Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) – Ein Deutsch-Iraker (12) soll versucht haben, einen Sprengsatz auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt zu zünden. Das berichtet der „Focus“ und beruft sich auf Angaben der Justiz- und Sicherheitsbehörden.

Stefan Biehl, Sprecher des Generalbundesanwalts, bestätigte gegenüber BILD: „Wir haben ein Ermittlungsverfahren wegen des Fundes einer Nagelbombe in Ludwigshafen eingeleitet.“

Allerdings: nicht gegen den Jungen. Frankenthals Leitender Oberstaatsanwalt Hubert Ströber (57): „Der Junge ist Deutsch-Iraker, hat beide Staatsangehörigkeiten und wohnt in Ludwigshafen. Es handelt sich um ein strafunmündiges Kind, daher kann die Staatsanwaltschaft in diesem Fall nicht ermitteln und Anklage erheben.

Und weiter: „Deswegen haben wir heute Morgen auch das Verfahren abgeschlossen und es abgelehnt, ein Ermittlungsverfahren gegen das Kind einzuleiten. Es ist jetzt ein Fall für das Jugendamt in Ludwigshafen. Über weitere Schritte wird zudem der Generalbundesanwalt in Karlsruhe entscheiden.“

Gegen 15.30 Uhr gab es eine Pressekonferenz zu dem Vorfall. Diese war jedoch schnell vorbei: Fragen der Journalisten wurden nicht zugelassen. Der Fall wurde an die Bundesanwaltschaft übergeben und die gibt derzeit keine weiteren Informationen raus. Das wusste die Stadt nicht, als sie am Mittag zur Pressekonferenz lud.

Die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin verkündete lediglich, der Junge sei „an einem sicheren Ort“ und es gehe keine Gefahr mehr von ihm aus. Die Behörden arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung.

Der Junge wurde laut Polizei bereits am 6. Dezember mit Einverständnis der Eltern dem zuständigen Jugendamt übergeben.

Guido Steinberg, Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, hält die Bezeichnung Terrorist für den Tatverdächtigen für nicht angemessen. „Ich habe Schwierigkeiten damit, einen Zwölfjährigen als Terroristen anzusehen”, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung”.

„Das macht Sinn, wenn Leute anfangen, sich für Politik zu interessieren, mit 15 oder 16. Aber wie politisch kann jemand sein mit 12 Jahren. Da stellt sich eher die Frage: Was ist im Umfeld los? Denn das kann ja nicht seine Idee gewesen sein.”

Steinberg betonte zwar, dass das Problem mit minderjährigen Terrorverdächtigen europaweit zunehme. „Das Problem wächst auf jeden Fall. Seit 2014 haben wir europaweit relativ viele junge Leute, die nach Syrien ausreisen. Die Ausreisenden werden jünger und weiblicher. Das ist auffällig und nicht nur ein Trend in Deutschland.” Doch er fügte hinzu: „Ein Kind hatten wir in Europa noch nicht. Das ist ganz neu.”

Der 2004 in Ludwigshafen geborene Junge soll am 26. November versucht haben, ein im Rucksack verstecktes Konservenglas mit Sprengpulver auf dem Weihnachtsmarkt hochzujagen. Als das nicht klappte, versteckte er den Rucksack am 5. Dezember in der Nähe des Rathauses und versuchte es nochmal. Der Sprengsatz im Rucksack soll mit Nägeln präpariert gewesen sein.

Ein Ermittler sprach gegenüber BILD von Kontakten des Jungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (ISIS), er sei von unbekannten Personen radikalisiert worden.

