12.05.2017

Raub, Körperverletzung, Diebstahl und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte: Die Vorwürfe gegen einen 27 Jahre alten Russen, der bis zu seiner Festnahme im November in der Lunzenauer Asylunterkunft lebte, waren beträchtlich, wegen denen er sich gestern vor dem Chemnitzer Amtsgericht verantworten musste.

Daher war längst vor der Urteilsverkündung klar: Mit einem blauen Auge würde der Angeklagte, der aus der nordkaukasischen Republik Dagestan stammt, nicht davonkommen – und das trotz des Geständnisses eines Großteils der ihm zur Last gelegten Taten und seines Schlusswortes. „Ich möchte mich nur entschuldigen“, sagte der junge Mann, gegen den wegen neun Vorfällen aus dem vorigen Jahr verhandelt wurde, in fast aktzentfreiem Deutsch. Bereits sein Verteidiger sprach von „einer ganzen Litanei an Straftaten“. Trotzdem plädierte er für ein vergleichsweise mildes Urteil. „Eine Gesamtfreiheitsstrafe von zehn Monaten wäre angemessen. Ob auf Bewährung oder nicht, das wäre zu prüfen“, bemerkte der Jurist. Zuvor hatte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten gefordert.

So viel Zeit wird der 27-Jährige nicht in Haft verbringen. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Gudrun Trautmann schickt den jungen Mann für ein Jahr und neun Monate hinter Gitter – wobei die Untersuchungshaft angerechnet wird. Im Gefängnis befindet sich der Russe, der sich bei der Einreise nach Deutschland offenbar als Georgier ausgegeben und später einen Asylantrag gestellt hatte, seit seiner aufsehenerregenden Festnahme in der Lunzenauer Asylunterkunft Ende November.

Damit wurde den mehrjährigen Umtrieben des 27-Jährigen ein Ende gesetzt. Und die hatten es in sich, wie sich in zwei Verhandlungstagen zeigte. Bei der Auflistung der Straftaten nahmen sich die Diebstähle – unter anderem von einer Tasche aus einem Kaufhaus in Chemnitz und von Sportbekleidung aus einem Geschäft im Röhrsdorfer Einkaufszentrum, beides verübt im Frühjahr vorigen Jahres -noch eher harmlos aus.

Auch mehrere Sachbeschädigungen fielen bei der Bemessung des Strafmaßes, wie Richterin Gudrun Trautmann bei der Urteilsverkündung verdeutlichte, nicht so stark ins Gewicht. Und das, obwohl er in der Unterkunft im Verlauf des vorigen Jahres mehrfach randaliert hatte. Der wohl schlimmste Ausraster: Im Oktober hatte er nicht nur eine Tür der Lunzenauer Unterkunft demoliert, sondern auch sein komplettes Zimmer verwüstet. Sogar ein Messer steckte in der Wand. Schaden: knapp 1000 Euro.

Was aber letztlich zu der Haftstrafe führte, war ein Vorfall im benachbarten Supermarkt am 19. November. Ein räuberischer Diebstahl, so die Überzeugung des Gerichts. Am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte beteuert, nichts gestohlen zu haben, allerdings eine Handgreiflichkeit eingeräumt. Der Marktleiter, der damals als Zeuge gehört wurde, beharrte auf den Diebstahl. Vor der Kasse forderte der 61-jährige Zeuge seinen Aussagen zufolge den Angeklagten auf, das Diebesgut – einen Schokoriegel und ein Getränk – zurückzugeben. Es kam zum Gerangel, wobei der mit rund zwei Promille erheblich betrunkene 27-Jährige den Marktleiter in die Hand und den Unterarm biss und dann aus dem Supermarkt floh.

„Die Verletzungen waren nicht unerheblich“, stellte Richterin Gudrun Trautmann fest. Die Wunden hatten geblutet und auch Tage danach noch genässt. Allein für diese Tat verhängte die Kammer eine Einzelstrafe von einem Jahr und vier Monaten. In Summe waren es ein Jahr und neun Monate.

Nach der Urteilsverkündung schüttelte der Russe den Kopf. Danach sagte er: „Ich sitze meine Strafe ab, dann war es das, dann geh‘ ich zurück.“ Dafür, wieso der Angeklagte nicht längst in sein Heimatland ausgereist war, interessierte sich auch das Gericht im Verlauf des Prozesses. „Was hat Sie denn gehindert?“, fragte Richterin Trautmann. Es war das fehlende Geld und die Staatsanwaltschaft, die längst gegen den Intensivtäter ermittelte.

http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTELSACHSEN/ROCHLITZ/Nach-Randale-und-Raub-Taeter-muss-in-Haft-artikel9902720.php


http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTELSACHSEN/ROCHLITZ/Nach-Raub-und-Koerperverletzung-Lunzenauer-Intensivtaeter-in-Haft-artikel9758944.php

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