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Hussein Khavari

Freiburg (ots) – Im Anschluss an unsere heutige Pressekonferenz fassen wir die wesentlichen Aussagen nachfolgend zusammen:

   - Herr Leitender Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer, Leiter der 
     Staatsanwaltschaft Freiburg eröffnete die Pressekonferenz mit 
     folgenden Worten -

Soeben fand die Inhaftierung eines 17jährigen Tatverdächtigen statt.

   - Der Leiter der Kriminalpolizeidirektion Peter Egetemaier dankte 
     zunächst den Medienschaffenden -

Herzlichen Dank an die anwesenden Vertreter der Medien für das Interesse und für das uns entgegengebrachte Verständnis im Rahmen der Ermittlungen. Wir brauchen Zeit und Geduld, um akribische Ermittlungen in dieser Güte gerichtsverwertbar durchzuführen.

In vielerlei Hinsicht waren uns die Medien in diesem Fall eine wertvolle Unterstützung im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit. So beispielsweise auch bei der intensiven Suche nach dem herrenlosen Fahrrad, dessen Eigentümer nach wie vor nicht bekannt ist.

Nach Verständigung der Kriminalpolizeidirektion durch das Führungs- und Lagezentrum wurde die Sonderkommission Dreisam mit insgesamt 40 Kriminalbeamtinnen und Kriminalbeamten eingerichtet.

Der erste Angriff erfolgte durch Kriminaltechniker der Kriminalinspektion 8, unmittelbare Absperrmaßnahmen wurden am Tatort durch das Polizeirevier Freiburg-Süd gewährleistet.

Zudem wurden folgende Kräfte hinzugezogen:

   - Tatortgruppe LKA BW
   - Bereitschaftspolizei zum Absuchen des Tatortbereichs nach Spuren
     der Tat
   - Landeskriminalamt BW intensive und schnellstmögliche 
     DNA-Auswertungen
   - Unterstützungskräfte der Polizeipräsidien

PP Tuttlingen PP Offenburg PP Mannheim PP Einsatz

Die Polizei dankt zudem der Staatsanwaltschaft Freiburg sowie der Rechtsmedizin für die sehr gute Zusammenarbeit.

   - Kriminaloberrat David Müller, Leiter der Sonderkommission 
     Dreisam -

Anhand von Vernehmungen konnte die Zeit vom Vorabend der Tat bis zum Tattag um 02:37 Uhr nahezu lückenlos rekonstruiert werden.

Demnach befand sich das 19jährige Opfer am Samstagabend, 15.10.2016, auf einer Studentenparty im Freiburger Universitätsviertel. Von dieser fuhr sie mit ihrem Rad über den Dreisamuferweg in Richtung ihrer Wohnung. Dieser Weg führt entlang des Tatortes. Nach dem Verlassen der Party ab ca. 02:40 Uhr gab es keine gesicherten Hinweise mehr auf den Aufenthaltsort des Opfers.

Die junge Frau wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Durch eine am 17.10.2016 durchgeführte Obduktion stellte sich zudem heraus, dass ein Sexualdelikt stattgefunden hatte. Der Tod trat durch Ertrinken ein.

   - Ltd. Kriminaldirektor Andreas Stenger, Leiter KTI/ LKA BW -

Wie die Auswertungen des Landeskriminalamtes in den folgenden Tagen ergaben, konnte im Zuge der Spurensicherungsmaßnahmen mutmaßliche Täter-DNA am Opfer festgestellt werden.

Das in Rede stehende männliche DNA-Muster konnte im Rahmen des Abgleichs mit der bundesweiten DNA-Analyse-Datei keinem dort bereits erfassten Tatverdächtigen zugeordnet werden.

Am herrenlosen Damenfahrrad konnte zudem, wie weitere Auswertungen ergaben, das gleiche DNA-Muster gesichert werden.

Bei der Tatortabsuche konnte seinerzeit im Rahmen der Spurensicherung in einer Dornenhecke ein Haar gesichert werden. Wie die Auswertung des LKA diese Woche ergab, handelte es sich um ein Haar des mutmaßlichen Täters. Dieses ist 18,5 cm lang, schwarz und glatt. Am Ende ist es auf einer Länge von 10 Zentimetern blond gefärbt. Unterschiedlichste Frisuren waren hierzu denkbar.

Im Rahmen der Spurensicherung konnte zudem ein schwarzer Fleece-Schal im Flussbett der Dreisam aufgefunden werden. Der vollkommen durchnässte Schal wurde getrocknet und mit unterschiedlichen Untersuchungsmethoden auf DNA-Antragungen untersucht. Hierbei konnte in sehr aufwändigen Untersuchungsverfahren zumindest eine Teil-DNA-Spur gesichert werden, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu dem bisher am Opfer und dem Fahrrad aufgefundenen kompletten DNA-Muster passen dürfte. Somit dürfte der Schal in Verbindung mit dem Verursacher der männlichen DNA stehen.

   - Kriminaloberrat David Müller, Leiter der Sonderkommission 
     Dreisam -

Auf dieser Grundlage wurden in den vergangenen Tagen unterschiedlichste Videoaufzeichnungen nochmals akribisch ausgewertet. Hierbei stellten die Ermittler einen jungen Mann fest, der in der Tatnacht gegen 02:00 Uhr die Straßenbahnlinie 1 stadtauswärts nutzte und an der Haltestelle „Lassbergstraße“ ausstieg. Er wurde auf zwischen 20 und 25 Jahre alt geschätzt, ist hellhäutig, hat dunkle, seitlich abrasierte Haare, die am Oberkopf länger und zu einem Zopf zusammen gebunden waren (sogenannter Undercut). Die zusammengebundenen Haare waren etwa hälftig blond gefärbt. Er trug in der Straßenbahn einen schwarzen Schal, eine schwarze Jacke und eine schwarze Hose.

Diese Information wurde ab 30.11.2016 an sämtliche Polizeikräfte des Polizeipräsidiums Freiburg zwecks Fahndung weitergegeben.

Bereits am Freitag (02.12.2016) konnten Beamte des Polizeipostens Freiburg-Littenweiler um 12:30 Uhr einen jungen Mann einer Personenkontrolle unterziehen, der den vorliegenden Fahndungsaufzeichnungen ähnlich sah.

Die weitere Abklärung durch die Sonderkommission Dreisam ergab, dass es sich um den jungen Mann aus der Straßenbahn handelte.

   - Leitender Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer, Leiter der 
     Staatsanwaltschaft -

Nachdem der Tatverdächtige gestern festgenommen und identifiziert werden konnte wurde auf Beschluss der Staatsanwaltschaft eine DNA-Probe erhoben.

Das Landeskriminalamt teilte noch im Laufe der Nacht mit, dass es sich um dieselbe DNA handeln würde, wie jene, die am Tatort aufgefunden werden konnte.

Bei dem Tatverdächtigen handelt sich um einen 17jährigen Schüler aus Afghanistan, der 2015 nach Deutschland einreiste. Er hat sich auf Tatvorhalt bislang nicht geäußert. Wegen des dringenden Tatverdachts der Vergewaltigung und des Mordes wurde der Beschuldigte heute in Untersuchungshaft genommen. Wir haben bisher keine Verbindung zum Tötungsdelikt in Endingen. In diesem Fall sind aber weiterhin noch nicht alle Spuren ausgewertet.