Am 5. Dezember meldete die Polizei den Fund einer verdächtigen Tasche am Rathauscenter, in der sich „ein mit einer nicht exakt definierbaren Substanz gefülltes Glas“ befindet. Dabei handele es sich „offenbar um pyrotechnisches Material, wie es in Feuerwerkskörpern Verwendung findet.“ Die Umgebung wurde großräumig abgesperrt. Weiter hieß es: „Im Verdacht steht ein 12-jähriger Junge aus Ludwigshafen.“

Einen Tag später schreibt die Polizei, dass das Feuerwerk-Wunderkerzen-Gemisch zwar brennbar, aber nicht explosionsfähig war. Der Focus schreibt von einem Rucksack mit einer selbst gebauten Zündvorrichtung.

Nach BILD-Informationen gab es in der Konstruktion einen technischen Fehler. Staatsanwalt Ströber: „Es war ein Einmachglas mit einem Loch am Deckel und einem Draht. Drinnen waren pyrotechnische Materialien, die man auch in Feuerwerkskörpern verwendet. Zum Glück haben die nicht gezündet.“

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http://www.bild.de/regional/frankfurt/bombe/12-jaehriger-wollte-bombe-auf-weihnachtsmarkt-zuenden-49344112.bild.html


07:40 Uhr 11.7.2017

Bei der Betreuung des jugendlichen Bombenbastlers in Ludwigshafen ist es nach Informationen der SWR-Sendung „Report Mainz“ zu einer Panne gekommen: Einer der Betreuer des 13-Jährigen soll demnach der islamistischen Szene angehören.

Bei einer Sicherheits- und Zuverlässigkeitsüberprüfung der Betreuer habe das Landeskriminalamt Erkenntnisse erhalten, „die den Verdacht begründeten, dass eine Nähe zu islamistischen Kreisen bestehen könnte“, heißt es in einer Antwort des rheinland-pfälzischen Jugendministeriums vom Montag.

„Das Jugendministerium veranlasste umgehend, dass der Mann noch am gleichen Tag aus der Betreuung abgezogen wurde.“ Zuständig für die Betreuung ist die Stadt Ludwigshafen.

Bei dem Betreuer handelt es sich laut „Report Mainz“ um einen 30-jährigen Psychologen aus Baden-Württemberg, der in online verbreiteten Filmaufnahmen als Ordner bei einer Kundgebung von Salafisten-Predigern vom März 2014 in Mannheim zu sehen war. Auch soll er 2013 an der „Lies“-Aktion teilgenommen haben, bei der Koran-Ausgaben an Passanten verteilt wurden. Professorin Susanne Schröter vom Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam bezeichnete den Vorfall als „unerträgliche Panne“.

Der Salafismus ist eine rückwärtsgewandte, extrem konservative islamistische Strömung. Seine Anhänger beziehen sich in ihrem Handeln ausschließlich auf den Koran und sehen sich als Verfechter eines unverfälschten und ursprünglichen Islam.

Die zusätzliche Sicherheitsprüfung der Betreuer des 13-Jährigen – ergänzend zum erweiterten polizeilichen Führungszeugnis – wurde nach Angaben des Jugendministeriums beschlossen, nachdem das Konzept für die Unterbringung und Betreuung des Jugendlichen feststand.

Das Landeskriminalamt hat präventiv die Sicherheitsüberprüfung für alle Betreuer empfohlen, nachdem ein Träger für die Betreuung des mutmaßlichen Täters gefunden worden war. Bei künftigen Neueinstellungen von Betreuern des Jugendlichen erfolge die Sicherheitsüberprüfung bereits vor Beginn der Tätigkeit, erklärte das Jugendministerium.

Der Jugendliche hatte nach Angaben des Innenministeriums Mitte Dezember vergangenen Jahres versucht, eine Bombe am Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen abzulegen. Nachdem dies aufgedeckt worden war, wurde der Deutsch-Iraker an einem unbekannten Ort untergebracht und wird dort rund um die Uhr betreut. Die Stadt Ludwigshafen hat einen freien Jugendhilfeträger mit der pädagogischen Betreuung des Jungen beauftragt.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article166514654/Salafist-soll-13-Jaehrigen-betreut-haben.html

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