18.05.2017

Es gab am letzten Freitag (Paedfescht) und am Samstag (Queernight) massive Probleme im Epplehaus mit Grapschen und sexuellen Belästigungen.“ Das teilte die Stadtverwaltung Tübingen am Donnerstag auf Anfrage des TAGBLATT mit. Auslöser war ein Facebook-Posting der Fachschaft Erziehungswissenschaft, die zu besagtem „Paedfescht“ in das städtische Jugendzentrum eingeladen hatte. „Nach einer anfangs sehr schönen Party kam es zu späterer Stunde zu massiven Grenzverletzungen und sexuellen Belästigungen. Und das in einem so großen Ausmaß, dass wir und das Epple-Team die Situation leider nicht in den Griff bekamen“, schrieben die Studierenden. „Das hat uns sehr schockiert.“

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer entdeckte die Stellungnahme, verbreitete sie über sein Facebook-Profil und fragte: „Was ist los im Epple?“ Außerdem bat er Betroffene, sich bei ihm zu melden und ihre Erlebnisse zu schildern. Der Text wurde im Nullkommanichts weiterverbreitet und vielfach kommentiert. Daraufhin löschte die Fachschaft ihre Stellungnahme vorübergehend und schrieb: „Wir tolerieren es nicht, dass unsere Stellungnahme von Oberbürgermeister Boris Palmer und anderen Kommentierenden für politische und rassistische Zwecke missbraucht wird.“ Dadurch werde das eigentliche Problem, nämlich der Sexismus, in den Hintergrund gedrängt. Das sei kontraproduktiv und stehe der „lösungsorientierten Bearbeitung“ der Vorgänge im Weg.

In einer Stellungnahme auf Facebook solidarisiert sich das Epplehaus mit dem Vorgehen der Fachschaft: „Indem Palmer die Stellungnahme der Fachschaft Erziehungswissenschaft mit einem aus dem Kontext gerissenen Zitat in Zusammenhang bringt, instrumentalisiert er den an die Betroffenen gerichteten Text, um damit auf eine vermeintliche Tätergruppe zurückzuschließen. Dies erscheint uns als rassistischer Reflex, da in dem Text der Fachschaft keinerlei Hinweis auf die Herkunft der Täter enthalten ist.“

Was genau passiert ist, darüber wollte die Fachschaft auf mehrfache Nachfrage unserer Zeitung keine Auskunft geben. Seitens der Stadtverwaltung heißt es: „Mehrere Augenzeugenberichte und die Stellungnahme eines Veranstalters (Fachschaft Pädagogik) berichten davon, dass die Situation außer Kontrolle geraten ist.“ Die Identität der Täter sei nicht bekannt. „Mehrere Augenzeugen berichten aber, dass unter den Tätern mehrere Schwarze waren, die in Gruppen agiert haben.“

Palmer, der am Donnerstag persönlich nichts zu den Vorfällen und der Diskussion sagen wollte, zitiert auf Facebook eine Betroffene: „Ich wurde einfach angefasst, gezogen, man hat mich trotz mehrfacher Gegenwehr nicht in Ruhe gelassen, meine männlichen Freunde haben sich fast in eine Schlägerei verwickeln lassen, da auch diese nichts gegen die wildgewordenen Männer unternehmen konnten, bis wir die Party schließlich nach einer Stunde, maximal genervt, verließen.“

Im Epplehaus hat man die Situation anders erlebt. Man habe weder die Kontrolle verloren, noch sei irgendetwas passiert, das nicht auch sonst irgendwo auf einer anderen Party, in einem anderen Club oder einer Diskothek schon passiert ist, sagte einer der Ehrenamtlichen, der anonym bleiben möchte, dem TAGBLATT. „Es gab durchaus Grenzverletzungen“, berichtet er, und die wolle man gewiss auch nicht schönreden oder schmälern. „Aber das, was da gerade passiert, ist ein Aufbauschen der Situation.“

Vielmehr sei die Stimmung auf der Party vor allem deshalb gekippt, weil man die Leute vor die Tür gesetzt habe. „Es wurde auch gegrapscht“, sagt der 33-Jährige, „aber in den meisten Fällen haben sich Frauen am Einlass beschwert, dass sie angemacht oder angetanzt werden, obwohl sie das nicht wollen.“ Männer, die ein „Nein!“ nicht akzeptierten, habe man rausgeschmissen. „Weil die nicht gehen wollten, kam es dann zu Problemen“, sagt der Ehrenamtliche. „Erst dadurch ist die Außergewöhnlichkeit dieser Situation entstanden.“

Die Polizei geht den Vorfällen, nachdem sie am Donnerstag öffentlich wurden, nun nach. Beim Polizeirevier in Tübingen sind laut Polizeisprecher Josef Hönes noch keine Anzeigen wegen sexueller Belästigung eingegangen. Auch die Staatsanwaltschaft Tübingen hat bisher keine Erkenntnisse.