Polizeipräsident Bernhard Rotzinger machte abschließend nochmals deutlich welche akribische Ermittlungsarbeit sowohl von Seiten der Sonderkommission Dreisam als auch vom Landeskriminalamt erforderlich war, um zu diesem Ergebnis zu gelangen. „Ein Rad hat hier perfekt ins nächste gegriffen.“, so Rotzinger.

http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/110970/3501240

Maria L. hätte in der Nacht vom 16. Oktober noch zehn Minuten radeln müssen, dann hätte sie ihr WG-Zimmer in der Thomas-Morus-Burse erreicht. Doch gegen drei Uhr in der Nacht traf sie auf Hussein K. Die junge Frau kam in dem gerade frisch weinrot gestrichenen und renovierten katholischen Studentenwohnheim nicht mehr an. Ihr Name steht noch am Klingelbrett. Hussein K., ein minderjähriger Flüchtling aus Afghanistan, soll sie aufgehalten und vergewaltigt haben; wie sie gestorben ist, muss noch ermittelt werden. Dass K. der Täter ist, gilt als sicher; am Opfer wurden eindeutige DNA-Spuren gefunden. Der Fall wäre eine Meldung in der „Badischen Zeitung“ geblieben, wenn ein Franzose aus dem Elsass oder ein Tourist aus der Schweiz die schreckliche Tat verübt hätte. Weil die zum Teil archaischen Vorstellungen von Sexualität und ein patriarchalisches Frauenbild vieler Flüchtlinge aber immer wieder für Diskussionen sorgen, ist der Fall einer für die Talk-Shows der Republik geworden.

Hussein K. ist am Freitag vergangener Woche verhaftet worden. Er sitzt in Untersuchungshaft und schweigt. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft stecken noch mitten in den Ermittlungen, viele Fragen – ermittlungstechnische wie politische – sind unbeantwortet. Bekannt ist mittlerweile, dass Hussein K. 2015 nach Freiburg kam wie so viele als minderjährig eingestufte Flüchtlinge, deren Alter sich häufig nicht zweifelsfrei feststellen lässt. Freiburg ist der erste Bahnhof nach der deutsch-schweizerischen Grenze, viele minderjährige Flüchtling werden im Zug oder am Bahnhof von der Bundespolizei aufgegriffen.

Geboren wurde Hussein in Afghanistan, er gehört zur Volksgruppe der Hazara, einer überwiegend schiitischen und Persisch sprechenden Minderheit. Über seinen Facebook-Account kommunizierte er mit gleichaltrigen afghanischen Freunden, er war Mitglied der Gruppe „Süße afghanische Mädels“. Es gibt auch ein Bild, auf dem sich ein Wolf über eine schöne Frau beugt. Einer seiner Facebook-Freunde teilte ein Bild einer verschleierten Frau, die über sich sagt: „Meine Schönheit ist nur für meinen Mann.“

Facebook-Kommentare zeugen von Depressivität und Verzweiflung

Fröhliche Selfies hat Hussein nicht gepostet. Aus den zahlreichen verschiedenen Selbstporträts lässt sich schließen, dass ihm sein Äußeres wichtig war, denn er hat es ständig radikal verändert. Fast alle Kommentare sind düster, zeugen von Depressivität und Verzweiflung. Am 25. April schrieb Hussein: „Lieber Gott, meine Hand reicht zu Deinem Himmel, aber Deine Hand nicht zur Erde, also heb mich hoch.“ Am 5. Oktober heißt es: „Gott, mein Leben ist orientierungslos, bring mich zurück an den Tag, an dem ich geboren bin.“

Auch ein düsteres Tattoo postete er, unter einem Adler steht auf Persisch: „Was uns passiert ist, war unser Schicksal. Alles, was uns im Kopf herumgegangen ist, zeigt, dass wir nicht achtsam gelebt haben. Als wir nachdenken wollten, war es zu spät, und auf unserer Haustür stand: Der ist gestorben.“

Nach Auskunft seiner Lehrer war der junge Flüchtling kein schlechter Schüler. Unklar ist noch, womit er sich in seiner Freizeit beschäftigt hat. Angeblich soll er sich nachts mit afghanischen Jugendcliquen im Freiburger Colombi-Park herumgetrieben haben; die eigentlich sehr schöne Parkanlage in der Innenstadt ist seit Jahren das Revier von Drogenabhängigen, alkoholisierten Jugendlichen, Gewalttätern und Obdachlosen. Hussein soll wenig zu Hause bei seinen Pflegeeltern und oft betrunken und bekifft gewesen sein.

„Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ (UMA) werden meistens in Wohngruppen untergebracht, die wiederum von Jugendhilfeträgern unterhalten werden. Für Hussein war das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald zuständig, der Landkreis betreut derzeit 181 UMA; zehn sind bei Familien im Landkreis untergebracht, nur drei bei Familien in der Stadt. Hussein nahm ein afghanischer Akademiker auf, der mit seiner Frau im Osten Freiburgs wohnt, nicht weit von Marias Studentenwohnheim.

Von seiner Wohnung hätte Hussein zehn Minuten gebraucht, um in das Wohnheim zu kommen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich Maria und Hussein schon einmal begegnet sind – in der Straßenbahnlinie 1, in den Stadtteilen Littmannsweiler oder Ebnet. Belege gibt es hierfür jedoch nicht. Die vor allem im Internet verbreitete Behauptung, mutmaßlicher Täter und Opfer könnten sich in einer Arbeitsgruppe des Vereins „Weitblick“ kennengelernt haben, erwies sich als Falschmeldung. Die Polizei hat bislang keinerlei Anhaltspunkte für eine Bekanntschaft oder gar Beziehung zwischen beiden.

Über Verhältnisse in Husseins Pflegefamilie ist noch wenig bekannt

„Maria L. engagierte sich seit Anfang des vergangenen Semesters bei Weitblick Freiburg e.V. im Arbeitskreis International“, teilte der Verein in dieser Woche mit. „Gemeinsam mit anderen Vereinsmitgliedern organisierte sie Aktionen, um Spenden für die Renovierung einer Grundschule in Ghana zu sammeln. Maria war in unserem Verein dementsprechend nicht in der Hilfe für Geflüchtete aktiv, sondern im Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.“

In der Todesanzeige der Studentin hatten die Eltern um Spenden für „Weitblick“ gebeten; das hatte zu wilden Spekulationen geführt, und die AfD und verschiedene Rechtsradikale hatten sogar das humanitäre Engagement von Marias Familie für ihren Tod mitverantwortlich gemacht. Im Internet führte der Fall zu einer Hasslawine bislang unbekannten Ausmaßes, die auch vor den Eltern des Mädchens keinen Halt machte.

