10. Mai 2017, 11:42 Uhr

Cottbus/Senftenberg Ein 32-jähriger Tschetschene, der sich seit Mittwoch wegen Mordes vor dem Landgericht Cottbus verantworten muss, hat die Tötung seiner damals 27-jährigen Ehefrau eingeräumt.
In einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung schilderte er die Bluttat, die sich im vorigen November in Senftenberg ereignet hat, jedoch als Affektgeschehen ohne Tötungsabsicht.

Laut Anklage hatte Rashid D. in der Wohnung aus Eifersucht auf seine Frau 19 mal mit einem Klappmesser eingestochen. Dabei wurde nicht nur ihre Lunge, sondern auch der rechte herzbeutel getroffen. Schon an diesen Verletzungen wäre die Frau gestorben, so Staatsanwalt Martin Mache beim Verlesen der Anklage. Ihr Mann habe die Frau dann  jedoch aus dem Fenster in der ersten Etage gestoßen und sei ihr dann hinterher geeilt. Auf der Straße habe er den Kopf der bereits tödlich Verletzten an den Haaren nach hinten gezogen und der Frau die Kehle durchgeschnitten.

Rashid D. ließ über seinen Anwalt erklären, dass er nicht in Tötungsabsicht auf seine Frau eingestochen habe, sondern um sie zu „bestrafen und einzuschüchtern“. Er sei vor Eifersucht rasend gewesen. Aus dem Fenster sei die Frau selbst gesprungen. Den Kehlschnitt habe er ausgeführt, könne sich jedoch nicht mehr erklären, warum.

Das Ehepaar hat fünf gemeinsame Kinder, die bei der Tat in der Wohnung anwesend waren. Sie leben inzwischen bei den Großeltern in Tschetschenien. Die Familie war im Mai 2016 über Polen nach Deutschland eingereist und hatte Asyl beantragt. Ihr stand im Herbst 2016 die Abschiebung zurück nach Polen unmittelbar bevor.

http://www.lr-online.de/nachrichten/Tagesthemen-Tschetschene-gesteht-Toetung-seiner-Frau;art307853,5982060


11. Mai 2017, 02:39 Uhr

Cottbus Den Montagabend im November vorigen Jahres, als er bei seiner Cousine in Senftenberg zu Besuch war, wird der 25-jährige Gebäudetechniker bestimmt nie vergessen. Als er aus dem Haus trat, um sich auf den Heimweg zu machen, lag neben dem Fahrradständer vor der Tür bäuchlings eine Frau, die nur noch röchelte.

Er sei dann zurück ins Haus, um ein Handy für einen Notruf zu holen, schildert er als Zeuge vor der Schwurgerichtskammer des Cottbuser Landgerichtes das Geschehen.

Als er wenige Augenblicke später wieder vor der Haustür stand, sei der Angeklagte gekommen. Auf die Frage, was los sei, habe der Mann nicht reagiert. „Er ist dann um die Frau herumgegangen, hat ihren Kopf an den Haaren hochgehoben und ihr den Hals durchgeschnitten“, sagt der Zeuge. Er selbst sei dann in die Wohnung seiner Cousine zurückgerannt, habe sich dort eingeschlossen und die Polizei gerufen.

Die nimmt kurz danach den 32-jährigen Rashid D. fest. Er war der Mann, der seiner damals 27-jährigen Ehefrau die Kehle durchgeschnitten hat. Das Flüchtlingspaar aus der autonomen russischen Republik Tschetschenien hat fünf gemeinsame Kinder. Die leben inzwischen bei Verwandten in ihrer alten Heimat.

