1. Juni 2017 17:32 Aktualisiert 18:09

Der bulgarische Profi-Boxer Aleksi H. wurde für seine Beteiligung am Millionenraub von der Budapester Straße verurteilt. Doch er bekommt Haftverschonung.

Herbe Niederlage für Profiboxer Aleksi H. (24), Ex-Schützling von Graciano „Rocky“ Rocchigiani (53). Das Landgericht verurteilte ihn am Donnerstag als einen der Millionenräuber von der Budapester Straße (Tiergarten) wegen schweren Raubes zu einer Knaststrafe von vier Jahren und drei Monaten. Ein Trostpflaster: Es verkündete zugleich Haftverschonung.

Gegen seinen Mitangeklagten, Fitnesstrainer Husam M. (31,) wurde das Verfahren zuvor zur erneuten Verhandlung abgetrennt. Gegen den dritten Verdächtigen (33) wird noch ermittelt.

Der Angeklagte hatte von Anfang an gestanden, beim Überfall auf den Goldhändler das Fluchtauto gefahren zu haben. Von der Beute, Goldbarren und Münzen für 1,065 Millionen Euro will er allerdings nur ganze 800 Gramm abbekommen haben. Wo der „Rest“ ist, wisse er nicht. Der Fitnesstrainer hatte zum Auftakt des Prozesses dagegen ausgesagt, H. sei mit der Beute davongefahren. „Ich habe die Beute nicht“, behauptete der Boxer jedoch. Warum hätten die beiden Haupttäter sie in seinem Auto lassen sollen?

Der Überfall: Am 22. Oktober 2016 gegen 13.35 Uhr ist Verkäufer Martin K. (61) gerade allein im Laden, als es klingelt. Arglos öffnet er die Tür. Ein alter gebrechlicher Herr mit Schnurrbart und Krückstock stolpert herein. Mit seinem Begleiter. Sekunden später muss er schmerzhaft erkennen: Das sind keine Kunden, sondern Ganoven. Er wird geprügelt, getreten, in den Keller hinuntergestoßen.

Der Verkäufer: „Dort zwangen sie mich mit Pistole und Bauhammer, die Tresore zu öffnen, drohten mir ins Bein zu schießen.“ Sie stopften 30 Kilo in ihrem Rollkoffer, ließen ihr Opfer an Händen und Füßen gefesselt zurück. Ermittlung ergeben später, dass der verkleidete Tattergreis mit Krückstock der Angeklagte Husam M. war und sein Begleiter der dritte Mann. Während Boxer Aleksi H. derweil im Fluchtauto wartete.

Ihre Freude über das Millionending währte nur knapp zwei Monate. Dann war ihnen die Polizei dank Funkzellenauswertung auf der Spur: Einer der Täter hatte nämlich während des Überfalls telefoniert. Trotz SIM-Karten- und Handywechsels konnten die Angeklagten ermittelt werden.

„Geben Sie mir bitte noch eine Chance“, bat der Supermittelgewichtler in seinem letzten Wort. „Das Boxen ist mein großes Ziel. Ich will weitermachen.“ Er habe bei Rocky und bei Michel Trabant trainiert – in drei offiziellen Kämpfen zwei durch k.o., einen nach Punkten gewonnen. Die Tat sei auch für seine Familie ein großer Schock gewesen. „Ich habe meine Lehren gezogen.“

Mit der Haftverschonung honorierte das Gericht vor allem sein frühzeitiges Geständnis, seine Aufklärungshilfe (er zeigte der Polizei, wo der dritte Mann wohnt), die Bereitschaft, dem Opfer seinen Anteil am Schmerzensgeld zu zahlen.

Die Richterin: „Seine Aussagen waren überzeugend. Bis auf die zu seinem Beuteanteil. Aber wir können ihn da nicht widerlegen.“ Die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Haftverschonung wurde abgelehnt. Jetzt muss das Kammergericht darüber entscheiden. Zumindest bis dahin kann Aleksi H. in Freiheit trainieren.

http://www.bz-berlin.de/tatort/menschen-vor-gericht/4-jahre-knast-nach-millionenraub-aber-boxer-alexi-h-bekommt-verschonung

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