Mit der Unterbringung in einer Familie hatte Hussein großes Glück – bei schwer durch Krieg oder die Flucht traumatisierten Migranten gilt ein familiäres Umfeld als beste Voraussetzung für eine gelungene Integration. In vielen Pflegefamilien, die syrische, afghanische oder auch afrikanische Flüchtlinge aufgenommen haben, gehören Auseinandersetzungen über das archaische Frauenbild zum Alltag. Psychologen halten dennoch nichts davon, derartige Gewalttaten mit der kulturellen Herkunft zu erklären. Sie nehmen an, dass pubertierende Flüchtlinge sich schnell an das Frauenbild und die Vorstellungen von Sexualität im Gastland anpassen, weil sie Erfolg und Anerkennung haben wollen.

Über die Verhältnisse in Husseins Pflegefamilie ist noch wenig bekannt. Bei minderjährigen Flüchtlingen muss mindestens ein Elternteil der aufnehmenden Familie eine pädagogische oder ärztliche Qualifikation haben; in diesem Fall hatten sogar beide Elternteile diese. Sexualstraftäter leiden oftmals an einer schweren Psychose. Wahnhafte Gedanken, Halluzinationen, Denkstörungen, Selbstvernachlässigung oder ein emotionaler Rückzug können Vorboten eines derart schweren Gewaltverbrechens sein, sagen Psychologen. Bei den weiteren Ermittlungen und in der Gerichtsverhandlung wird noch zu klären sein, ob die Pflegeeltern in den Wochen und Tagen vor der Tat etwas bemerkt haben.

40 Minuten in Oktobernacht noch ungeklärt

Die Familien bekommen einen Tagessatz zwischen 130 und 150 Euro für die Unterbringung, es gibt regelmäßig Gespräche mit den Mitarbeitern des Jugendamtes und der betreuenden Jugendhilfeeinrichtung über die Entwicklung des Jugendlichen. Husseins Akten hat das Landratsamt, sie werden in dem Strafverfahren sicher eine Rolle spielen.

Das Landratsamt, das nach dem Tod des Kleinkinds Alessio im vergangenen Jahr erheblich in der Kritik stand, wird sich auch im Fall Hussein die Frage gefallen lassen müssen, ob der Flüchtling stark genug kontrolliert und ausreichend intensiv betreut worden ist. Im Landratsamt sind mittlerweile 13 Mitarbeiter nur mit der Kontrolle und Betreuung der UMA befasst.

An den Tatort an der Dreisam kommen noch täglich viele Freiburger, die trauern und fassungslos über das Verbrechen sind. Die meisten Freiburger kennen die Stelle gut, weil sie als SC-Fans häufig im nahen Stadion waren, im Sommer in der Dreisam gebadet oder auf der Uferwiese gegrillt haben. Ein rational planender Täter würde sich einen so gut einsehbaren Platz auch in der Nacht für einen Überfall auf eine Frau eher nicht aussuchen; erst am Freitag suchten Polizisten den Tatort noch einmal mehrere Stunden lang nach Spuren ab.

Ein 51 Jahre alter E-Bike-Fahrer hat sich als Zeuge gemeldet, der ein weißes Fahrrad beobachtet haben will; es könnte das der Medizinstudentin gewesen sein. Der Mann berichtet auch, von einer schnellen Radfahrerin überholt worden zu sein; diese mutmaßliche Zeugin hat mit der Sonderkommission „Dreisam“ noch keinen Kontakt aufgenommen.

Sicher ist, dass Hussein K. am 16. Oktober um 1.57 Uhr in der Innenstadt, am Bertoldsbrunnen, in die Straßenbahnlinie einstieg. Etwa 15 Minuten später stieg er an der Endhaltestelle Lassbergstraße aus. Zehn Minuten braucht man zum Tatort am Fluss, wenn man von der Endhaltestelle vorbei an modernen Wohnblocks mit Glasfassaden sowie am Schwarzwaldstadion zu der Fußgängerbrücke geht, die von den Gästen der Jugendherberge viel benutzt wird. Zwischen dem Aussteigen aus der Straßenbahn und der Tat liegt ein Zeitraum von vierzig Minuten – bislang weiß die Polizei nicht, was Hussein in dieser Zeit in der Oktobernacht dort getan hat. „Auf der Mediziner-Party war der Täter nicht, es gibt auch keinerlei Hinweise auf weitere Tatbeteiligte“, sagt Laura Riske, die Sprecherin der Freiburger Polizei.

Staatsanwaltschaft wird das Alter des Verdächtigen prüfen

Die genauen Umstände des Todes von Maria L. müssen auch noch aufgeklärt werden: Ist sie bewusstlos in die an dieser Stelle recht flache Dreisam gefallen, oder hat Hussein K. sie ertränkt? „Wir haben mit dem mutmaßlichen Täter gesprochen“, sagt Riske. „Aber zu den Tatvorwürfen äußert er sich im Moment auf Anraten seines Anwalts nicht.“ Die Staatsanwaltschaft wird in jedem Fall das Alter des Verdächtigen prüfen. Viele Flüchtlinge reisen mit einer falschen Altersangabe ein, weil sie vom besonderen Schutz der Jugendhilfe wissen und davon profitieren wollen. Von Husseins tatsächlichem Alter wird abhängen, ob das Strafverfahren an der Jugendkammer oder vor einer normalen Strafkammer geführt wird.

Sollte er zwischen 18 und 21 Jahre alt sein, liegt es im Ermessen der Jugendkammer, zu entscheiden, ob sie Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht anwenden will. „Es besteht der dringende Tatverdacht wegen Vergewaltigung und wegen Mordes“, so die Staatsanwaltschaft. „Ein medizinisches Gutachten über das Alter des Verdächtigen werden wir in Auftrag geben; ob wir zusätzlich während der Ermittlungen auch ein psychiatrisches Gutachten einholen, wird zu beraten sein.“

Am Tatort haben Trauernde Blumen mit Polizeiabsperrband an einem Baumstamm befestigt. „Das alles passt nicht zu unserem Freiburg“, lautet der letzte Satz eines längeren Textes, umrahmt von einem Herz. Die meisten Freiburger lassen sich durch die Tat von ihrem Engagement für Flüchtlinge nicht abbringen. „Die ungeahnte politische Instrumentalisierung des Verbrechens und der Herkunft des mutmaßlichen Täters“, heißt es etwa in einer Erklärung von Erzdiözese, Maria L.s Wohnheim und katholischer Hochschulgemeinde, lehne man „in Andenken an Maria grundsätzlich und entschieden ab“.

Die Stimmung ist aber fragiler geworden in der liberalen südbadischen Stadt. Dramatisch wäre es wohl, wenn im Fall von Carolin G., die wenige Wochen nach Maria L. im Kaiserstuhlort Endingen ermordet wurde, auch ein Flüchtling verhaftet würde.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/neue-details-und-neue-fragen-im-mordfall-maria-l-14568422.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Bei dem mutmaßlichen Mörder der getöteten Studentin aus Freiburg handelt es sich womöglich um einen vorbestraften Gewalttäter. Das berichtet der „Stern“ unter Berufung auf zwei Flüchtlinge, die dem Magazin unabhängig voneinander davon erzählten.

Dem Bericht nach soll der Verdächtige Ende Mai 2013 auf der griechischen Insel Korfu eine 20-jährige Studentin überfallen haben und eine Steilküste hinabgeworfen haben. Sie hätte den Sturz überlebt, verletzte sich aber schwer.

