Nach 88 Verhandlungstagen geht vor dem Kölner Landgericht ein Prozess gegen acht mutmaßliche Islamisten in die Endphase. Mit der Beute aus Einbrüchen in Kirchen sowie anderen kuriosen Geschäftsideen wollten sie offenbar den Dschihad unterstützen.

Mustapha A. und die sieben Mitangeklagten telefonierten viel miteinander. Wenig konspirativ ging es dabei um „Waschmaschinen“, wenn sie Tresore meinten, ums „Essen gehen“, wenn wieder ein Einbruch geplant war oder um „Quickies“, wenn einer der Einbrüche so einfach eingeschätzt wurde, dass im Grunde auch einer allein ihn hätte durchziehen können.

Die vielen Telefonate der Salafisten, die Ermittler des Verfassungsschutzes und der Polizei über einen Zeitraum von fast eineinhalb Jahren abgehört hatten, wurden als Beweise in den Prozess vor der 1. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts eingebracht – tagelang hörten sämtliche Prozessbeteiligten nichts anderes.

Die acht Angeklagten zwischen 22 und 36 Jahren sind wegen schweren Bandendiebstahls und des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdeten Gewalttat angeklagt. Am 18. Oktober 2015 startete der Prozess, in dieser Woche geht er mit den Plädoyers in seine Endphase. Eigentlich war das Urteil für März 2016 geplant. 400 Seiten stark ist die Anklageschrift, die Beweisaufnahme gestaltete sich aufwändiger als geplant, immer wieder stellten die Verteidiger Anträge, die das Verfahren zusätzlich in die Länge zogen.

Die Angeklagten stammen aus Köln und Siegen, vier von ihnen sind Brüder, gegen zwei der Männer läuft noch ein weiteres Verfahren vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Einer von ihnen soll mindestens drei Kämpfer für den Islamischen Staat (IS) angeworben haben, der zweite soll dabei geholfen haben, zwei so genannte Gotteskrieger nach Syrien zu schleusen und der Terrorgruppe „Ahar al-Sham“ Geld und einen Krankentransporter gespendet haben. Der 25-jährige Mustapha A. soll in Syrien selbst eine militärische Ausbildung durchlaufen haben und im Ende 2013 nach Deutschland zurückgekehrt sein.

Im Prozess geht es um neun Diebstähle. Die Bande soll in Kirchen, Schulen im Raum Siegen und einen Afro-Shop in Köln eingebrochen sein, um Geld für den Dschihad zu erbeuten. Die Beträge, die sie laut Anklage erbeutet haben, sind nicht besonders hoch – insgesamt geht es um rund 19.000 Euro. Mal nahmen sie Briefmarken mit, mal einen Opferstock oder Laptops. Einen gestohlenen Safe aus einer Kirche sollen sie in einem Sportvereinsheim geschleppt haben, um ihn dort in Ruhe aufzubrechen. Weil sie gestört wurden, ließen sie ihn zurück.

In den Telefonaten ging es um absurde Pläne wie das Ausrauben von Diamanten-Minen in Südamerika. Im Vorfeld des Prozesses ging es in Details aus den Ermittlungsakten auch um die Idee der Männer, Wachteln zu züchten, um deren Eier zu verkaufen – weil sie gehört hatten, dass sie sehr wertvoll seien. Ein Überfall auf einen Geschäftsmann in einem Kölner Hotel soll am auffälligen Verhalten der Männer gescheitert sein. Zwei Streifenbeamte kontrollierten sie deshalb. Und auch die Idee, einen Netto-Markt zu überfallen, ging schief. An Karneval gingen zwei der Angeklagten als Geister verkleidet in den Supermarkt und lösten den Alarm aus, als sie im Personalraum Kaffee, Handys und Portemonnaies mitgehen lassen wollten.

Ob sich vollständig aufklären lässt, ob die Angeklagten tatsächlich Radikale oder doch eher dilettantische Kleinkriminelle sind, ist fraglich. Ein Ende des Prozesses ist nun immerhin in Sicht, doch allein das Plädoyer der Staatsanwältin wird drei Tage in Anspruch nehmen.

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