Rashid D. ist ein mittelgroßer, eher schmächtiger Mann mit einem langen Kinnbart. Er spricht nur Tschetschenisch, doch selbst macht er am ersten Prozesstag keine Angaben. Sein Anwalt Klaus Kleemann verliest für ihn eine Erklärung. Darin räumt der Angeklagte ein, seine Frau umgebracht zu haben, schildert die Bluttat jedoch als Affektgeschehen ohne Tötungsabsicht. Sein Motiv: Eifersucht. Im Handy seiner Frau habe er den Beweis gefunden, dass sie oft nachts mit einem Landsmann telefoniert habe.

Im Mai 2016 war die Familie über Polen nach Deutschland gekommen und hatte einen Asylantrag gestellt. Im August bezog sie die Wohnung in Senftenberg, sollte im Herbst aber nach Polen zurückgeschickt werden. Seine Frau habe sich dem anderen Mann zugewandt und die Absicht gehabt, ihn und die Kinder zu verlassen, erklärt Rechtsanwalt Kleemann im Auftrag des Angeklagten.

Deshalb habe es auch an dem Montagabend im November Streit gegeben. Im Bad der Wohnung habe sein Mandant rasend vor Eifersucht mit einem Klappmesser auf seine Frau eingestochen, um sie zu „bestrafen und einzuschüchtern“, so der Verteidiger. Aus dem Fenster sei die Frau selbst gesprungen. Den Kehlschnitt habe der Angeklagte ausgeführt, könne sich jedoch nicht erklären, warum.

Laut Anklage hatte Rashid D. auf seine Frau 19-mal mit der fast neun Zentimeter langen Klinge des Messers eingestochen. Dabei wurde nicht nur ihre Lunge, sondern auch der rechte Herzbeutel getroffen. Schon an diesen Verletzungen wäre die Frau gestorben, so Staatsanwalt Martin Mache. Ihr Mann habe sie dann jedoch noch aus dem Fenster in der ersten Etage gestoßen und der bereits tödlich Verletzten vor dem Haus die Kehle durchgeschnitten.

Der Schilderung des Angeklagten widerspricht jedoch die Aussage eines weiteren Zeugen. Ein Hausbewohner der obersten Etage hatte zufällig aus dem Fenster geschaut, als das Opfer auf den Fahrradständer neben dem Eingang stürzte. „Die Frau hat sich gegen den Fensterrahmen ge stemmt, aber der Mann hat so lange gedrückt, bis sie rausfiel“, beschreibt er seine Beobachtung. Die Frau habe geschrien.

Auch auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters und des Verteidigers von Rashid D. bleibt er dabei, dass die Frau rausgedrängt wurde und nicht alleine aus dem Fenster sprang. Der Zeuge beschreibt, wie auch ein Streifenpolizist und eine Kriminalistin, den unmittelbar nach der Tat festgenommenen Ehemann als gefasst und im Verhalten unauffällig.

Die Kriminalistin berichtet auch, dass Rashid D., der nach einer entsprechenden Belehrung eigentlich keine Aussage machen wollte, von sich aus doch noch etwas gesagt habe. „Wenn eine Frau fremdgehe, dann habe der Mann das Recht, sie zu töten“, gibt sie diese Aussage wider. Das sei in Tschetschenien geltendes Recht und stehe so im Koran. Außerdem habe er sich erkundigt, was jetzt aus seinen Kindern werde, sagt die Beamtin aus. Auch über gesundheitliche Probleme mit seinem Rücken habe er berichtet.

Verteidiger Kleemann hatte zu Prozessbeginn gesagt, dass sein Mandant in Tschetschenien einen schweren Anschlag erlebt habe und seitdem unter starken Rücken- und Kopfschmerzen leide. Deshalb nehme er Schmerztabletten, konsumiere auch illegale Drogen. Am Tattag habe er Crystal zu sich genommen.

Mitte April war Rashid D. aus der Untersuchungshaft in Cottbus nach Brandenburg an der Havel verlegt worden. Dort werde er psychologisch behandelt. Auf Nachfrage des Gerichtes bestätigt der Angeklagte, dass er versucht habe, sich das Leben zu nehmen. Laut Staatsanwaltschaft gibt es fast ein Dutzend dienstliche Meldungen der JVA Cottbus-Dissenchen in Zusammenhang mit seinem Aufenthalt dort.