In einem späteren Gerichtsprozess im Februar 2014 sei er zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, heißt es in dem Bericht weiter. Unklar sei, warum ihn die griechische Justiz vorzeitig entlassen habe. Oder ob sie ihn abschob.

Wie alt ist der mutmaßliche Mörder?

Während des Prozesses soll er ausgesagt haben, zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt gewesen zu sein. Schon damals hätten Ermittler Zweifel an der Richtigkeit der Angaben gehabt.

Das Bemerkenswerte daran ist, dass er auch im Freiburger Mordfall drei Jahre später 17 Jahre alt gewesen sein soll. Der junge Mann aus Afghanistan kam im November 2015 als unbegleiteter Flüchtling nach Deutschland, wo er bei einer Pflegefamilie in Freiburg lebte.

Seit Anfang Dezember sitzt er in Untersuchungshaft, weil er unter Verdacht steht, Mitte Oktober in Freiburg eine 19 Jahre alte Studentin nach einer Party überfallen, vergewaltigt und getötet zu haben. Bislang schweigt er zu den Vorwürfen.

Nach Information der „Badischen Zeitung“ prüfen Polizei und Staatsanwaltschaft in Freiburg die Vorwürfe zu der angeblichen kriminellen Vorgeschichte.

Weil für die Ermittlungen eine Zusammenarbeit mit den griechischen Behörden nötig sei, könne das einige Zeit dauern. Ein europaweiter DNA-Abgleich des Tatverdächtigen habe keinen Treffer in einem anderen Land ergeben.

Geprüft wird weiterhin ein Zusammenhang mit dem Mord an einer Joggerin im nahe gelegenen Endingen. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten erklärt, dass ein Zusammenhang „weder ausgeschlossen noch bestätigt“ werden kann.

Von Seiten der Polizei wurden 6000 Euro als Belohnung für Informationen ausgesetzt, die zur Identifizierung und Ergreifung des Täters führen. Insgesamt sind damit derzeit bis zu 28.000 Euro – davon 22.000 Euro von privater Seite – ausgelobt.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article160249055/Mutmasslicher-Moerder-von-Maria-L-soll-vorbestrafter-Gewalttaeter-sein.html

Eckdaten Hussein Khavari:

Datum Griechische Behörden Deutsche Behörden Vorgang
01.01.1996 0 Jahre Geburtsdatum Hussein Khavaris laut seinem afghanischen Pass, den er griechischen Behörden vorlegte
12.11.1999 0 Jahre Eigenauskunft Hussein Khavaris zu seinem Geburtsdatum
08.01.2013 17 Jahre 13 Jahre In Tyros/Griechenland Asylantrag gestellt und als minderjähriger Flüchtling registriert
26.05.2013 17 Jahre 13 Jahre Auf Korfu: versuchter Mord an griechischer Studentin, Festnahme
01.01.2014 18 Jahre 14 Jahre Erreichen der Volljährigkeit laut Pass
12.02.2014 18 Jahre 14 Jahre Urteil im Mordprozess: 10 Jahre Jugendhaft, Khavaris Minderjährigkeit zur Tatzeit wurde im Prozess angezweifelt, konnte aber nicht bewiesen werden
31.10.2015 19 Jahre 15 Jahre Haftentlassung aufgrund eines Amnestiegesetzes, Auflage: Meldung bei Polizei alle 14 Tage
01.11.2015 19 Jahre 15 Jahre Wohnsitz in Athen auf der Acharnon Straße, nur ein Mal bei Polizei gemeldet
12.11.2015 19 Jahre 16 Jahre Über Österreich oder Schweiz (unterschiedliche Medienangaben) Einreise nach Deutschland als minderjähriger Flüchtling ohne Pass und laut Eigenauskunft gerade 16 Jahre alt geworden, am 12.11.1999 in Ghazni/Afghanistan geboren. Asylantrag gestellt.
31.12.2015 19 Jahre 16 Jahre Widerruf der Bewährung in Griechenland, nationale Fahndung nach Hussein Khavari
01.02.2016 20 Jahre 16 Jahre Aufnahme in eine Pflegefamilie mit afghanischem Migrationshintergrund in Freiburg-Littenweiler als minderjähriger Flüchtling, Asylantrag gestellt. Freizeitbeschäftigung: im Drogenpark abhängen
16.10.2016 20 Jahre 16 Jahre Gegen 03.00 Uhr die Studentin Maria Ladenburger (19) vergewaltigt, die am nächsten Morgen tot hinter dem Schwarzwaldstation in der Dreisam aufgefunden wurde
02.12.2016 20 Jahre 17 Jahre Verhaftung in Freiburg
12.11.2017 21 Jahre 18 Jahre Erreichen der Volljährigkeit laut Selbstauskunft bei deutschen Behörden

 

Orte, an denen sich Hussein Khavari aufhielt:


„Meine Tochter leidet heute noch unter Schmerzen und Albträumen“, sagte Pantelis Chaidos der griechischen Boulevardzeitung „Real News“. „Ich kann nicht glauben, dass sie ihn freigelassen haben, damit er tötet. In was für einem Staat leben wir?“

Die Familie habe angenommen, der Täter befinde sich weiterhin in Haft, sagte der Vater der Zeitung weiter. „Zehn Jahre hatte er bekommen, und das war noch wenig für das, was er uns angetan hat.“ Seine Tochter müsse nach dem Sturz immer noch Operationen über sich ergehen lassen, die nächste in den kommenden Tagen. Wenn er an die trauernden Eltern des deutschen Mordopfers denke, werde er verrückt.

https://www.welt.de/vermischtes/article160396140/Ich-kann-nicht-glauben-dass-sie-ihn-freigelassen-haben.html


10.1.2017

Verdächtiger (17) belästigte weitere Frau

Freiburg – Nach mehreren Aufrufen der Polizei im Fall des Sexualmords von Freiburg haben sich zwei seit Wochen gesuchte Zeuginnen gemeldet. Ihre Aussagen würden nun ausgewertet, teilte die Polizei mit.

Eine der beiden Frauen sei eine Radfahrerin, die zur Tatzeit am Ort des Verbrechens vorbeifuhr. .

Sie war vom mutmaßlichem Täter angesprochen worden und hatte dann den Platz gewechselt.

http://www.bild.de/regional/stuttgart/polizei/zeugen-im-vergewaltinungs-fall-freiburg-49685330.bild.html


Im Fall des Sexualmords von Freiburg rechnen die Behörden in den nächsten vier Wochen mit einem Gutachten zum Alter des Tatverdächtigen. Rechtsmediziner der Freiburger Universität seien in der entscheidenden Phase ihrer Arbeit, davon hängt auch das Strafmaß für Hussein K. ab.

Das sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur.Vom Ergebnis hänge ab, ob der Verdächtige nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angeklagt wird und wie das maximal mögliche Strafmaß aussehe. Nach Jugendstrafrecht sind höchstens zehn Jahre Haft möglich, nach Erwachsenenstrafrecht eine lebenslängliche Gefängnisstrafe.

