10.1.2017

Nach 88 Verhandlungstagen geht vor dem Kölner Landgericht ein Prozess gegen acht mutmaßliche Islamisten in die Endphase. Mit der Beute aus Einbrüchen in Kirchen sowie anderen kuriosen Geschäftsideen wollten sie offenbar den Dschihad unterstützen.

Mustapha A. und die sieben Mitangeklagten telefonierten viel miteinander. Wenig konspirativ ging es dabei um „Waschmaschinen“, wenn sie Tresore meinten, ums „Essen gehen“, wenn wieder ein Einbruch geplant war oder um „Quickies“, wenn einer der Einbrüche so einfach eingeschätzt wurde, dass im Grunde auch einer allein ihn hätte durchziehen können.

Die vielen Telefonate der Salafisten, die Ermittler des Verfassungsschutzes und der Polizei über einen Zeitraum von fast eineinhalb Jahren abgehört hatten, wurden als Beweise in den Prozess vor der 1. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts eingebracht – tagelang hörten sämtliche Prozessbeteiligten nichts anderes.

Die acht Angeklagten zwischen 22 und 36 Jahren sind wegen schweren Bandendiebstahls und des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdeten Gewalttat angeklagt. Am 18. Oktober 2015 startete der Prozess, in dieser Woche geht er mit den Plädoyers in seine Endphase. Eigentlich war das Urteil für März 2016 geplant. 400 Seiten stark ist die Anklageschrift, die Beweisaufnahme gestaltete sich aufwändiger als geplant, immer wieder stellten die Verteidiger Anträge, die das Verfahren zusätzlich in die Länge zogen.

Die Angeklagten stammen aus Köln und Siegen, vier von ihnen sind Brüder, gegen zwei der Männer läuft noch ein weiteres Verfahren vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Einer von ihnen soll mindestens drei Kämpfer für den Islamischen Staat (IS) angeworben haben, der zweite soll dabei geholfen haben, zwei so genannte Gotteskrieger nach Syrien zu schleusen und der Terrorgruppe „Ahar al-Sham“ Geld und einen Krankentransporter gespendet haben. Der 25-jährige Mustapha A. soll in Syrien selbst eine militärische Ausbildung durchlaufen haben und im Ende 2013 nach Deutschland zurückgekehrt sein.

Im Prozess geht es um neun Diebstähle. Die Bande soll in Kirchen, Schulen im Raum Siegen und einen Afro-Shop in Köln eingebrochen sein, um Geld für den Dschihad zu erbeuten. Die Beträge, die sie laut Anklage erbeutet haben, sind nicht besonders hoch – insgesamt geht es um rund 19.000 Euro. Mal nahmen sie Briefmarken mit, mal einen Opferstock oder Laptops. Einen gestohlenen Safe aus einer Kirche sollen sie in einem Sportvereinsheim geschleppt haben, um ihn dort in Ruhe aufzubrechen. Weil sie gestört wurden, ließen sie ihn zurück.

In den Telefonaten ging es um absurde Pläne wie das Ausrauben von Diamanten-Minen in Südamerika. Im Vorfeld des Prozesses ging es in Details aus den Ermittlungsakten auch um die Idee der Männer, Wachteln zu züchten, um deren Eier zu verkaufen – weil sie gehört hatten, dass sie sehr wertvoll seien. Ein Überfall auf einen Geschäftsmann in einem Kölner Hotel soll am auffälligen Verhalten der Männer gescheitert sein. Zwei Streifenbeamte kontrollierten sie deshalb. Und auch die Idee, einen Netto-Markt zu überfallen, ging schief. An Karneval gingen zwei der Angeklagten als Geister verkleidet in den Supermarkt und lösten den Alarm aus, als sie im Personalraum Kaffee, Handys und Portemonnaies mitgehen lassen wollten.

Ob sich vollständig aufklären lässt, ob die Angeklagten tatsächlich Radikale oder doch eher dilettantische Kleinkriminelle sind, ist fraglich. Ein Ende des Prozesses ist nun immerhin in Sicht, doch allein das Plädoyer der Staatsanwältin wird drei Tage in Anspruch nehmen.

