23.11.2016

Nach dem mutmaßlichen Familiendrama in Bergen auf der Insel Rügen hat das Amtsgericht Stralsund am Donnerstag Haftbefehl wegen des Verdachts auf Totschlag gegen einen 53-Jährigen erlassen. Der Mann soll seine 41-jährige Frau am Mittwochmorgen in Bergen mit einem Messer erstochen haben. In der Vernehmung habe der Mann einen Streit mit seiner getrennt lebenden Frau eingeräumt, sich zur Tötung aber nicht geäußert, sagte Staatsanwalt Martin Cloppenburg am Donnerstag.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll es in der Wohnung zu einem Streit und der tätlichen Auseinandersetzung gekommen sein, worauf die schwer verletzte 41-Jährige noch auf die Straße gelaufen sei. Eine Frau hatte den Vorfall beobachtet und die Polizei alarmiert. Die Beamten nahmen den mutmaßlichen Täter noch am Tatort fest. Ärzte versuchten die Frau zu retten, sie erlag den Angaben zufolge jedoch im Krankenhaus ihren Verletzungen.

Die Staatsanwaltschaft geht nach ersten Erkenntnissen von einer Beziehungstat aus. Demnach soll es zwischen den Ehepartnern bereits in der Vergangenheit zu Streitigkeiten gekommen sein. Die beiden haben drei gemeinsame Kinder im Alter von 8, 16 und 24 Jahren. Um die beiden jüngeren Kinder kümmere sich das Jugendamt, sagte Cloppenburg.

https://www.svz.de/regionales/polizeiticker/haftbefehl-gegen-53-jaehrigen-nach-toetungsdelikt-in-bergen-id15426491.html


15.05.2017 – 14:49 Uhr

Prozessauftakt um eine blutige Tat im November 2016.
Stralsund – Ein 54-Jähriger soll seine Frau mit acht Messerstichen getötet haben. Vor Gericht ist er wegen Totschlags angeklagt.

Der Mann soll seine ebenfalls aus Syrien stammende Frau am 23. November 2016 in Bergen mit acht Messerstichen getötet haben. Laut Staatsanwalt ist die Frau, nachdem sie mit Stichen in die Brust- und Bauchhöhle lebensgefährlich verletzt worden war, noch auf die Straße geflüchtet und dort gestorben.

Zum Auftakt der Verhandlung sagte der 54-Jährige am Montag in Stralsund, er wünsche ein „gutes Urteil“.
Er wolle mit dem Tod bestraft werden. „Wenn ich mich weiter daran erinnere, sterbe ich jeden Tag mehrere Tode“, begründete der Angeklagte seine Forderung.
Die Richterin erklärte dem Syrer, dass es in Deutschland keine Todesstrafe gebe. „Ich wäre nicht Richterin, wenn wir die Todesstrafe hätten“, sagte sie.
Der 54-Jährige gab an, am 23. November 2016 mit seiner Frau in Streit geraten zu sein. Diese habe gedroht, ihn zu verlassen. Im Streit sei er in die Küche gegangen und habe ein Messer geholt.
Der Angeklagte wurde in Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt
Auf die Frage, wer seine Frau getötet habe, sagte er ausweichend: „Ich war allein mit ihr in der Wohnung.“ Es sei eindeutig, was dort passiert sei. Erinnern könne er sich an den Ablauf jedoch nicht mehr.
Das Ehepaar war mit zwei minderjährigen Kindern im August 2014 nach Deutschland geflüchtet. Nach Aussage des 54-Jährigen gab es mehrfach Streit zwischen den Eheleuten, weil er die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen, für falsch gehalten habe.
Er habe Syrien nur verlassen, um seine Frau zu behalten, sagte er. Zudem habe er nicht verstanden, dass seine Kinder ein zunehmend selbstständiges Leben in Deutschland führen wollten und dabei von seiner Frau unterstützt wurden. „Ich hatte das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu sein.“
Das Landgericht Stralsund hat vier Prozesstage angesetzt.

http://www.bild.de/regional/hamburg/hamburg/prozess-in-stralsund-mann-soll-seine-frau-erstochen-haben-51751398.bild.html


15.05.17 23:29

Stralsund – Ein Mann ist angeklagt, seine Frau auf Rügen erstochen zu haben. Er bekennt sich indirekt zu der Tat – und fordert für sich im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe.

