Löhne (WB/ca). Die Gebote standen bei 45.000 Dollar: Ein Mädchen (8) aus Löhne ist im Internet zum Verkauf angeboten worden. Das Kind gab an, das Inserat selbst aufgegeben zu haben.

Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen meldete sich in der Nacht zum Mittwoch ein Mann bei der Mindener Polizei . Er hatte auf dem Verkaufs­portal shpock.com das Foto eines Mädchens entdeckt. Das aktuelle Gebot lautete 45.448 US-Dollar.

Polizisten fanden heraus, dass es sich um ein achtjähriges Flüchtlingskind aus dem Libanon handelte, das seit zwei Jahren mit seinen Eltern und seinen beiden Geschwistern in einer Asylbewerberunterkunft in Löhne ( Kreis Herford ) lebt. Beamte durchsuchten die Wohnung der Familie im Dachgeschoss der Unterkunft. Vater (47) und Mutter (40) bestritten, das Angebot zu kennen.

Um jede Gefährdung auszuschließen, nahmen Mitarbeiter des Jugendamts Löhne das Mädchen sowie seine drei und zwölf Jahre alten Geschwister in Obhut und brachten sie in einer entsprechenden Einrichtung unter. Polizisten stellten in der Wohnung zahlreiche Handys und einen Tablet-PC ­sicher, um zu klären, ob mit ihnen das Verkaufsangebot ins Internet gestellt worden war. Außerdem veranlasste die Polizei Löhne die Löschung des Angebots.

Die Familie wurde am folgenden Tag ins Jugendamt bestellt. Bei einer Befragung gab das Mädchen an, das Foto selbst hochgeladen und sich unter Angabe des echten Vornamens angeboten zu haben. Über das Motiv des Kindes wurde öffentlich nichts bekannt.

Löhnes Bürgermeister Bernd Poggemöller sagte gestern: »Die Kinder sind inzwischen zurück bei den Eltern. Natürlich wirft es Fragen auf, wenn ein achtjähriges Mädchen so etwas tut. Unser Jugendamt wird sich deshalb um die Familie kümmern.« Als »völlig unverständlich« bezeichnete der Bürgermeister, dass sich solche Angebote überhaupt auf Verkaufsplattformen einstellen ­ließen. »Ich hätte erwartet, dass es eine Kontrolle gibt, die das verhindert.«

Das Angebot bei shpock.com erinnerte zunächst an den Fall des »Ebay-Babys« von Duisburg. Dort hatte ein Flüchtling seine 40 Tage alte Tochter für 5000 Euro angeboten. Er wurde ermittelt und gab an, er habe nur einen Scherz machen wollen. Das konnte nicht widerlegt werden. In Absprache mit dem Jugendamt bestimmte ein Richter, dass die Mutter mit dem Mädchen in eine Mutter-Kind-Einrichtung zieht und der Vater das Mädchen nur noch unter Aufsicht sehen darf.

Ob diejenigen, die auf das Mädchen aus Löhne geboten und als Währung US-Dollar angegeben hatten, ermittelt werden können, ist ungewiss.

http://www.westfalen-blatt.de/OWL/Lokales/Kreis-Herford/Loehne/2663720-Loehne-Polizei-und-Jugendamt-schreiten-ein-Achtjaehrige-im-Internet-zum-Verkauf-angeboten