Der Prozess am Landgericht Cottbus wird am Mittwoch kommender Woche mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt.

Zum Thema:
Mord wird immer mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft. Im Paragraf 211 des Strafgesetzbuches (StGB) heißt es dazu: Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.“ Wer einem Menschen das Leben nimmt, ohne dass eines oder mehrere der Mord-Merkmale auf die Tat zutreffen, wird nicht wegen Mordes, sondern wegen Totschlags bestraft. Dafür ist eine Strafe von fünf bis fünfzehn Jahren und nur in Ausnahmefällen lebenslange Haft vorgesehen. Auch der Totschlag ist eine vorsätzliche Tat. Wird sie im Affekt, also einem besonderen Erregungszustand verübt, kann sich das strafmildernd auswirken. Bei jedem Tötungsverbrechen ist es für den Angeklagten deshalb für die zu erwartende Strafe sehr wichtig, ob das Gericht zu der Überzeugung kommt, dass eines oder mehrere Mordmerkmale zutreffen.

http://www.lr-online.de/nachrichten/Tagesthemen-Ein-kaum-vorstellbares-Verbrechen;art307853,5983355


09. Juni 2017, 11:04 Uhr

Cottbus. Im Prozess um einen tödlichen Ehestreit in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) ist das Urteil verkündet. Der Angeklagte wurde am Freitag vom Landgericht Cottbus zu 13 Jahren Haft verurteilt – allerdings nicht wegen Mord.

Wie erwartet hat das Landgericht am Freitag eine Haftstrafe wegen Totschlags ausgesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat für den 32-Jährigen 14 Jahre Haft wegen Totschlags beantragt, die Verteidigung plädierte auf zehn Jahre Freiheitsstrafe.

Der Angeklagte hatte in einer Stellungnahme zugegeben, nach einem Streit um angebliche Untreue mit einem Messer auf seine Ehefrau eingestochen zu haben. Zuvor soll er die 25-Jährige aus dem Fenster des Badezimmers im ersten Obergeschoss gestoßen haben. Nach Angaben des Verteidigers hatte der 32-Jährige an dem Tag im November 2016 Crystal Meth konsumiert. Das tschetschenische Paar lebte als Asylbewerber in Senftenberg.

Der Anklage zufolge tötete der fünffache Familienvater seine Ehefrau nach dem Sturz auf dem Bürgersteig. Nachbarn hatten die grausige Tat mitangesehen.

http://www.lr-online.de/regionen/senftenberg/13-Jahre-Haft-nach-Bluttat-in-Senftenberg;art1054,6029037


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9.6.2017 17:05 Uhr

Im Prozess um einen tödlichen Ehestreit hat das Landgericht Cottbus den Angeklagten zu 13 Jahren Haft verurteilt, wie die „Lausitzer Rundschau“ online berichtet.

Der 32-jährige Rashid D. hatte zuvor zugegeben, dass er im November 2016 nach einem Streit über angebliche Untreue mit einem Messer auf seine Ehefrau eingestochen hatte. Laut Obduktionsbericht stach er in der gemeinsamen Wohnung in Senftenberg (Brandenburg) insgesamt 19 Mal auf die Frau ein und verletzte die 25-Jährige dadurch so schwer, dass sie bereits an ihren Verletzungen gestorben wäre.

Der 32-jährige Rashid D. hatte zuvor zugegeben, dass er im November 2016 nach einem Streit über angebliche Untreue mit einem Messer auf seine Ehefrau eingestochen hatte. Laut Obduktionsbericht stach er in der gemeinsamen Wohnung in Senftenberg (Brandenburg) insgesamt 19 Mal auf die Frau ein und verletzte die damals 27-Jährige dadurch so schwer, dass sie bereits an ihren Verletzungen gestorben wäre.