Die Stadtverwaltung steht nun mit der Polizei im Kontakt. Kommende Woche werde man über geeignete Präventions- und Sanktionsmaßnahmen beraten, heißt es in der Stellungnahme. Und weiter: „Da das Haus städtisch ist, wird die Stadt auch mit dem Trägerverein und den Veranstaltern das Gespräch suchen.“ OB Palmer will dann übrigens einem Tipp von Stadtrat Markus Vogt (Die Partei) folgen: „Wenn die Debatte von der Stadt pragmatisch weitergeführt werden soll, dann einfach Frau Arbogast, der Sozialbürgermeisterin das überlassen (oder jemandem anderen aus der Sozialverwaltung). Ich halte es für unwahrscheinlich, dass das Epplehaus Sie als glaubwürdigen Debattenpartner in solchen Fragen wahrnimmt.“ Palmers Antwort auf Facebook: „Das ist schon längst beauftragt.“

Vergangene Nacht meldete sich das Epplehaus mit einer Presseerklärung zu Wort, die wir hier im Wortlaut dokumentieren:

„Wir, das Epplehaus, beziehen Stellung zur bisherigen medialen Debatte über die Ereignisse vergangenen Wochenendes 12./13. Mai 2017. Die in der Presse bisher erschienenen Äußerungen von einzelnen ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen des Hauses können nicht als offizielle Stellungnahme des Vereins Epplehaus e.V. verstanden werden, da wir die Geschehnisse nicht verharmlosen wollen. Bei den Veranstaltungen am Freitag und Samstag kam es zu nicht hinnehmbaren Grenzüberschreitungen und sexuellen Belästigungen.

Mit diesen Problematiken sind wir schon länger konfrontiert und haben diverse Maßnahmen zum Schutz der Gäste und der Mitarbeiter*innen (Schutzpersonal, Hausverbote, Arbeitskreise) entwickelt. An diesen Abenden haben wir die Situationen zusammen mit den Mitveranstalter*innen falsch eingeschätzt und waren diesen im späteren Verlauf der Veranstaltungen nicht mehr gewachsen. Dies tut uns leid. Wir stehen hinter den Betroffenen und haben bereits Schritte eingeleitet, um zukünftig angemessen reagieren und einen sicheren Raum für Alle bieten zu können. Wir vermitteln bei Bedarf professionelle Unterstützungsmöglichkeiten.

Gemeinsam mit der Fachschaft Erziehungswissenschaft und mit Unterstützung des Netzwerks Antidiskriminierung e.V. befinden wir uns im Reflexionsprozess und im engen Austausch, um das Thema sachlich weiter zu bearbeiten. Hierbei möchten wir die Betroffenen einbeziehen und laden zum Austausch ein. Gern treten wir auch in den Dialog mit der Stadt.“

http://www.tagblatt.de/Nachrichten/Sexuelle-Belaestigungen-bei-Paedfescht-und-Queernight–332120.html


19. Mai 2017

TÜBINGEN. Bei zwei linken Szeneparties ist es am vergangenen Wochenende in Tübingen offenbar zu zahlreichen sexuellen Übergriffen durch Ausländer gekommen. „Nach einer anfangs sehr schönen Party kam es zu späterer Stunde zu massiven Grenzverletzungen und sexuellen Belästigungen“, heißt es in einem Facebook-Beitrag der Fachschaft Erziehungswissenschaft der Tübinger Universität vom Mittwoch.

Diese hatte am vergangenen Freitag im Szenetreff Epplehaus zum „Paedfescht“ eingeladen. Die Stadtverwaltung teilte mit, daß laut mehreren Augenzeugenberichten dort und bei der am Samstag stattfindenden „Queernight“ die Situation außer Kontrolle geraten war, meldet das Schwäbische Tagblatt. Zeugen hätten berichtet, daß „unter den Tätern mehrere Schwarze waren, die in Gruppen agiert haben“.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) griff den Post der Fachschaft auf und schrieb auf seiner Facebook-Seite: „Was ist los im Epple?“ Zudem ermutigte er Opfer der Tatnacht, sich bei ihm zu melden und ihre Erlebnisse zu schildern. Das wollten die Fachschaftsvertreter nicht auf sich sitzen lassen: „Wir tolerieren es nicht, daß unsere Stellungnahme von Oberbürgermeister Boris Palmer und anderen Kommentierenden für politische und rassistische Zwecke mißbraucht wird.“ Dadurch werde das eigentliche Problem, nämlich der Sexismus, in den Hintergrund gedrängt. Das sei kontraproduktiv und stehe der „lösungsorientierten Bearbeitung“ der Vorgänge im Weg.