Ein alter Mann betritt den Gerichtssaal: Sein Rücken ist gebeugt, die Haare grau, der Schritt schlurfend – nicht nur, weil er Fußfesseln trägt. Mohamed A. ist 54 Jahre alt – angeklagt, seine Ehefrau auf der Insel Rügen mit einem Küchenmesser erstochen zu haben. Bis zur Tat am Morgen des 23. November 2016 glaubte eine Nachbarin, er wäre der Vater der 41-jährigen Getöteten.

Seit Montag muss sich der Angeklagte vor dem Stralsunder Landgericht wegen Totschlags verantworten. Er soll seine Frau, die wie er aus Syrien stammt, mit acht Messerstichen umgebracht haben. Dem Staatsanwalt zufolge floh die Frau mit lebensgefährlichen Verletzungen an Brust und Bauch noch auf die Straße, wo sie starb. Der Mann wurde dort mit dem Messer in der Hand festgenommen.

Im August 2014 war das Ehepaar mit seinen zwei minderjährigen Kindern nach Deutschland geflüchtet. Auf Wunsch seiner Frau habe er Haus und Auto in Syrien verkauft. „Wir wollten, dass die Kinder in die Schule gehen können“, sagt er zum Beweggrund der Flucht. Doch schon die Reise riss die Familie auseinander. Zwei größere Söhne im Alter von 17 und 22 Jahren, die ebenfalls mit der Familie die Heimat verlassen hatten, seien auf dem Weg nach Europa wieder nach Syrien zurückgekehrt, erklärt er mit Hilfe eines Dolmetschers. Ein weiterer erwachsener Sohn lebte bereits in Deutschland.

Während seine Frau und die Kinder sich auf das Leben in Deutschland einstellten, machte sich bei ihm eine große Fassungslosigkeit und zunehmende Eifersucht breit. Er habe nicht verstanden, dass seine Kinder ein zunehmend selbstständiges Leben in Deutschland führen wollten und dabei von seiner Frau unterstützt wurden: „Ich hatte das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu sein.“

Deshalb sei es in der Vergangenheit zwischen ihm und seiner Frau mehrfach zu Auseinandersetzungen gekommen. Zwischenzeitlich war das Paar getrennt, er lebte für einige Zeit sogar auf der Straße, bis er bei einem anderen Asylbewerber unterkam. Eigentlich, so sagt er, habe er Syrien nur verlassen, um seine Frau zu behalten.

Die Beweislage scheint eindeutig, auch wenn der Mann die Tat am ersten Prozesstag nur indirekt einräumt. Mehrere Nachbarn erzählen, dass sie beobachteten, wie der Mann mit dem Messer in der Hand auf der Straße vor seiner sterbenden Frau stand. Der 54-Jährige gibt an, zuvor mit seiner Frau in der Wohnung in Streit geraten zu sein, nachdem diese ihm angedroht hatte, ihn zu verlassen. Im Streit sei er in die Küche gegangen und habe ein Messer geholt.

Auf die Frage, wer seine Frau getötet habe, antwortet er ausweichend: „Ich war allein mit ihr in der Wohnung.“ Es sei doch eindeutig, was dort passiert sei. Erinnern könne er sich an den Ablauf nicht mehr. Vom Gericht fordert er ein „gutes Urteil“. Er wolle die Todesstrafe haben. „Wenn ich mich weiter daran erinnere, sterbe ich jeden Tag mehrere Tode“, begründet er sein Verlangen.

Die Richterin – sichtbar bestürzt von dieser Aussage – erklärte ihm, dass es in Deutschland zum Glück keine Todesstrafe gebe. „Ich wäre nicht Richterin, wenn wir die Todesstrafe hätten“, sagte sie. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

https://www.tz.de/welt/ehefrau-erstochen-angeklagter-wuenscht-todesstrafe-zr-8311926.html


Stand: 23.06.2017

Mehr als 20 Mal stach ein syrischer Mann auf seine Frau ein – aus unbegründeter Eifersucht. Die Richterin zeigte sich fassungslos von dessen Wunsch, im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe zu erhalten.

Er flüchtete mit seiner Familie aus Syrien, um seinen Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. In der vermeintlich sicheren Zuflucht verlor der 54-jährige Syrer Mohamad A. dann seine gesamte Familie – und das durch eigene Schuld: Denn im November 2016 erstach der Mann in Bergen auf der Insel Rügen seine Ehefrau.