D. stieß seine Frau aber zudem aus dem Fenster des Badezimmers im ersten Obergeschoss ins Freie. Ein zufällig im Haus anwesender Besucher, der im späteren Prozess aussagte, musste dann direkt vor der Haustür mit ansehen, wie der nach unten geeilte Ehemann seiner Frau die Kehle durchschnitt.

D. stieß seine Frau aber zudem aus dem Fenster des Badezimmers im zweiten Obergeschoss ins Freie. Dort knallte sie auf einen eisernen Fahrradständer und blieb liegen, wie die Zeitung weiter berichtet. Ein zufällig im Haus anwesender Besucher, der im späteren Prozess aussagte, musste dann direkt vor der Haustür mit ansehen, wie der nach unten geeilte Ehemann seiner Frau die Kehle mit vier Schnitten durchtrennte.

Auch andere Anwohner schilderten laut örtlicher Medien im Prozessverlauf teils dramatische Szenen: „Die Frau hat sich gegen den Fensterrahmen gestemmt, aber der Mann hat so lange gedrückt, bis sie rausfiel“, beschrieb ein weiterer Zeuge aus der Wohnsiedlung seine Beobachtung. Die Frau habe geschrien.

Mit seinem Urteil blieb das Gericht geringfügig hinter der Forderung der Anklage zurück. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst Anklage wegen Mordes erhoben, forderte in ihrem Plädoyer dann aber 14 Jahre Haft wegen Totschlags. Der Verteidiger D.s hatte eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert und den Angeklagten durch diverse Details entlastet gesehen.

Laut Anwalt Klaus Kleemann hatte der 32-Jährige an dem Tag im November 2016 Crystal Meth konsumiert. Es habe zudem Streit gegeben, weil der Ehemann annahm, dass seine Frau eine Affäre habe und ihn verlassen wollte. Die Tat sei daher im Affekt geschehen.

Als Entlastung für seinen Mandanten brachte er außerdem vor, dass dieser in Tschetschenien Zeuge eines schweren Anschlags war und seitdem unter Rücken- und Kopfschmerzen leide. Als Folge des traumatischen Erlebnisses liege auch ein Drogen- und Schmerzmittelmissbrauch beim Angeklagten vor.

Als Entlastung für seinen Mandanten brachte er außerdem vor, dass dieser in Tschetschenien Zeuge eines schweren Anschlags war und seitdem unter Rücken- und Kopfschmerzen leide. Als Folge des traumatischen Erlebnisses liege auch ein Drogen- und Schmerzmittelmissbrauch beim Angeklagten vor, der im Prozess selber aussagte, in seiner Heimat gefoltert worden zu sein.

 

Das tschetschenische Paar hatte Asyl beantragt, die Familie war im Mai 2016 nach Deutschland eingereist. Der Asylantrag wurde jedoch nicht genehmigt, im Oktober sollte dann die Abschiebung vollzogen werden.

Weil Rashid D. an dem Tag nicht in der Wohnung, sondern bei Bekannten untergekommen war, konnte sie jedoch nicht vollzogen werden. Die Familie habe isoliert und weitgehend ohne soziale Kontakte in der südbrandenburgischen Stadt gelebt, hieß es weiter.

Der Vorsitzende Richter Frank Schollbach erklärte in seiner Urteilsbegründung, dass der Mann davon ausgegangen sei, dass seine Frau ein Verhältnis mit einem Bekannten der Familie habe und sie deshalb umbrachte. Dies sei objektiv und nach hiesigen Wertvorstellungen ein niederer Beweggrund und damit ein Merkmal für Mord. Allerdings habe die Kammer Zweifel, dass der Angeklagte die Niedrigkeit seiner Beweggründe auch erkannt habe, sagte Schollbach. Daher laute das Urteil auf Totschlag.