Das Epplehaus warf dem Grünen-Politiker einen „rassistischen Reflex“ vor und sprach von einem Aufbauschen der Vorfälle. Man habe weder die Kontrolle verloren, noch sei irgend etwas passiert, das nicht auch sonst irgendwo auf einer anderen Party, in einem anderen Club oder einer Diskothek schon passiert sei, sagte einer der ehrenamtlichen Helfer dem Tagblatt.

Palmer konterte auf Facebook: „Liebe Fachschaft, durch Wegschauen wurde noch nie ein Problem gelöst. Wer Erziehungswissenschaft studiert, kann doch nicht ernsthaft fordern, daß strafbare Handlungen auf dem eigenen Fest einfach ignoriert werden.“ Später ließ der Oberbürgermeister auf seiner Seite auch eine Betroffene zu Wort kommen, die sich an ihn gewandt hatte.

In dem Brief beklagt sich die junge Frau, die anonym bleiben will, über den Vorfall vom vergangenen Freitag, aber „auch bezüglich der Gesamtsituation in Tübingen, die sich in den letzten fünf Jahren sehr verändert“ habe. „Das einst friedliche Studentendörfchen, in dem ich zu jeder Tages- und Nachtzeit mal mit einer, mal mit drei Weinschorlen intus heimgelaufen bin, hat sich zu einer Gefahrenzone entwickelt.“

Ihr einst humanistischer Grundgedanke habe sich „aufgrund von wiederholten Handlungen eines gewissen Phänotyps in ein Vermeidungsverhalten entwickelt“. Zu den Vorfällen am Freitag schreibt sie: „Ich wurde einfach angefaßt, gezogen, man hat mich trotz mehrfacher Gegenwehr nicht in Ruhe gelassen, meine männlichen Freunde haben sich fast in eine Schlägerei verwickeln lassen, da auch diese nichts gegen die wildgewordenen Männer unternehmen konnten, bis wir die Party schließlich nach einer Stunde, maximal genervt, verließen.“

https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2017/bericht-schwarze-begrapschen-frauen-in-linkem-szenetreff/


23.05.2017 – 16:33

Tübingen (TÜ): Berichtigung zur Pressemitteilung „Sexuelle Übergriffe in Tübinger Jugendhaus“

Bei der heute, am Dienstagmittag, gegen 12.13 Uhr, veröffentlichten Pressemeldung wurde in Bezug auf die im Jugendhaus stattgefunden Veranstaltungen versehentlich ein falscher Zeitraum angegeben. Zu den sexuellen Übergriffen soll es bei Veranstaltungen am 12 und 13. Mai 2017 und nicht am 19. und 20.05.2017 gekommen sein. Bitte nachstehende Meldung übernehmen:

Das Kriminalkommissariat Tübingen hat Ermittlungen wegen angeblicher sexueller Übergriffe auf Frauen in einem Tübinger Jugendzentrum in der Karlstraße aufgenommen. Über einen Facebook-Eintrag war öffentlich bekannt geworden, dass es bei zwei Veranstaltungen am 12. und 13. Mai 2017 im Jugendzentrum zu sexuellen Belästigungen von Frauen in einem größeren Ausmaß gekommen sein soll. In den örtlichen Medien wurden die Übergriffe bereits mehrfach publiziert und Geschädigte aufgerufen, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Bis zum 23.05.2017 haben sich noch keine Betroffenen bei der Polizei gemeldet und Anzeige erstattet. Die Kriminalpolizei ist bei der Aufarbeitung des Geschehens auf die Aussagen der Geschädigten aber auch auf die von Zeugen angewiesen. Sie appelliert deshalb an alle, die von den Taten Kenntnis erlangt, direkt betroffen waren oder auf sonstige Weise zur Aufklärung und Ermittlung von Tatverdächtigen beitragen können, sich unter Tel. 07071/972-8660 zu melden.

http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/110976/3643295