08.05.17, 17:48 Uhr

Köln/Leverkusen – Sieben Stiche für den einen Mann, ein paar weniger für seinen Begleiter. Nur eine Notoperation rettete einem der Opfer das Leben: Die Tragödie an Weiberfastnacht vor zwei Jahren in Opladen wird seit Montag vor dem Kölner Landgericht aufgearbeitet. Der Täter, ein heute 30 Jahre alter Mann, hat die Tat im Groben eingestanden. Er wird sich auch den Fragen des Gerichts stellen, die Anklage lautet auf versuchten Doppelmord.

Im Februar 2015 war er in einer Kneipe mit den beiden Karnevalisten aneinander geraten. Die Polizei kam und schlichtete den Streit zunächst. Die beiden Männer zogen ab. Sie waren noch nicht weit gekommen, als ihr Kontrahent sie von hinten angriff. „Ihr habt Euch mit dem Falschen angelegt“, hat er laut Anklageschrift gerufen, bevor er sich mit dem Messer auf seine Opfer stürzte. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft ging der Täter davon aus, dass er mindestens einen der Männer getötet hat. Er rief ein Taxi und fuhr weg.

Zehn Tage später wurde er festgenommen, die Untersuchungshaft endete allerdings sehr bald. Die Fluchtgefahr wurde als gering eingestuft: Der Mann ist zwar nicht verheiratet, hat aber drei kleine Kinder.

Für die Aufarbeitung der Attacke will sich Sabine Kretzschmar viel Zeit nehmen. Was den Verteidiger ziemlich zu wundern scheint. Am Montag gab die Vorsitzende Richterin der 11. Großen Strafkammer am Kölner Landgericht eine Unterredung zu Protokoll. Danach habe sich der Anwalt fest davon überzeugt gegeben, dass für seinen Mandanten „sowieso nur eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren“ heraus kommen könne. Die Fakten lägen auf dem Tisch, ein langwieriger Prozess sei daher unnötig.

Kretzschmar ist da – das zeigt ihre Terminplanung – vollkommen anderer Ansicht. Eine Prognose zum Ergebnis der Hauptverhandlung und erst recht über das Strafmaß gab die Richterin nicht, natürlich.

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10.05.17, 07:58 Uhr

Leverkusen – „Ich möchte mich von Herzen entschuldigen. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich die Kontrolle verloren habe.“ Das steht in einem Brief, den Arcun L. (alle Namen geändert) an Alex und Klaus geschickt hat. Das sind die beiden Männer, auf die er an Weiberfastnacht 2015 eingestochen hatte. Wie von Sinnen. Alex überlebte nur dank einer Notoperation. Seit Montag wird dieser versuchte Doppelmord vor dem Kölner Landgericht aufgearbeitet. Am zweiten Prozesstag sollte der Angeklagte erklären, wie es zu dem Exzess kommen konnte.

Sein Motiv ist einigermaßen klar. Alex und Klaus hatten Arcuns älteren Bruder attackiert. Branco hatte Tritte abbekommen und musste ins Krankenhaus. Das hatte Arcun gehört – Zeuge des Vorfalls im Bierhaus auf der Humboldtstraße war er nicht. Die Kneipe war am Abend von Weiberfastnacht Schauplatz einer Massenschlägerei. Aber kurz bevor es richtig zur Sache ging, war Arcun abgezogen. Seine Verlobte erwartete ihn daheim, außerdem seine drei Kinder, von denen das jüngste gerade vier Wochen auf der Welt war.

Nach Hause kam Arcun aber erst Stunden später. Zwischendurch kam er aus einer anderen Kneipe wieder am Bierhaus vorbei. Und an den beiden Männern, die Branco verprügelt hatten. Das schloss er aus einem Satz von Alex zu seinem Kumpel Klaus, der in den Prozessakten so wiedergegeben ist: „Hast Du gesehen, wie ich den Fettsack zusammengeschlagen habe?“ Arcuns Reaktion: Er stürzte sich mit dem Messer auf die beiden. Ursprünglich nur, um sie „in den Po zu piksen“, sagte er am Dienstag vor der 11. Großen Strafkammer. Aus dem Piksen wurden allein sieben Stiche in den Rücken von Alex; Klaus wurde weniger schlimm erwischt.

Ist der heute 31-Jährige jemand, bei dem mit so etwas zu rechnen ist? Eine Hausdurchsuchung ließ den Schluss zu: Gefunden wurden Messer, ein Schlagring, ein Teleskop-Schlagstock und ein Elektro-Schocker in Gestalt einer Taschenlampe. Das Waffenarsenal habe keine Bedeutung, beteuerte der Angeklagte. Sein Bruder bestätigte das: Arcun sei kein Schläger. Auch die Mutter seiner Kinder kennt ihn nicht so.