Dem verdächtigen Hussein K. wird vorgeworfen, Mitte Oktober vergangenen Jahres eine 19 Jahre alte Studentin vergewaltigt und ermordet zu haben. Er war Anfang Dezember festgenommen worden und sitzt seither in Haft. Zu den Vorwürfen schweigt er. Auch von den Rechtsmedizinern habe er sich nicht befragen lassen, hieß es. DNA-Spuren von ihm hatte die Polizei am Tatort gefunden. Er selbst gibt an, 17 Jahre alt zu sein und aus Afghanistan zu stammen. Doch daran gibt es Zweifel.

Hussein K. war nach Angaben deutscher Behörden im November 2015 ohne Papiere nach Deutschland gekommen. Er stand als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in der Obhut des Jugendamtes und lebte in Freiburg bei einer Pflegefamilie. Wegen einer Gewalttat an einer jungen Frau 2013 war er in Griechenland zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Oktober 2015 aber vorzeitig gegen Auflagen entlassen worden. Kurze Zeit später tauchte er unter und kam nach Deutschland.

Deutsche Behörden wussten nichts von dieser kriminellen Vorgeschichte. Griechische Behörden hatten den Angaben zufolge nur national nach dem Gesuchten gefahndet, einen internationalen Haftbefehl oder einen Eintrag in internationale Datenbanken durch Griechenland gab es nicht. In Griechenland hatte Hussein K. Medienberichten zufolge schon 2013 behauptet, 17 Jahre alt zu sein.

Für das Altersgutachten würden nun Röntgenaufnahmen ausgewertet, sagte der Sprecher. Diese seien richterlich angeordnet worden. Zudem würden unter anderem Handwurzelknochen und das Schlüsselbein untersucht. Dies sei zur Altersbestimmung gängige Praxis.

 http://www.focus.de/panorama/welt/mordfall-maria-l-ermittler-zweifeln-an-angaben-gutachten-soll-alter-von-hussein-k-feststellen_id_6533047.html

18.12.2017 09:14

Freiburg – Der Mordprozess gegen den Flüchtling Hussein K. geht in eine Winterpause und wird für rund zweieinhalb Wochen unterbrochen.

Gründe seien Weihnachten und der Jahreswechsel, sagte ein Sprecher des Landgerichts Freiburg. Der letzte Verhandlungstag in diesem Jahr sei der 21. Dezember. An dem Termin werden demnach lediglich Urkunden verlesen.

Fortgesetzt wird der Prozess am 8. Januar 2018. Er hatte Anfang September begonnen. Ein Urteil soll es den Planungen zufolge frühestens im Frühjahr geben.

Hussein K. werden Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Er hat zugegeben, im Oktober 2016 in Freiburg eine 19 Jahre alte Studentin vergewaltigt und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt zu haben (TAG24 berichtete). Die Frau ertrank im Wasser des Flusses Dreisam.

Es geht in dem Prozess auch um die Frage, wie alt der vor der Jugendkammer stehende Mann ist. Das hat Auswirkungen auf die Höhe der Strafe. Er selbst hatte angegeben, aus Afghanistan zu kommen und 16 oder 17 Jahre alt zu sein. Doch daran gibt es Zweifel. Zum Prozessauftakt gab er aber zu, beim Alter gelogen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hält Hussein K. für mindestens 22 Jahre alt. Entsprechende Gutachten und Zeugenaussagen stützen das. Für Verwirrung hatte zuletzt die Aussage des Vaters des Angeklagten gesorgt, wonach Hussein K. bereits 33 Jahre alt ist. Ob diese Angaben korrekt sind, ist Justizangaben zufolge jedoch unklar.

https://www.tag24.de/nachrichten/freiburg-breisgau-baden-wuerttemberg-mord-vergewaltigung-prozess-hussein-k-weihnachten-pause-unterbroche-402779


 08.01.2018-16:54
Im Freiburger Landgericht soll geklärt werden, in welchem Umfang der Angeklagte vor seiner Flucht nach Deutschland schon straffällig geworden war. Hierbei sollen die Behörden in Griechenland und Iran helfen.Im Strafverfahren gegen den Flüchtling Hussein K. vor dem Freiburger Landgericht rückt immer stärker dessen Leben vor der Einreise nach Deutschland in den Blick. Die Staatsanwaltschaft versucht mit Rechtshilfeersuchen an die Behörden in Griechenland und in Iran zu klären, ob und in welchem Umfang er vor seiner Flucht nach Deutschland schon straffällig geworden war.In Griechenland war Hussein K., der im Oktober 2016 in Freiburg die 19 Jahre Medizinstudentin Maria L. getötet haben soll, zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt zehn Jahren wegen versuchtem Mord und wegen Raubes verurteilt worden.Er hatte im Mai 2013 auf der Insel Korfu eine junge Frau zunächst beraubt und dann über einen Zaun gestoßen. Ende Januar will das Gericht voraussichtlich zwei griechische Ermittlungsbeamte vernehmen.Mit dem Rechtshilfeersuchen an den iranischen Staat versuchte das Gericht, sich mehr Klarheit über die wahre Identität des Angeklagten zu verschaffen: Das Geburtsdatum und der Geburtsort stehen weiterhin nicht fest. Außerdem gibt es Zeugenaussagen, nach denen K. im jugendlichen Alter schon in Iran ein Mädchen oder einen Jungen vergewaltigt haben könnte.Die Auswertung von Hussein Ks. Smartphone, die am Montag von einem Polizeibeamten in der Hauptverhandlung vorgestellt wurde, ergab, dass er sich länger als zunächst bekannt am Tatort aufgehalten haben muss.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/wie-kriminell-war-hussein-k-in-iran-und-griechenland-15380648.html


8.1.2018

Spezialisten gelangen an die Handydaten von Hussein K. Muss der Fall aufgrund aufgezeichneter Bewegungsmuster neu bewertet werden? Der Angeklagte gähnt demonstrativ vor Gericht – doch am Ende des Prozesstages ist er plötzlich hellwach.

Hussein K. wirkte zu Beginn dieses ersten Prozesstages im neuen Jahr schläfrig, fast sediert. Demonstrativ gähnt der Flüchtling aus Afghanistan, der wegen Mordes an Maria L. angeklagt ist, das Freiburger Gericht an. Über die Feiertage ist er pummelig geworden, das ist deutlich zu sehen.

Zeitgleich sitzt im Zuschauerraum des Freiburger Landgerichts ein Mann, der vor Anspannung mit den Füßen trippelt. Freiburgs Kripochef Peter Egetemaier ist am 17. Verhandlungstag im Prozess gegen Hussein K. erstmals ins Gericht gekommen. Der afghanische Flüchtling steht seit September im Breisgau vor Gericht – er ist angeklagt, die Studentin Maria L. vergewaltigt und ermordet zu haben. Egetemaier will sich heute die Aussage eines seiner Kriminalbeamten anhören. Er hält sie für einen Durchbruch im Verfahren.

„Die Version vom Handeln im Affekt ist mit dem heutigen Tag obsolet“, glaubt Egetemaier. „Das ist bei uns eingeschlagen wie eine Bombe.“ Er ist stolz auf die Polizeiarbeit seines Kollegen.