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/koeln/briefmarken-und-wachteleier-fuer-den-dschihad-aid-1.6524789


10.1.2017

Haftstrafen drohen Kirchen-Einbrecher vor Gericht – finanzierten sie Islamisten?
Die Vorwürfe sind spektakulär, politisch hochbrisant – doch was bleibt am Ende davon übrig?
Am 85. Verhandlungstag hat die Staatsanwaltschaft mit ihrem Plädoyer im Prozess gegen acht mutmaßliche Islamisten vor dem Kölner Landgericht begonnen.
Dieses soll am nächsten Verhandlungstag beendet werden – dem Vernehmen nach stehe die Forderung nach mehrjährigen Haftstrafen im Raum.
Staatsanwaltschaft glaubt an Kontakt zu Dschihadisten
Die Männer im Alter von 25 bis 37 Jahren sollen in Kirchen, Schulen und Kindergärten eingebrochen sein – um mit der Beute befreundete Gotteskrieger in Syrien zu finanzieren.
Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, den Angeklagten die Nähe zu Dschihadisten anhand von Telefonüberwachungen nachgewiesen zu haben.
Doch die streiten das ab. Stundenlange Gespräche wurden dokumentiert und in den Prozess vor dem Landgericht eingeführt. „Wir müssen die Brüder unterstützen“, dieser Satz soll am Telefon mehrfach gefallen sein. Kein Beweis, sagen die Verteidiger. Und der Richter soll das ähnlich sehen.
Angeklagte argumentieren mit Geldnot
Die Einbruchserie hingegen räumten die Angeklagten weitgehend ein. Man habe hierbei aber aus persönlicher Geldnot gehandelt.
Ende Dezember 2013 hatten die Einbrecher etwa die Kirche St. Augustinus Keppel im Siegerland heimgesucht. Sie brachen Türen, Schränke und Opferstöcke auf und rissen in der Sakristei einen Tresor von der Wand.
„Die ganze Sakristei war verwüstet“, sagte der Pfarrer als Zeuge vor Gericht. Den Sachschaden bezifferte er auf rund 12.000 Euro. Ein Kunsthandwerker hatte etwa eine wertvolle Monstranz aufwendig restauriert, die bei dem Einbruch beschädigt worden war.
Beim Pfarrer für Einbruch entschuldigt
Seltsam mutet an, dass die Angeklagten sich der stetigen Telefonüberwachung bewusst waren. Die Staatsanwaltschaft hatte die Gruppe schon lange im Visier.
„Silvester ist ’ne gute Zeit, da kann man richtig gut essen gehen“, hieß es da einmal. „Essen“ war in dem Fall das Synonym für „einbrechen“.
„Kann mir nicht vorstellen, dass die da keinen Kühlschrank haben“, hieß es vor dem Einbruch. Gemeint war der Tresor. Die Angeklagten hatten sich vor Gericht beim Pfarrer für den Kircheneinbruch entschuldigt.

http://www.express.de/koeln/haftstrafen-drohen-kirchen-einbrecher-vor-gericht—finanzierten-sie-islamisten–25515850


30.1.2017

ACHT MÄNNER VERURTEILT!
Sie plünderten Kirchen für den Heiligen Krieg
Die Angeklagten brachen in Kirchen ein, um Geld für den bewaffneten Dschihad zu beschaffen
Köln – Knast für die salafistischen Kirchendiebe! Das Kölner Landgericht verurteilte acht junge Männer (25 bis 37) zu Haftstrafen von zwei Jahren und sieben Monaten bis zu vier Jahren und zehn Monaten.
Grund: Sie waren laut Anklage in Kirchen, Schulen und einen Afro-Shop eingebrochen. Sogar Opferstöcke hatten sie geplündert. Die Beute war mit mehreren 1000 Euro eher gering, der Sachschaden viel höher.

Seit Dienstag stehen acht Männer (24 bis 36) u. a. wegen Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat vorm Landgericht.
Aber: Die Männer hätten mit dem Geld den bewaffneten Dschihad in Syrien unterstützen wollen. Das habe die lange Beweisaufnahme (90 Verhandlungstage seit Oktober 2015) ergeben.
Die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat habe die Kammer aber nicht angenommen. Richter Dr. Sossna: „Wir haben nicht mit erforderlicher Sicherheit feststellen können, dass nennenswerte Beträge nach Syrien geflossen sind und an wen.“

Die Dschihad-Unterstützung sei für alle eine Motivation gewesen. Als muslimische Brüder hätten sie Beute bei Ungläubigen machen dürfen. Dagegen habe das Gericht bejaht, dass es sich bei den Angeklagten – bis auf einen – um eine Bande handele.

Die Salafisten wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.
In dem Verfahren waren zahlreiche Gespräche aus der Telefonüberwachung gehört worden. Darin sei eine immer stärkere Radikalisierung zu erkennen: „Das wurde immer mehr hochgefahren, hat bedenkliche Züge angenommen.“

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem mehrtägigen Plädoyer sogar Strafen bis zu sieben Jahren gefordert. Auch sie war überzeugt, dass zumindest ein Teil der Beute für den bewaffneten Dschihad bestimmt war.

Auch die Auswahl der Tatorte zeige das. Sie sprach von „Verachtung Andersgläubiger“.
Die Angeklagten hatten dagegen betont, das Geld nur für ihren Lebensunterhalt verwendet zu haben.

http://www.bild.de/regional/koeln/urteil/einbrueche-in-kirchen-fuer-den-dschihad-50023342.bild.html