Klar ist aber, dass er zum Tatzeitpunkt vor zwei Jahren unter Stress stand: Kurz vorher hatte er die Prüfung zum Handelsfachwirt in den Sand gesetzt. Dann das dritte Kind, und das Geld war auch immer knapp. Arcuns Reaktion: öfter mal einen Joint, spielen, zu viel trinken. Am Tattag hatte er so um die 100 Euro in Automaten versenkt. Dazu viel Bier und diverse Julischkas. Eine ganz schlechte Kombination.

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12.05.17, 11:23 Uhr

Leverkusen – Die Messerstiche von Arcun L. (alle Namen geändert) haben mehr als körperliche Wunden hinterlassen. Die beiden Brüder, die er vor zwei Jahren am Weiberfastnachtsabend in Opladen hinterrücks angegriffen und schwer verletzt hatte, tragen bis heute sichtlich an den Folgen seiner Attacke, von der sie völlig überrascht worden waren. Als der ältere von ihnen gestern im Kölner Landgericht den Zeugenstand betrat, konnte der 28-Jährige seine Emotionen nur mühsam unter Kontrolle halten, zitterte am ganzen Leib und brach mehrfach in Tränen aus.

An jenem Abend, berichtete er der 11. Großen Strafkammer, hätten sein Bruder, er und mehrere Freunde in einem Lokal an der Humboldtstraße Karneval gefeiert. Gegen Mitternacht sei es vor der Gaststätte zu einem Streit zwischen seinem Bruder und dessen Ex-Freundin gekommen, in den der Türsteher, seinerseits ein Bruder des Angeklagten, eingegriffen habe. Dann sei es zu einem Tumult gekommen, in dessen Verlauf auch er geschlagen worden und zu Boden gegangen sei. Innerhalb kürzester Zeit habe die Polizei die Auseinandersetzung aber beendet und ihnen Platzverweise erteilt. Allzu viele Details hatte der Zeuge mehr als zwei Jahre nach der Tat zwar nicht mehr in Erinnerung, wusste aber noch, dass er und sein Bruder dann zur Goethestraße gegangen seien. Dort, in Höhe der Bushaltestelle, habe er einen plötzlichen Schmerz im Rücken verspürt, den er zunächst für einen Schlag gehalten habe.

Erst am vielen Blut habe er erkannt, dass Arcun L. mehrfach auf ihn eingestochen hatte. Der 28-Jährige erlitt lebensgefährliche Verletzungen und musste notoperiert werden, sein jüngerer Bruder kam nur unwesentlich glimpflicher davon. Bei diesen Schilderungen griff der Zeuge immer wieder an seinen Rücken, als wolle er sich davon überzeugen, dass die alten Wunden nicht wieder aufgebrochen sind. Er leidet außerdem noch immer an Schlafstörungen und Herzrasen.

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21.05.17, 11:49 Uhr

Wenn die Zeichen nicht trügen, wird von dem versuchten Doppelmord, den die Staatsanwaltschaft Arcun L. (Name geändert) vorwirft, am Ende wohl nur ein versuchter Totschlag übrig bleiben. Vielleicht auch nur eine gefährliche Körperverletzung. Und um eine alkoholbedingte verminderte Schuldfähigkeit des 31-jährigen Leverkuseners wird die 11. Große Strafkammer des Kölner Landgerichts wohl auch nicht herumkommen.

Die Fragen zur beruflichen Zukunft und dem Einkommen des Angeklagten, die Richterin Sabine Kretzschmar ihm stellte, lassen jedenfalls darauf schließen, dass er mit einer verhältnismäßig milden Strafe und einem offenen Vollzug rechnen darf.

Arcun L., der an Weiberfastnacht 2015 zwei Brüder mit einem Messer angegriffen und lebensgefährlich verletzt hatte, befindet sich bis heute auf freiem Fuß, weil der damals ausgestellte Haftbefehl gegen 10 000 Euro Kaution zunächst außer Vollzug gesetzt und später aufgehoben worden war.

Der gelernte Einzelhandelskaufmann hat drei Kinder und ist stellvertretender Filialleiter einer Supermarktkette. Wenn seine Vorgesetzten einverstanden sind, erklärte er der Vorsitzenden, werde er seine Schichten so legen, dass er tagsüber arbeiten und abends ins Gefängnis zurückkehren kann. Außerdem will er seinen beiden Opfern je 5000 Euro Schmerzensgeld und monatlich 200 Euro Entschädigung zahlen, bis eine Höchstsumme erreicht ist, die er mit den Anwälten der Brüder allerdings noch aushandeln muss.

Sein Einkommen beläuft sich inklusive Kindergeld und dem Mini-Job seiner Lebensgefährtin auf rund 3000 Euro netto pro Monat. Das klingt äußerst seriös, umso mehr verstört nicht nur die Tat, die Arcun L. vor zwei Jahren auf der Goethestraße in Opladen begangen hat, sondern auch das Ergebnis einer Hausdurchsuchung, bei der die Polizei damals ein Messer, einen Schlagring, einen Teleskop-Schlagstock und einen Elektro-Schocker gefunden hatte. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. Voraussichtlich können dann bereits die Plädoyers gehalten und das Urteil verkündet werden.

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