Eine weitere Zeugin – eine Polizistin, die nach den tödlichen Stichen am Tatort war – hatte laut der „Lausitzer Rundschau“ im Prozess ausgesagt, dass der Mann ihr erklärt habe, „wenn eine Frau fremdgehe, dann habe der Mann das Recht, sie zu töten“. Das sei in Tschetschenien geltendes Recht und stehe so im Koran.

Die fünf Kinder des Paares leben laut der „Lausitzer Rundschau“ mittlerweile wieder in Tschetschenien bei Verwandten. Einem Medienbericht zufolge hat Rashid D. in Haft mehrfach versucht, sich das Leben zu nehmen.

Die fünf Kinder des Paares leben laut der „Lausitzer Rundschau“ mittlerweile wieder in Tschetschenien und bei ihren Großeltern. Die Bluttat an ihrer Mutter mussten sie nicht sehen – sie schliefen in der besagten Nacht. Einem Medienbericht zufolge hat Rashid D. in Haft mehrfach versucht, sich das Leben zu nehmen.

https://www.welt.de/vermischtes/article165382489/19-Messerstiche-aus-dem-Fenster-geworfen-Kehle-durchgeschnitten.html


09.06.17, 17:33 Uhr

Cottbus –Ein 32-jähriger Mann ist am Freitag zu 13 Jahren Haft wegen Totschlags an seiner 25 Jahre alten Ehefrau verurteilt worden. Nach Überzeugung der Kammer hatte der fünffache Familienvater seine Frau in Senftenberg nach einem Streit aus einem Badezimmerfenster im ersten Obergeschoss gestoßen, war dann auf die Straße gegangen und hatte der schon schwer verletzten Frau die Kehle durchgeschnitten.

Nachbarn hatten die grausige Tat mitangesehen. Der Angeklagte hatte in einer Stellungnahme vor dem Landgericht Cottbus zugegeben, nach einem Streit um angebliche Untreue mit einem Messer auf seine Ehefrau eingestochen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst Anklage wegen Mordes erhoben, forderte in ihrem Plädoyer dann aber 14 Jahre Haft wegen Totschlags. Die Verteidigung sprach von einer Tat im Affekt und wies darauf hin, dass der Mann am Tattag im November 2016 Crystal Meth konsumiert habe. Die Anwälte hatten in ihrem Plädoyer daher nur zehn Jahre Haft gefordert. Das aus Tschetschenien stammende Paar lebte als Asylbewerber in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz).

Der Mann sei davon ausgegangen, dass seine Frau ein Verhältnis mit einem Bekannten der Familie habe und sie deshalb umgebracht, sagte der Vorsitzende Richter Frank Schollbach in seiner Urteilsbegründung. Dies sei objektiv und nach hiesigen Wertvorstellungen ein niederer Beweggrund und damit ein Merkmal für Mord. Allerdings habe die Kammer Zweifel, dass der Angeklagte die Niedrigkeit seiner Beweggründe auch erkannt habe, sagte Schollbach. Daher laute das Urteil auf Totschlag.

Nach Angaben der Verteidigung war das Paar mit seinen Kindern im Mai 2016 nach Deutschland gekommen, um Asyl zu beantragen. Im Oktober sei dann die Abschiebung geplant gewesen. Weil der Tschetschene an dem Tag nicht in der Wohnung gewesen und vorübergehend bei Bekannten untergekommen sei, habe sie nicht vollzogen werden können. Die Familie habe isoliert und ohne wesentliche soziale Kontakte gelebt.

http://www.berliner-kurier.de/berlin/polizei-und-justiz/aus-dem-fenster-geworfen-13-jahre-haft-fuer-den-mutter-moerder-27768236


12:00 Uhr 18.6.2017

Der Fall Rashid D. erschreckt durch seine Brutalität: Der 32 Jahre alte gebürtige Tschetschene, der als Asylbewerber in Deutschland lebte, tötete im November 2016 seine Ehefrau. D. stach 19-mal auf die Mutter seiner fünf Kinder ein, warf sie aus dem Fenster auf die Straße, lief die Treppen des Mietshauses in Senftenberg (Brandenburg) hinunter und schnitt der bereits tödlich verletzten Frau vor den Augen eines Zeugen auch noch die Kehle durch.

