaufen. Und womöglich sieht man die Täter noch vor Gericht wieder, die haben dann Deinen Namen.“

Betrunkene im Kiez werden per Antanztrick ausgenommen. Wenn man sich wehrt, bekommt man Pfefferspray oder Schläge ins Gesicht. Manche Diebe geben sich als Stricher aus, um ihre Opfer besser ausnehmen zu können.

Reinhard Wöbke zog mit 19 Jahren an den Nollendorfplatz. Heute ist der Kiez eine der berühmtesten schwulen Party-Zonen der Welt. Für die Zunahme der Kriminalität hat der Wirt eine Erklärung: „Wo gefeiert wird, kommen auch die Diebe, das ist überall auf der Welt so.“

Deshalb haben sich die Wirte im Kiez zusammengesetzt und Anfang Juni den Verein Kiez Care e.V. gegründet. Reinhard Wöbke hofft auch, mit seiner Bürgerinitiative rechten Parteien das Wasser abzugraben. „Ich will nicht, dass die Schwulen zur AfD laufen.“

Erstes Ergebnis des Vereins ist die Webseite safeplace.berlin. Dort kann man anonym Straftaten im Kiez melden. Die Daten von der Webseite können dann an die Polizei weitergegeben werden, die dann entsprechend mit Zivilpolizisten reagieren kann. Diese würden einen „super Job“ machen, sagt Reinhard Wöbke.

Zwischen den Drogenspritzen auf dem Spielplatz an der Eisenacher Straße spielen heute keine Kinder mehr. „Hier hängen nur Stricher, Dealer, Abhängige und Diebe ab“, sagt Reinhard Wöbke.

https://www.berlinjournal.biz/schwuler-kiez-nollendorfplatz/

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