09.01.2018 – 17:31 Uhr

Der vermeintliche „Dr.“ muss sich in München vor Gericht verantworten.
Die Richterin hat den Mann vor drei Jahren in anderer Sache verurteilt, die Richterin ist damals wie heute die selbe. Es geht um Missbrauch von Titeln – und Vergewaltigung.
München – Dass er in Indien eine Ausbildung zum Ayurveda-Doktor gemacht hat, gibt Amar K. (55, Name geändert) nicht das Recht, hierzulande als „Dr. K.“ aufzutreten. Weil er es trotzdem tat, war der Heiler bereits 2014 vom Münchner Landgericht wegen Missbrauchs von Titeln zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verurteilt worden. Die Vorsitzende Richterin damals: Regina Holstein.
Und mit dieser Richterin hatte es der Ayurveda-Doktor gestern wieder zu tun. Erneut wegen Missbrauchs von Titeln. Wesentlich gravierender ist aber der zweite Vorwurf: Amar K. ist wegen zwei Vergewaltigungen und zwei anderen sexuellen Übergriffen angeklagt. Doch der 55-Jährige bestreitet die Vorwürfe.
In Kundin mit Finger eingedrungen – um Krebs zu heilen
Zwar sei er bei einer Kundin am 1. Februar des vergangenen Jahres tatsächlich mit dem Finger eingedrungen, aber nur, um gemäß der Marma-Massage-Ziele einen sogenannten Vitalpunkt der Frau zu bearbeiten und sie so von einem beginnenden Krebs zu heilen, sagt er gestern. Das habe er der Frau auch vorher erklärt.
Doch die Anklage geht von einer sexuellen Motivation aus. Der Heiler habe die Überraschung der Frauen nicht nur in diesem Fall ausgenutzt.

Bei einem zweiten Vorfall, von dem Amar K. sagt, ererinnere sich nicht, ist er laut Anklage ebenfalls mit dem Finger beim Massieren eingedrungen. In zwei weiteren Fällen soll er die Hände der liegenden Frauen zu seinem Penis geführt haben. Das streitet Amar K. vehement ab.

Der Ayurveda-Arzt ließ über seine Verteidigerin erklären, dass er 13 Jahre in Indien studiert habe. Wegen der Liebe sei er in den 90ern nach Deutschland gekommen. Die Beziehung scheiterte. Mit einer zweiten Freundin hat er einen kleinen Sohn. Die Frau soll am Mittwoch als Zeugin gehört werden.

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.prozess-in-muenchen-war-es-vergewaltigung-heiler-55-angeklagt.faac3ff2-9556-4743-82c6-8bcdcd6a3486.html


10.01.18

 

München/Krailling – Velayudhan P. lässt seine olivfarbene Jacke gleich an, als er auf der Anklagebank Platz nimmt, vor sich eine Plastiktüte mit Unterlagen. Als der Staatsanwalt die Anklage verliest, schüttelt der ayurvedische Heiler aus Krailling (Kreis Starnberg) den Kopf. Damit will er zeigen, für was er die Vorwürfe hält: Unsinn. Der Staatsanwalt wirft ihm vor, zwei Frauen mit den Fingern vergewaltigt und die Hände zweier anderer Frauen gegen sein Geschlechtsteil gedrückt zu haben. Die Vorfälle sollen im Februar 2017 in der Praxis von P. stattgefunden haben, seit 14. März sitzt er in Untersuchungshaft in München-Stadelheim.

Der 55-jährige Inder erklärte, dass er in seinem Heimatland zum Ayurveda-Arzt ausgebildet wurde. In Indien habe er ein insgesamt 13-jähriges Studium absolviert. Im Jahr 1998 sei er nach Deutschland gekommen und habe hier 16 Jahre erfolgreich mit traditioneller ayurvedischer Medizin praktiziert. „Sämtliche Handlungen dienten der Behandlung und Linderung von Beschwerden. Sie waren nie sexuell motiviert“, ließ er über seine Verteidigerin ausrichten.

An den ersten Fall vom 1. Februar 2017, der in der Anklage geschildert wird, erinnert sich der Heiler nach eigenen Angaben genau. Die Patientin habe damals eine Blasenschwäche und gynäkologische Probleme gehabt – sowie einen beginnenden Krebs im Unterleib. Er habe bei ihr die Marma-Massage angewandt, bei der Vitalpunkte am Körper gedrückt werden. Dabei habe er auch Druckpunkte im Inneren des weiblichen Genitals berühren müssen. Das habe er der Frau auch auf Englisch erklärt. Sie habe eingewilligt und sei insgesamt sieben bis acht Mal zur Behandlung gekommen. Darüber hinaus habe er ihr ayurvedische Medizin gegeben. So habe er sie von ihrem Krebs geheilt.