Das Landgericht Cottbus verurteilte den Mann deshalb Mitte Juni 2017 wegen Totschlags zu 13 Jahren Haft. Das Urteil sorgte bundesweit für Irrationen, weil auf den Vorwurf des Mordes und eine daraus resultierende, möglicherweise lebenslange Haftstrafe verzichtet wurde. Wie die „Lausitzer Rundschau“ berichtet, hat der Anwalt des Mannes nun Revision gegen das Urteil eingelegt.

Das bedeutet, das der Bundesgerichtshof (BGH) den Fall noch einmal überprüfen wird. Eine härtere Strafe für den Verurteilten ist in diesem Falle jedoch ausgeschlossen.

Laut Strafgesetzbuch greift im Falle einer Revision das sogenannte „Verbot der Schlechterstellung“, sprich, das Urteil darf nicht zum Nachteil des Verurteilten abgeändert werden. Im Prozess hatte der Anwalt bereits auf zahlreiche mildernde Umstände hingewiesen, wie etwa den Drogenkonsum seines Mandaten kurz vor der Tat sowie dessen schlechte psychische und körperliche Verfassung aufgrund von Schmerzmittelmissbrauch und traumatischen Erlebnissen in seiner Heimat.

Neu aufgerollt wird der Fall durch die Revision nicht. Anders als bei einer Berufung werden in dem Fall keine Beweise oder Tatsachen überprüft oder neu erhoben. Das Revisionsgericht prüft nur, ob das Urteil rechtlich richtig ist und ordnungsgemäß zustande gekommen ist.

Die Staatsanwaltschaft war im Laufe des Prozesses selbst vom Vorwurf des Mordes abgewichen. Sie hatte in ihrem Plädoyer auf Totschlag plädiert und 14 Jahre Haft für Rashid D. gefordert. Begründet wurde der Verzicht auf den Mordvorwurf damit, dass der Mann erst seit Mai 2016 in Deutschland lebte und die möglichen „niedrigen Beweggründe“ seiner Tat nicht habe erkennen können. Der Angeklagte hatte laut Verteidigung offenbar angenommen, dass ihn seine Frau mit einem gemeinsamen Bekannten betrogen hatte.

Als Auslöser für den Streit am Tatabend sah das Gericht laut Prozessbeobachtern zuletzt eine Auseinandersetzung über den Drogenkonsum (Crystal Meth) des Mannes als ursächlich an und nicht die vermeintliche mögliche „Ehrverletzung“. Am Urteil gegen Rashid D. und dem darin vorgenommenen Verzicht auf die Einschätzung als Mord gab es im Folgenden von Beobachtern harsche Kritik.

Die Anwältin Brigitta Biehl etwa sagte der „Welt“ auf Nachfrage: „Ich bin ehrlich gesagt etwas fassungslos. Offenbar hat das Gericht unhinterfragt die Behauptung des Täters übernommen, der sagte, wenn eine Frau fremdgehe, dann habe der Mann das Recht, sie zu töten. Denn das sei in Tschetschenien geltendes Recht und stehe so im Koran. Das ist ja mal eine Behauptung, da muss man doch erst einmal prüfen, ob das in Tschetschenien tatsächlich üblich ist“.

Rashid D. hatte die Messerattacke auf seine Frau im Prozess gestanden, eine Tötungsabsicht aber verneint. An den Angriff auf der Straße könne er sich nicht erinnern.

https://www.welt.de/vermischtes/article165657240/Revision-gegen-Totschlag-Urteil-von-Cottbus.html

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