28.05.2017 – 13:54 Uhr

Berlin – Der Antisemitismus-Skandal an der Gemeinschaftsschule in Berlin-Friedenau hatte für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt hat erstmals das jüdische Opfer Ferdinand (14) über seine Erlebnisse gesprochen. In der britischen Zeitung „The Sunday Times“ erzählt der Junge, wie er von muslimischen Mitschülern geschlagen und misshandelt wurde.

Der Sohn einer Britin und eines Deutschen sagte, er sei wiederholt von Schülern aus dem Nahen Osten und aus der Türkei getreten und gewürgt worden.

Er habe um sein Leben gefürchtet, wird der 14-Jährige, dessen Nachname nicht bekannt werden soll, in der Zeitung zitiert.

Einer der Täter habe ihm sogar gedroht, ihn zu erschießen. Dass die Waffe eine Spielzeugpistole war, habe er nicht gewusst. Er habe sich gefürchtet und sich darum auf den Boden gelegt. „Alle brachen in Gelächter aus und nannten mich schwul.“

Die Eltern des Jungen hatten dem Bericht zufolge die Schule – die im Vorjahr als „Schule ohne Rassismus“ ausgezeichnet worden war – extra ausgesucht, damit ihr Sohn in einem „multikulturellen Umfeld“ ausgebildet werde. Die Familie selbst beschreibt sich als nicht religiös. Bis vor Kurzem hatten die Eltern einen syrischen Flüchtling bei sich zu Hause in Berlin aufgenommen. 

„Ich habe es geliebt, dass die Schule multikulturell war … Die Kinder und Lehrer waren so cool“, sagte Ferdinand gegenüber der „Sunday Times“. Doch als seine Mitschüler erfuhren, dass er jüdischer Abstammung war, hätten die Probleme begonnen.

Er sei ausgegrenzt worden und mit Phrasen wie „Juden sind Mörder, wollen Geld und hassen Muslime“ beleidigt worden. Schließlich wurde er täglich von einer Gruppe von Schülern geschlagen und rassistisch beleidigt.

Ein Junge namens Jassin, dessen Eltern aus Palästina stammen, habe ihn eines Tages gefragt, ob er aus Israel komme, und gedroht, „Palästina werde Israel verbrennen“, und ihn schließlich getreten. Die Angriffe seien immer schlimmer geworden, einmal sei er sogar ohnmächtig geworden, nachdem er von hinten attackiert worden war.

Überhaupt hätten sich die Jungen immer wieder rassistisch, auch gegen Schwarze, geäußert.

Seitens der Schule bekamen Ferdinands Eltern zu hören, dass die Jugendlichen nicht für ihre Handlungen verantwortlich gemacht werden konnten, weil ihre Aussagen den Ansichten in deren Elternhäusern entsprächen. 

Die Lehrer hätten ihm, Ferdinand, schließlich geraten, nicht in das gleiche Klassenzimmer wie seine Angreifer zu gehen, um sie nicht zu provozieren. Seine Mutter Gemma war „außer sich“, wie sie der Zeitung berichtete: „Ich war sehr aufgebracht und habe gesagt: ‚Wollen Sie mir sagen, dass Ferdinand nicht in die Klasse gehen kann, um niemanden mit seinem Jüdisch-Sein zu provozieren? Haben Sie eine judenfreie Zone?‘“

Ein arrangierter Schulbesuch der Großeltern von Ferdinand, bei dem sie über ihre Erlebnisse im Holocaust berichteten, brachte nichts. Das Mobbing und die Attacken gingen weiter!

Ferdinands Eltern zogen schließlich die Konsequenzen – und nahmen ihren Sohn von der Schule. Seit März besucht der Teenager eine andere Schule in Berlin.

Seine Mutter sagte der Zeitung auch: „Die ganze Tortur zeigte uns, wie weitverbreitet und normal diese hasserfüllten Einstellungen sind. Ihre Ansichten über Juden und schwule Menschen gelten in ihren Familien als normal – und die Behörden akzeptieren das einfach.“

Die Schule bestätigte den Vorfall. Schulleiter Uwe Runkel hatte nach den Vorwürfen in BILD gesagt: „Mir tut der Vorfall sehr leid. Ich bedaure, dass der Junge unsere Schule verlassen hat.“ Runkel hat gegen die zwei arabischstämmigen Täter Anzeige erstattet, einer habe die Schule bereits verlassen.

Die Ermittlungen zu dem Fall laufen. 

http://www.bild.de/regional/berlin/antisemitismus/opfer-aus-berliner-schule-spricht-51935986.bild.html

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