Mit einer Morddrohung wollte der Täter seine Verlegung in eine andere Asylunterkunft erzwingen. Dann stieß er einen jungen Flüchtling aus dem dritten Stock in die Tiefe. Jetzt wurde dafür ein Urteil gesprochen.

Weil er einen 17-Jährigen aus dem Fenster einer Flüchtlingsunterkunft gestoßen hat, ist ein junger Mann am Donnerstag zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Zwickau sah es als erwiesen an, dass der Asylbewerber seinen Landsmann Ende Oktober 2016 in Plauen heimtückisch töten wollte. Das Opfer stieß er aus dem dritten Stock.

Der 17-Jährige, der auch in der Unterkunft lebte, fiel zehn Meter tief. Er erlitt schwere Verletzungen an Wirbelsäule, Becken und Beinen. „Das Überleben des Zeugen grenzt an ein Wunder“, sagte der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann. Er trage dauerhafte Problem beim Gehen davon.

Der zu Aggressionen neigende Heranwachsende habe mit der Tat seinen Willen durchsetzen wollen, sagte Hartmann in seiner Urteilsbegründung. Demnach hatte der Täter zuvor geäußert, einen Mitbewohner umzubringen, wenn er selbst nicht wunschgemäß nach Frankfurt am Main verlegt werde. Dort soll der Mann, dessen genaues Alter unklar ist, Familie haben. Er wurde nun wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Der Heranwachsende hatte die Tat bis zuletzt geleugnet. Er sei zu dem Zeitpunkt nicht in dem Zimmer gewesen. Belegen ließ sich das jedoch nicht. Vielmehr habe er auch im Vorfeld aggressives Verhalten gezeigt, sei durch Lügen und Regelverstöße aufgefallen, meinte das Gericht. Das genaue Alter sei unklar, betrage aber mindestens 18 Jahre.

Laut Jugendgerichtshilfe gingen die Einschüchterungen und Drohungen des schmächtig wirkenden Jugendlichen so weit, dass Mitarbeiterinnen der Einrichtungen, in denen er war, den Dienst verweigerten. Weil er unter anderem trotz Schulschwänzens keinerlei Konsequenzen zu spüren bekommen habe, sei er wohl der Ansicht gewesen, von der deutschen Justiz nicht zur Verantwortung gezogen zu werden, schlussfolgerte der Richter.

Zum Prozessauftakt hatte das Opfer zunächst nicht aussagen wollen – offenbar aus Angst. Seinem Anwalt zufolge hat er eine Warnung aus seinem Heimatland erhalten, wonach er bei einer Rückkehr getötet werden würde. Ob der Angeklagte damit etwas zu tun hat, blieb unklar. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

https://www.welt.de/vermischtes/article164470661/17-Jaehriger-aus-Fenster-gestossen-Lange-Haftstrafe.html


11. Mai 2017, 14:38 Uhr

Weil er einen Jugendlichen aus einem Fenster im dritten Stock einer Flüchtlingsunterkunft gestoßen hat, ist ein junger Mann zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Zwickau sah es als erwiesen an, dass der Asylbewerber aus Afghanistan seinen Landsmann Ende Oktober 2016 in Plauen heimtückisch töten wollte. Das Opfer stürzte fast zehn Meter tief und erlitt schwere Verletzungen an Wirbelsäule, Becken und Beinen. „Das Überleben des Zeugen grenzt an ein Wunder“, sagte der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann bei der Urteilsverkündung am Donnerstag. Das 17 Jahre alte Opfer werde dauerhaft gehbehindert bleiben. Das Urteil lautet auf versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung.

Der zu Aggressionen neigende Heranwachsende hat nach Ansicht des Gerichts seinen Willen durchsetzen wollen. Demnach hatte er zuvor geäußert, einen Mitbewohner umzubringen, wenn er selbst nicht wunschgemäß nach Frankfurt am Main verlegt werde. Dort soll der Mann Familie haben. Der Heranwachsende hatte die Tat bis zuletzt geleugnet. Er sei zu dem Zeitpunkt nicht in dem Zimmer gewesen. Belegen ließ sich das jedoch nicht. Vielmehr habe er auch im Vorfeld aggressives Verhalten gezeigt, sei durch Lügen und Regelverstöße aufgefallen, meinte das Gericht. Das genaue Alter sei unklar, betrage aber mindestens 18 Jahre. Im Herbst war seitens der Behörden von einem 17-Jährigen die Rede.

Laut Jugendgerichtshilfe gingen die Einschüchterungen und Drohungen des schmächtig wirkenden Jugendlichen so weit, dass Mitarbeiterinnen der Einrichtungen, in denen er war, den Dienst verweigerten. Weil er unter anderem trotz Schulschwänzens keinerlei Konsequenzen zu spüren bekommen habe, sei er wohl der Ansicht gewesen, von der deutschen Justiz nicht zur Verantwortung gezogen zu werden, schlussfolgerte der Richter.