Der Kollege, den Egetemaier so preist, erklärt dem Gericht in nüchternem Ton und badischem Dialekt, wie kompliziert es war, das Handy von Hussein K. auszuwerten. „Er wollte uns den PIN-Code nicht geben, und ohne PIN-Code können Sie bei iPhones ab dem Modell 4 S nichts erreichen“, erklärt Armin Reese von der Soko „Cybercrime“. Also sei man an eine Firma aus München herangetreten, die dafür bekannt sei, Handys zu cracken, sprich: sich Zugang zu verschaffen. Allerdings, so sagt Reese, habe sich der Vorgang über Monate hingezogen. Erst kurz vor Prozessbeginn gelangten Ermittler an die wichtigen Geodaten des Geräts.

Minutiös referiert der Beamte, wie man diese Geodaten mit Videoaufnahmen aus der Tatnacht verglich und feststellte, dass es kaum zeitliche Abweichungen gab. Die Ermittler konnten so nachvollziehen, dass Hussein K. um 2.10 Uhr morgens die Straßenbahn verließ, dass sich sein Handy um 2.46 Uhr in eine Funkzelle nahe dem Tatort einwählte und dann sehr lange nichts mehr geschah. Erst um 4.02 Uhr suchte sich das Handy eine neue Funkzelle.

Was geschah in dieser Zeit? Die Ermittler kamen auf die Idee, sich gleichzeitig die „Health App“ von Hussein K. anzuschauen. Das ist jenes vorinstallierte Tool von Apple, das vergleichsweise genaue Daten darüber liefert, wie viele Schritte man in einer bestimmten Zeit zurücklegt und welche Höhendistanz überwunden wird. Seit dem iPhone 6 S gehörte diese App zum Standard.

Auch bei Hussein K. zeichnete „Health“ im Hintergrund sämtliche Bewegungen auf. Das Ergebnis der Untersuchung: In der Zeit zwischen etwa halb drei Uhr und kurz nach vier Uhr bewegte sich Hussein K. nur wenige Schritte. Die Health-App korrelierte also mit den Geodaten. Allerdings zeigte sein Handy im fraglichen Zeitraum zwei Mal „Treppensteigen“ an. Für die Ermittler war rasch klar, was das zu bedeuten hatte: Es waren jene beiden Momente, in denen Hussein K. zunächst sein Opfer die Uferböschung hinunterzerrte und anschließend wieder hinaufkletterte.

Um ganz sicherzugehen, schickte die Freiburger Polizei einen Ermittler mit ähnlicher Statur wie Hussein K. und iPhone zum Tatort. Seine Bewegungsdaten zeigten: Wer die Böschung zwischen Uferweg und Dreisam überwindet, absolviert ein Mal „Treppensteigen“. „Wir haben zum ersten Mal ,Health‘ und Geodaten korrelieren lassen“, so Peter Egetemaier.

Zumindest für Baden-Württemberg sei diese Art Ermittlung eine Premiere. Auch das Handy des Opfers bestätigt die Ermittlungen der Polizei. Laut Soko Cybercrime sendete das Nokia von Maria L. letztmals um 4.20 Uhr einen Standort. „Vermutlich wurde irgendwann die Handtasche des Opfers geflutet, das Handy ging aus“, so der Kriminalbeamte Reese.

Für das Gericht dürfte die Auswertung der Geodaten eine große Rolle spielen. Zeigen sie doch, dass Hussein K. sein Opfer Maria L. womöglich mehr als eine Stunde sexuell misshandelte und keineswegs im Affekt handelte. Lebte die Studentin sogar noch, als Hussein K. sie in die Dreisam zerrte? Die Ermittler wissen es nicht. Durch die Kälte des Flusses, die eine Art Konservierung des Körpers auslöste, konnte ein genauer Todeszeitpunkt nie bestimmt werden.

Als er zu Prozessbeginn seine Tat gestand, klang das bei Hussein K. noch ganz anders: Er habe zunächst nicht einmal gesehen, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelte, behauptete der Flüchtling im September. Den ganzen Tag über habe er Alkohol und Haschisch konsumiert, er sei nicht mehr Herr seiner Sinn gewesen.

Doch es geht bei Hussein K. nicht nur um den Tötungsvorsatz. Entscheidend ist vor allem sein Alter. Während er selbst behauptet, bei der Tat noch minderjährig gewesen zu sein, haben zwei Altersgutachten inzwischen fast sicher das Gegenteil bewiesen. Dem zufolge ist er mindestens 22 Jahre alt.

Für das Strafmaß hat das erhebliche Auswirkungen. Bei einer Verurteilung als Heranwachsender drohen K. maximal zehn Jahre Haft. Bei einer Verurteilung als Erwachsener jedoch mindestens 15 Jahre und anschließende Sicherungsverwahrung. Diese kann in Baden-Württemberg bis zu 30 Jahre betragen.

Afghanischer Zeuge berichtet von weiterer Vergewaltigung
Dass Hussein K. in Wahrheit längst volljährig ist, glaubt auch ein weiterer Zeuge, der heute vor Gericht auftrat. Der afghanische Flüchtling Mohammed Mohammadi gab an, Hussein K. noch aus dessen Zeit im Iran zu kennen. Seine Schwester sei dort mit der Schwester von Hussein K. befreundet gewesen. Deshalb wisse er, dass Hussein K. 22 oder 23 Jahre alt sei. „Ich habe damals sein Bild im Fernsehen gesehen und dachte mir: Ich kenne den Typen“, sagte Mohammadi.

Hussein K. habe im Iran im Übrigen nicht nur ein zwölfjähriges Mädchen vergewaltigt, sondern auch einen 15-jährigen Jungen. Allerdings sei diese Tat niemals angezeigt und geahndet worden. Das Gericht hält den Zeugen für glaubwürdig. Denn Mohammadi war in der Lage, auf dem Ausdruck einer Landkarte das Haus nahe Teheran zu identifizieren, in dem die Familie von Hussein K. zuletzt gewohnt haben soll. Und dieser Wohnort entspricht der Adresse, die Hussein K. auf einen Brief an seine Familie schrieb.

Am Ende dieses ersten Prozesstages im neuen Jahr wird auch Hussein K. plötzlich hellwach. Als Richterin Kathrin Schenk daran erinnert, dass beim nächsten Termin zwei Polizeibeamte aus Korfu in Freiburg aussagen werden, fordert Hussein K. einen Kontakt zu seiner ehemaligen Pflichtverteidigerin aus Griechenland. Es sieht nicht gut aus für ihn, er spürt das offenbar. Als Vorbereitung auf den kommenden Verhandlungstermin liest Schenk schließlich aus den griechischen Urteilen gegen Hussein K. vor.

„Das Opfer flehte um sein Leben. Er hob sie in die Luft und schleuderte sie über die Umzäunung in eine Tiefe von zehn Metern“, erinnert Richterin Schenk an die Tat auf der Insel Korfu. Hussein K. hatte damals eine junge Frau eine Klippe hinuntergeworfen. Nur zufällig überlebte die Frau.

