13.06.2017 – 07:00 Uhr

Altenhagen.   Die Polizeibeamten, die bei dem Tumult in der Weißenburger Straße attackiert wurden, konnten ihren Dienst wieder aufnehmen. Täter wieder frei.
Die Männer, die am Freitagabend zwei Polizeibeamte krankenhausreif geschlagen haben, wurden noch am Wochenende wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli lag kein ausreichender Haftgrund vor. Der verletzte Polizist und seine Kollegin sind inzwischen wieder im Dienst.

Eine an sich harmlose Kontrolle in der Weißenburger Straße artete zu einem Tumult aus. Nachdem Mitarbeiter des Ordnungsamtes ein mazedonisches Auto wegen fehlenden Versicherungsschutzes und fehlender Umweltplakette überprüfen wollten, wurden sie von drei Männern übel beleidigt und bedroht. Daraufhin riefen sie die Polizei zur Hilfe, die mit einem Streifenwagen anrückte. Weil einer der Männer die Beamten angriff, wurde er zu Boden geworfen und mit Handschellen fixiert.
Nun eskalierte die Situation. Bis zu 30 Menschen strömten aus den umliegenden Häusern auf die Straße, krakeelten und bildeten eine regelrechte Drohkulisse. Weil die aufgestachelten Begleiter (19, 48) des am Boden liegenden Mannes (26) zunehmend aggressiver wurden, riefen die Beamten fünf weitere Streifenwagenbesatzungen herbei.

In den folgenden Auseinandersetzungen schlug der 48-Jährige einem Polizeibeamten ins Gesicht und verletzte ihn am Auge. Eine Beamtin (27) wurde mit dem Oberkörper gerammt und zu Boden geworfen, wobei sie schwere Prellungen davon trug. Mit großer Mühe gelang es ihren Kollegen schließlich, auch die anderen beiden Männer zu überwältigen und vorläufig festzunehmen.

Die beiden verletzten Beamten wurden im Krankenhaus behandelt und waren anschließend dienstunfähig. Inzwischen sind sie an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt.

Die drei Täter mazedonischer Abstammung jedoch durften die Zelle im Polizeipräsidium schon am Samstag wieder verlassen, da sie EU-Bürger sind und einen festen Wohnsitz vorweisen konnten: zwei in Holland, einer in Bulgarien. Aus diesem Grund habe man keinen Haftbefehl beantragen können, erläuterte Dr. Pauli: „Denn dabei orientieren wir uns ausschließlich an der Frage, ob das spätere Strafverfahren gesichert ist. Eine Untersuchungshaft darf keine Vorwegbestrafung sein.“ Aufgrund des festen Wohnsitzes in der EU bestehe keine Verdunkelungsgefahr.

Einer der Männer musste zudem 500 Euro Sicherheitsleistung hinterlegen. In den Reihen der Polizei hinterließ das Prozedere jedoch einen bitteren Beigeschmack. Angesichts des nichtigen Anlasses sprach Polizeidirektor Michael Hoffmann von einer „neuen Dimension der Gewalt gegen Beamte“. Deshalb sei der Fall auch an das Innenministerium in Düsseldorf sowie ans Landeskriminalamt weitergeleitet worden.

Hoffmann sprach auch davon, dass immer mehr Menschen ein Problem damit hätten, staatliche Autoritäten anzuerkennen. Der polizeiliche Streifendienst sei zwar nicht gefährlicher, aber schwieriger geworden. Ohne die Justizbehörden direkt kritisieren zu wollen, sei die Entscheidung, die Männer nicht in U-Haft zu nehmen, aus polizeilicher Sicht „unglücklich“. Denn damit werde die falsche Nachricht an die Täter gesandt, dass man in Deutschland einen Polizisten ruhig mal attackieren könne, man werde ja nicht in Haft genommen: „Der Polizist liegt verletzt auf der Straße, der Täter geht lächelnd nach Hause. Da ist das Polizistenherz unglücklich.“

Nicht nur die Polizei, auch das Hagener Ordnungsamt beklagt eine zunehmende Verrohung der Sitten. Die Zahl der Fälle, in denen Mitarbeiter beschimpft und bedroht würden, habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, teilte gestern ein Sprecher der Stadtverwaltung mit.

Auch bei dem Vorfall in der Weißenburger Straße wurde den Außendienstmitarbeitern des Ordnungsamtes Gewalt angedroht. Zudem wurden sie auf übelste Weise beleidigt (u.a. Schwuchtel, Wichser).

Eine fehlende Umweltplakette wird mit 80 Euro geahndet.

https://www.wp.de/staedte/hagen/polizisten-nach-attacke-zunaechst-dienstunfaehig-taeter-frei-id210886693.html


Gewaltattacken NRW 2017

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