Zum Prozessauftakt hatte das Opfer zunächst nicht aussagen wollen – offenbar aus Angst. Seinem Anwalt zufolge hat er eine Warnung aus seinem Heimatland erhalten, wonach er bei einer Rückkehr getötet werden würde. Ob der Angeklagte damit etwas zu tun hat, blieb unklar. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

http://www.mdr.de/sachsen/chemnitz/fluechtling-aus-dem-fenster-gestossen-fuenf-jahre-jugendstrafe-100.html


12.05.2017

Plauen/Zwickau. Als alle Zeugen gesprochen hatten, glaubte dem jungen Afghanen keiner mehr. Für das fünfköpfige Schwurgericht in Zwickau steht fest, dass das, was am 23. Oktober im Wohnheim an der Auenstraße passierte, ein heimtückischer Mordversuch war. „Das Überleben des Opfers grenzt an ein Wunder“, sagte Richter Klaus Hartmann gestern, als er Nasir H.s Urteil verkündet hatte: fünf Jahre Jugendstrafe. Der junge Mann habe erheblichen Erziehungsbedarf.

Nach dem Urteil des Gerichts hat Nasir H. seinen Freund aus zehn Metern Höhe aus dem Fenster gestoßen. Mögliches Mordmotiv: Er wollte seinen Willen durchsetzen. Vier Tage vor der Tat hatte er dem Heimleiter angekündigt, dass er zu seinem Cousin nach Frankfurt ziehen will. Falls er das nicht dürfe, wolle er einen Landsmann töten. Der Heimleiter ging zur Polizei und gab das zu Protokoll – vor dem Fenstersturz.

Er habe mit dem Sturz nichts zu tun, sagte Nasir. Das Gericht glaubt ihm nicht, auch der Verteidiger plädierte auf eine Verurteilung. Der sonnige Nachmittag im Herbst soll so abgelaufen sein:

Nasir H. empfängt Besuch im Plauener Lehrhotel, drei Freunde aus der Heimat. Er wohnt dort seit zwei Monaten, gilt als unbegleiteter minderjähriger Flüchtlingsjunge. Zu viert sitzen sie dort in Zimmer 345, dritter Stock. Die Jungs bekommen Hunger. Nasir H. geht mit zwei Freunden eine Etage tiefer in die Küche, um Spiegeleier zu braten.

Das spätere Opfer bleibt im Zimmer und telefoniert. Während die gemeinsamen Freunde in der Küche warten, geht Nasir H. wieder in sein Zimmer. Zolgai M. soll ihm helfen, das Fenster mit einem Bettbezug abzudichten. Nasir H. weiß nicht, wie das geht. Er hat es schon ein paarmal probiert. Also steigt Zolgai auf das Fensterbrett. Ein Bein auf dem Heizkörper, eines auf dem Sims. Das Fenster ist offen. Nasir reicht ihm den Bettbezug und ein Messer als Werkzeug. Dann schubst er den 17-Jährigen. Der Boden, auf dem er landet, ist aus Beton.

Zolgai erinnert sich, dass er unten lag und nach oben sah und Nasir aus dem Fenster zu ihm hinunterschaute. Den Rettungswagen rufen andere. Als fußballspielende Flüchtlinge ihn entdecken, ist H. wieder bei seinen Freunden und sucht Zolgai. Die Freunde werden später sagen, Nasir habe für zehn Minuten die Küche verlassen. An den Folgen des Sturzes wird Zolgai M. lebenslänglich leiden, schätzen Mediziner. Zurzeit wohnt er in einem Chemnitzer Asylbewerberheim.

Sein Verfahren läuft noch. Es gibt Fälle, in denen sich Flüchtlinge als Opfer ausgeben, so Richter Klaus Hartmann. Das soll Mitleid erregen, einen Vorteil für das eigene Asylverfahren bringen. Bei Zolgai M. schließt das Landgericht Zwickau dieses Verhalten aus. „Nicht aus zehn Metern Höhe, nicht bei Todesgefahr“, sagte Hartmann.

Die Betreuer hatten Angst vor dem Täter. Als er sein Fahrrad zurück wollte, schlug er eine Scheibe ein. „Kontrollierte Aggression“ nennt der psychiatrische Gutachter das Verhalten. Nasir H. wendet Gewalt an, um seinen Willen durchzusetzen. Sein wichtigstes Ziel soll es im Oktober gewesen zu sein, dass ihm jemand ein Zimmer in Frankfurt besorgt, bei seinem Cousin.

Bei seinem Alter soll Nasir H. schwindeln. „Er macht sich deutlich jünger, als er ist“, sagt Hartmann. 16 sei er, gab er an. Der Gericht ließ ein Gutachten erstellen, in dem Nasirs Alter auch anhand der Skelettentwicklung geschätzt wurde. Danach soll er deutlich älter sein als 18. Vor einem Jahr kam der junge Afghane ohne Papiere als Flüchtling nach Deutschland. Denn minderjährige Asylbewerber, die ohne Eltern einreisen, erhalten einen besonderen Schutz. Sie kommen in die Obhut des Jugendamtes, werden gesondert betreut und zur Schule geschickt.

„Schädliche Neigungen.“ So nennt die Justiz sein Verhalten. Er lüge, verletze Regeln, sei aggressiv. Die Jugendhaft soll ihn erziehen. Er kann das Urteil anfechten.

http://www.freiepresse.de/LOKALES/VOGTLAND/PLAUEN/Fenstersturz-Afghane-wollte-Freund-toeten-artikel9902944.php

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