Seine Söhne haben nach der Tat mit ihrem Vater – einst das unangefochtene Familienoberhaupt – gebrochen. Zur Urteilsverkündung am Freitag im Landgericht Stralsund sind sie nicht gekommen. Sie wollen ihren Vater nicht mehr sehen.

Nach sechs Prozesstagen verurteilte die Strafkammer des Gerichts den Mann zu zwölf Jahren Haft wegen Totschlags. Aus unbegründeter Eifersucht und der Erkenntnis heraus, nicht mehr Herr im Hause zu sein, habe er seine Frau getötet, sagte die Richterin in der Urteilsbegründung. Mehr als 20 Mal hatte er im Streit auf seine Frau eingestochen, die noch blutend auf die Straße lief, dann aber im Krankenhaus starb.

Zuvor hatte die 41-jährige Frau ihm erklärt, dass sie mit den Kindern nach Berlin umziehen wolle und er nur mitkommen könne, wenn er sich ändere. Das Paar war im August 2014 mit seinen Kindern nach Deutschland geflüchtet und bekam wegen des Krieges in seiner syrischen Heimat in Deutschland subsidiären Schutz.

Als die Richterin das Urteil spricht, stützt sich der gebrochen wirkende Mann auf die Anklagebank, schüttelt resigniert den Kopf. Zu Prozessbeginn hatte der Syrer ein „gutes Urteil“ für sich gefordert. Er wolle im Falle einer Verurteilung die Todesstrafe. Eine Aussage, die die Kammer schon damals fassungslos machte und die Richterin zu der persönlichen Antwort bewog, dass sie, wenn es in Deutschland eine Todesstrafe geben würde, sicher nie Richterin geworden wäre.

Immer wieder prallen im Verfahren die Kulturvorstellungen des Angeklagten auf mitteleuropäische Wertenormen. Doch die Richterin macht klar, dass die Tat nicht allein aus dem Migrationshintergrund zu erklären sei.

Schon in seiner syrischen Heimat, die im Gegensatz zu Saudi-Arabien als liberal gegenüber Frauen gelte, habe er eifersüchtig über seine Frau gewacht. „Wir haben einen Beziehungskonflikt, der sich so ähnlich auch in deutschen Beziehungen hätte abspielen können“, sagte die Richterin.

Der Mann, der in Syrien mit seiner Arbeit als Stuckateur seine Familie ernährt hatte, berichtete im Verfahren von seiner Wut, weil seine Frau und die Kinder zunehmend seine Rolle als Familienoberhaupt nicht mehr akzeptierten, sie sich aus seiner finanziellen Abhängigkeit lösen wollten. Er habe das alles nicht verstanden. „Ich hatte das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu sein.“

Er verbot seiner Frau, Geld vom Konto abzuheben. Ein Sohn berichtete von Bedrohungen. Auch soll der Vater seine Mutter gewürgt haben. Wegen der zunehmenden Spannungen in der Familie lebte das Paar zwischenzeitlich sogar getrennt. Für die Aussage benötigte der Angeklagte einen Übersetzer. Im Gegensatz zu seinen Kindern und seiner Frau hat er kaum Deutsch gelernt.

Der Integrationsbeauftragte im Kreis Vorpommern-Greifswald, Ibrahim al-Najjar, kennt ähnliche Konflikte in arabischen Familien, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind. Er warnt jedoch vor Pauschalisierungen. Aber gerade in Dörfern gelte der Mann als Boss, sagt al-Najjar. Diese Männer erlebten nach ihrer Flucht dann einen Kulturschock, weil Rollenbilder nicht mehr griffen. Das Geld komme nicht mehr vom arbeitenden Mann, sondern vom Staat, der Mann verliere die finanzielle und soziale Kontrolle über die Familie.

Was hilft? „Diese Männer müssen Demokraten werden“, sagt al-Najjar, der seit 1993 in Deutschland lebt. Als Integrationsbeauftragter versuche er, Frauen und Männer über das Rechtssystem aufzuklären, auch welche rechtlichen Konsequenzen es habe, wenn Männer ihre Frauen und Kinder als Eigentum betrachteten.

https://www.welt.de/vermischtes/article165870192/Mann-ersticht-seine-Frau-und-wuenscht-sich-die-Todesstrafe.html

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