Bei der zweiten Patientin habe er auch die Marma-Massage angewandt, seiner Erinnerung nach allerdings ohne Massage im Körperinneren. An die anderen Patientinnen erinnere er sich nicht. Er habe aber „nie aus sexueller Motivation heraus“ gehandelt. Und er habe auch nie die Hand einer Patientin gegen sein Geschlechtsteil gedrückt. „Ich weiß nicht, was ich gemacht haben soll“, sagte er wütend.

Die Staatsanwaltschaft wirft Velayudhan P. darüber hinaus Titelmissbrauch vor. Im Internet, in Zeitungsartikeln, auf Werbeprospekten und auf seinem Praxisschild bezeichnete er sich als „Dr.“. Dabei besitzt er nicht den akademischen Grad eines deutschen Doktors. „Ich wollte nie einen deutschen Doktortitel vortäuschen“, sagte der Angeklagte. Allerdings schien ihm nicht so ganz klar zu sein, dass er dies offenbar gemäß deutschem Recht getan hatte. „In Indien bin ich ein Doktor“, betonte er. „Ja, aber wir sind hier nicht in Indien“, entgegnete eine der Richterinnen. Mehrmals ging das so hin und her.

Der Ayurveda-Arzt war bereits 2014 zu einer Geldstrafe von 10 000 Euro verurteilt worden. Zum einen wegen Titelmissbrauchs, zum anderen wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz. Als angeblicher Heilpraktiker hatte er ungeeignete, aber teure Medikamente und Anwendungen verschrieben.

Der Prozess dauert an.

https://www.ovb-online.de/bayern/ayurveda-arzt-bestreitet-missbrauch-9512274.html


16.01.18

Krailling/München – Seit einem knappen Jahr saß der Ayurveda-Heiler aus Indien im Stadelheim in Untersuchungshaft. Vergangene Woche verurteilte ihn das Landgericht München II wegen zweifacher Vergewaltigung, zwei sexueller Übergriffe und Titelmissbrauchs zu drei Jahre Haft.

Der Vorwurf: Der gebürtige Inder soll im Februar 2017 zwei Frauen während einer Behandlung mit dem Finger und die Hände zweier anderer Patientinnen gegen sein Geschlechtsteil gedrückt haben. Die Staatsanwaltschaft sieht dabei in zwei Fällen sogar den Tatbestand einer Vergewaltigung erfüllt. Auch musste der in Krailling Inder sich – nicht zum ersten Mal – wegen Titelmissbrauch verantworten, weil der Ayurveda-Heiler, der seit 16 Jahren in Deutschland eine Ayurveda Praxis führt, immer als „Doktor“ aufgetreten sei und den Zusatz Ayurveda weggelassen habe. Ein Doktor sei er aber nicht, beschloss das Landgericht bereits 2014 und verurteilte ihn damals zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro. Er habe 13 Jahre in einer Indischen Universität Ayurveda studiert, wehrte sich der Angeklagte. Und in Indien sei der Zusatz „Doktor“ durchaus zulässig.

Auch die sexuelle Belästigung wies er weit von sich. Zwei Frauen behandelte er aufgrund einer Blasenschwäche und – so die Aussage des Beschuldigten – auf beginnenden Krebs. Vor der Behandlung kläre er die Frauen über die Behandlung auf und hole ihr Einverständnis ein, auch im Körperinneren sogenannte Marma-Punkte zu berühren. Eine der Patientinnen habe ihr Okay gegeben, die nach der Therapie geheilt gewesen sei. An die anderen drei Frauen könne er sich nicht erinnern. Aus sexuellen Motiven habe er nie gehandelt, versicherte der Angeklagte. Im Februar 2017 hatte eine Patientin den praktizierenden Ayurveda Heiler angezeigt. Aufgrund der in der Praxis gefundenen Karteikarten kontaktierte die Kriminalpolizei alle Patienten, woraufhin drei weitere Frauen angaben, von dem Angeklagten sexuell belästigt geworden zu sein.

In einer Erklärung betonte seine Verteidigerin, Rechtsanwältin Susanne Hartlage, dass der Inder mit seinen Therapien gute Erfolge erzielt habe und keinerlei sexuelle Motive hinter den Behandlungen steckten. Ein „Scharlatan“ sei der 55-Jährige nicht, sagte Richterin Regina Holstein in ihrer Urteilsbegründung. Aber er habe bei der Behandlung ganz klare „Grenzen überschritten“.

https://www.kreisbote.de/lokales/starnberg/heiler-krailling-drei-jahre-haft-wegen-missbrauch-sexueller-uebergriffe-titelmissbrauch-9530288.html