23. Mai 2017

Apathisch hat ein 38-jähriger Ägypter sein Urteil am Landgericht Rostock hingenommen. Nichts an ihm wies am Dienstag auf die Wut hin, mit der er Ende Oktober vergangenen Jahres in einem Rostocker Flüchtlingsheim nach einem banalen Streit auf einen 25 Jahre alten Mitbewohner aus Syrien eingestochen haben muss. Das Opfer überlebte nur durch eine Notoperation in einem Rostocker Krankenhaus.

Selbst die drastische Höhe der verhängten Strafe entlockte dem Angeklagten keine nach außen erkennbare Emotion. Die Richter schickten ihn wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung für sieben Jahre ins Gefängnis. Das sind 18 Monate mehr als selbst die Staatsanwältin gefordert hatte. Die Verteidigerin hatte Freispruch beantragt. Sie argumentierte, der Angeklagte habe im Affekt gehandelt, nachdem er von einer Gruppe von Mitbewohnern drangsaliert wurde. Er selbst hatte zu Beginn des Prozesses eine Art Notwehr-Situation geschildert, die der Vorsitzende Richter bereits damals nicht für glaubwürdig hielt.

Es war offenbar kein Streit, der sich aus den unterschiedlichen Nationalitäten, sondern aus dem beengten Leben in einer Flüchtlingsunterkunft ergab. Der Angeklagte, ein gut ausgebildeter Elektroingenieur und einst Regierungsmitarbeiter unter dem ägyptischen Präsidenten Mubarak, und seine drei jungen Zimmernachbarn pflegten ein distanziertes, aber kein feindseliges Verhältnis. Am 31. Oktober 2016 kam es zwischen ihnen zu einem Streit wegen der Nutzung des gemeinsamen Badezimmers. Es ging um offene Türen und um die zu wahrende Privatsphäre, wenn jemand duscht. Es kam zu gegenseitigen Beleidigungen und zu Handgreiflichkeiten. Andere Heimbewohner trennten die Streithähne.

Die Syrer hielten die Situation für bereinigt. Zurück in seinem Zimmer jedoch war der Angeklagte „voller Wut und sann auf Rache für die empfundene Schmach“, sagte der Vorsitzende Richter. Mit einem langen Küchenmesser stürmte er zum Zimmer der Syrer. Als einer von ihnen nichtsahnend die Tür öffnete, stach der Angeklagte „ohne zu Zögern“ und „wortlos“ auf den jungen Mann dreimal ein. Einer der Stiche drang zehn Zentimeter tief in dessen Brust. Als der lebensgefährlich verletzte Mann im Krankenhaus ankam, hatte er zwei Liter Blut verloren.

Der Angeklagte war 2014 erstmals nach Rostock gekommen. 2015 wurde er zurück nach Italien abgeschoben. Ende 2015 kehrte er nach Deutschland zurück und stellte einen weiteren Asylantrag. Die Aussicht, dass dieser positiv beschieden wird, ist gering.

https://www.svz.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/sieben-jahre-haft-fuer-messerangriff-id16892191.html

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