Am 25. Januar wird es vor allem um diese Tat gehen. Dann wird der Prozess fortgesetzt.

https://www.welt.de/vermischtes/article172287105/Mordprozess-Hussein-K-Die-Version-vom-Handeln-im-Affekt-ist-mit-dem-heutigen-Tag-obsolet.html


Montag, 08.01.2018   20:20 Uhr

Frust und Desinteresse sind ihm förmlich anzusehen. Hussein K. hockt auf der Anklagebank in Saal IV des Landgerichts Freiburg und blickt ins Leere. Die Vorsitzende Richterin nimmt mehrere Anläufe, ihn aufzufordern, doch nach vorne an die Richterbank zu kommen. Dort studieren die Prozessbeteiligten Google-Maps-Ausdrucke, die den Wohnort seiner Familie zeigen sollen. Hussein K. will nicht, dann steht er doch auf.

Hussein K. ist angeklagt wegen Mordes an Maria L. Er hat zugegeben, die 19-jährige Medizinstudentin am Uferweg des Flusses Dreisam vom Fahrrad gezerrt, sie gewürgt, getötet, gebissen und vergewaltigt zu haben.

Es ist nicht die erste Straftat, die Hussein K. begangen hat. Doch zu anderen Vorstrafen schweigt er in der Hauptverhandlung. So betritt am Montag Mohammed M. aus Berlin den Gerichtssaal. Der 21-Jährige stammt aus Afghanistan, er kam vor zwei Jahren nach Deutschland, spricht sehr gut Deutsch, absolviert derzeit eine Ausbildung. Er sagt, er habe vor fünf, sechs Jahren seine Schwester in Iran besucht und sei dort Hussein K. begegnet, dessen Familie noch heute in dem Land lebe.

Mohammed M. hatte aus dem Fernsehen von dem Verbrechen erfahren, sich an das Zusammentreffen mit Hussein K. erinnert und die Polizei kontaktiert. Seine Schwester sei mit einer Schwester K.s befreundet, sagt Mohammed M. aus. Von ihr wisse er, dass Hussein K., der als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland kam und behauptet, 19 Jahre alt zu sein, bereits 22 oder 23 Jahre alt sei. Oberstaatsanwalt Eckart Berger hält Hussein K. ebenfalls für mindestens 22 Jahre alt; Gutachten und Zeugenaussagen stützen diese Vermutung. Die Altersfeststellung ist relevant für das Strafmaß.

Und noch etwas habe ihm seine Schwester erzählt, sagt Mohammed M. vor Gericht: Hussein K. habe mit zwei, drei anderen in Iran einen 15 Jahre alten Jungen vergewaltigt. Hussein K. sei damals zu einer Geldstrafe verurteilt worden. „Für iranische Verhältnisse eine eher milde Strafe“, bemerkt die Vorsitzende zweifelnd.

Hussein K. starrt auf den Boden. Der Vorwurf wiegt schwer. Auch zu dem Verdacht, er habe in Iran eine Zwölfjährige vergewaltigt, will er keine Angaben machen. Diese Tat wurde strafrechtlich nicht verfolgt, die Eltern K.s sollen sich mit denen des mutmaßlichen Opfers geeinigt haben.

Fest steht: Hussein K. saß bis Oktober 2015 im griechischen Volos in Haft – wegen versuchten Mordes und Raubes. Im November 2015 kam er ohne Papiere nach Deutschland. Die Vorsitzende Richterin in Freiburg verliest an diesem Tag in Saal IV das Urteil des Gerichtes in Korfu.

Demnach überfiel Hussein K. am 26. Mai 2013 um 2.30 Uhr auf einer Küstenstraße eine Studentin, die auf dem Weg in ihr Hotel war. Als die junge Frau flüchten wollte, hielt Hussein K. sie fest, entriss ihr ihre Handtasche, die Frau wehrte sich, er stieß sie zu Boden. Weil sie schrie und sich ein Fahrzeug näherte, „hob er sie mit aller Kraft in die Luft und warf sie über eine Umzäunung in zehn Meter Tiefe“. Die Studentin stürzte in den Abgrund, schlug auf felsigem Boden auf, erlitt schwere Verletzungen, war in Lebensgefahr. Hussein K. kam noch am selben Tag in Untersuchungshaft.

Die dreiköpfige Jugendkammer in Griechenland, so verliest es die Freiburger Richterin, verurteilte Hussein K. im Mai 2014 zu neun Jahren und drei Monaten Haft. Wegen guter Führung wurde er vorzeitig entlassen, sein Asylantrag für Griechenland wurde jedoch aufgrund der verurteilten Straftat abgelehnt. Hussein K. ignorierte die Auflagen des Gerichts, tauchte unter und bat in einer Freiburger Dienststelle um Asyl.

Es kam zu einer Berufungsverhandlung in Griechenland, zu der Hussein K. nicht erschien. Zu dem Zeitpunkt saß er längst wegen des Verdachts des Mordes an Maria L. in Untersuchungshaft. „Herr K., ich weiß, Sie wollen nichts zu den Verfahren in Griechenland sagen. Bleibt es dabei?“, hakt die Vorsitzende nach. Hussein K. nickt.

Erst im vergangenen Herbst, als die Hauptverhandlung gegen Hussein K. bereits lief, konnten Spezialisten das Handy des Angeklagten auswerten. Der Leiter für „digitale Spuren“ innerhalb der Sonderkommission „Dreisam“ erklärt am Montag, wie die auf dem Mobiltelefon gespeicherten Bewegungs- und Standortdaten analysiert wurden.

Demnach verließ Hussein K. um 2.10 Uhr die Straßenbahn. Spätestens um 2.33 Uhr muss er nach Auswertung des Bewegungsmusters im Bereich des Tatortes angekommen sein. Dort habe er sich etwa eine Stunde und 45 Minuten aufgehalten, so der Kriminalbeamte. Erst am frühen Morgen habe sich Hussein K. entfernt. Damit wäre K. länger im Gebiet des Tatortes gewesen als bislang vermutet.

Für die Auswertung des Handys hätten sie zum ersten Mal in Baden-Württemberg Spezialisten einer Hacker-Firma um Unterstützung gebeten, sagt der Polizist. Das habe auch an dem extrem neuen Hightech-Handy des Angeklagten gelegen, das automatisch Daten zu Standorten und Bewegungen speichere, die die Polizei nicht entschlüsseln könne.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/freiburg-die-kriminelle-karriere-des-hussein-k-a-1186790.html


25.01.2018, 16:16
Im Freiburger Mordprozess gegen den Flüchtling Hussein K. haben Ermittler aus Griechenland dem Angeklagten eine hohe Gewaltbereitschaft attestiert. Bei einem Angriff auf eine junge Frau auf der Insel Korfu Ende Mai 2013 sei Hussein K. äußert brutal vorgegangen, sagten griechische Polizisten am Donnerstag vor dem Landgericht Freiburg. Er habe die Frau kopfüber über ein Geländer zehn Meter tief einen Abhang hinunter ins Meer geworfen. Echte Reue habe er nach seiner Festnahme nicht gezeigt. In Griechenland verurteilt wurde Hussein K. wegen versuchten Mordes. Die Beamten hatten nach der Tat in ihrem Heimatland gegen ihn ermittelt. In dem Freiburger Prozess werden Hussein K. Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Er hat zugegeben, im Oktober 2016 nachts in Freiburg eine 19 Jahre alte Studentin vergewaltigt und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt zu haben. Die Frau ertrank im Wasser des Flusses Dreisam. Ein Urteil soll es frühestens Mitte März geben.

https://www.focus.de/regional/freiburg/prozesse-freiburger-mordprozess-griechische-ermittler-sagen-aus_id_8357249.html


11. Februar 2018

Der 19. Verhandlungstag im Prozess gegen Hussein K., der im Oktober 2016 die Studentin Maria L. an der Dreisam vergewaltigt und getötet haben soll, war in dieser Woche geprägt von detaillierten Berichten zweier Biologen vom Landeskriminalamt Stuttgart. Sie befassten sich mit einem Pflanzen- und Textilgutachten im Zusammenhang mit Spuren vom Tatort. Zudem reichte die Nebenanklage einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit für den folgenden Verhandlungstag ein.

Kurz vor Ende des rund vierstündigen Verhandlungstages im Saal IV des Freiburger Landgerichtes, wo seit September vergangenen Jahres dieser Prozess geführt wird, verlas Bernhard Kramer jenen Antrag. Am nächsten Verhandlungstag, dem 20. Februar, wird die Obduktion der getöteten Maria L. Thema sein, ein Rechtsmediziner soll dann detailliert Auskunft geben über den Zustand des Mordopfers nach der Tat. Der Rechtsanwalt aus Villingen-Schwenningen, der die Familie des Opfers als Nebenkläger vertritt, trug vor, warum dies dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschehen solle, wenn etwa intime Körperbereiche zur Sprache kommen. „Die Intimsphäre endet auch nach dem Tod nicht“, sagte Kramer und führte aus, welch psychische Belastung dieser medial geführte Prozess bereits auf die Familie des Opfers hätte und welch enorme zusätzliche Belastung hinzukäme, würden die Obduktionsergebnisse öffentlich verhandelt.

Die Stimme des stets ruhig und besonnen auftretenden Anwalts wurde beim Verlesen dieser Passage merklich brüchig. Nach den Statements von Oberstaatsanwalt Eckart Berger („Ich trete dem Antrag bei“) wie auch Pflichtverteidiger Sebastian Glathe („Die Ausführungen sind nachvollziehbar, ich trete dem Antrag nicht entgegen“) wird es wohl auch so kommen. Die Kammer muss noch darüber entscheiden.

Zuvor war es in der Verhandlung lange um die Gutachten der beiden Biologen des Landeskriminalamts gegangen. Carsten Rüther und Bettina Günzel referierten dabei etwa, wie sie Spuren von Pflanzen oder Stofffasern mit Kleidungsstücken des Opfers und des Täters abglichen.

Vor allem dorniges Brombeergebüsch, Mädesüß und Brennnessel wachsen demnach an der Uferböschung der Dreisam in Höhe des Schwarzwaldstadions. Rückstände davon wurden an den Kleidungsstücken von Maria L. gefunden. Der Biologe trug etwa vor, dass sich an einer Stiefelette zwölf und an der anderen vier Stacheln aus dem Brombeergebüsch wiederfanden. Als seine Kollegin am Richtertisch mit Hilfe von Fotos aufzeigte, welche Schäden und Rückstände an der Kleidung von Maria L. nachgewiesen wurden, kam es zu einem seltenen Moment der Regung von Hussein K., der zu Prozessbeginn bereits ein Geständnis abgelegt hat und wie immer mit müdem Gesicht und meist nach unten gerichtetem Blick dasaß. „Ich bin sehr müde, ich bin heute zum 20. Mal hier“, übersetzte der Dolmetscher.

Wie sehr das Gericht in diesem Prozess in Details einstieg, war auch bei der Befragung des Polizeibeamten zu beobachten, der über die Vernehmungen des afghanischen Zellennachbarn Darius S. von Hussein K. nach dessen Festnahme und das Verhalten des Dolmetschers dabei sprach. Der Zellennachbar, der den für das Gericht aktuell nicht auffindbaren Dolmetscher erst kritisiert hatte, hatte unter anderem angegeben, Hussein K. hätte ihm erzählt, dass er am Tatabend eine hübsche asiatische Frau getroffen hatte, die er auch vergewaltigen und töten wollte. Diese Frau, ausfindig gemacht von der Polizei mit Hilfe von Aufnahmen aus der Straßenbahn und Daten einer Taxizentrale, saß am Donnerstag ebenfalls im Zeugenstand. Sie hatte nur noch wenige Erinnerungen an den Abend, an dem sie in der Nähe der Straßenbahnhaltestelle Lassbergstraße in ein Taxi stieg. Zuvor war sie von einem Fremden angesprochen worden, den sie mit deutlichen Worten abwimmelte. Es handelte sich dabei wohl um Hussein K., der wenig später gegen 3 Uhr nachts ein paar hundert Meter entfernt Maria L. ermordete.

Möglicherweise hielt Hussein K. sich nach der Tat noch länger an diesem Ort auf, wie eine von der Richterin verlesene Zeugenaussage einer Frau, die gegen 5.30 Uhr mit ihrem Hund Gassi ging, vermuten ließ. Das würde Hussein K.’s Geständnis von einer Tat im Affekt widersprechen. „Da stand plötzlich eine Gestalt vor mir“ mit dunklen Haaren, sagte die Frau aus. Ihr Hund habe die Zähne gefletscht, nach einem „Verpiss dich“, habe sich der Mann davongemacht.

http://www.badische-zeitung.de/freiburg/viele-details-und-ein-antrag–149242697.html


20.02.2018

Im Prozess um den Sexualmord an einer 19 Jahre alten Studentin in Freiburg hat der vom Gericht beauftragte Rechtsmediziner dem Angeklagten ein gezieltes und brutales Vorgehen attestiert. Die junge Frau sei am Uferweg des Flusses Dreisam angegriffen, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und dann vergewaltigt worden, sagte der Sachverständige Stefan Pollak am Dienstag vor dem Freiburger Landgericht.

 Sie sei bewusstlos in das Wasser des Flusses gelegt worden, wo sie ertrank. Es sei durch Atembewegungen auch für Laien gut erkennbar gewesen, dass die bewusstlose Frau noch lebte. Sie hätte überlebt, wenn ihr Kopf aus dem Wasser gezogen worden wäre.

Angeklagt in dem Prozess ist der Flüchtling Hussein K., ihm werden Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Er hat zugegeben, im Oktober 2016 nachts in Freiburg die Studentin bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und vergewaltigt zu haben. Es habe sich jedoch um eine Tat im Affekt gehandelt. Zudem habe er nach seinem Angriff geglaubt, die Frau sei bereits tot.

Dem widersprach am Dienstag der Rechtsmediziner. Das Würgen habe zwar nach einer oder wenigen Minuten zur Bewusstlosigkeit geführt, tödlich sei es aber nicht gewesen. Die Frau habe weiter geatmet, sie sei während der Vergewaltigungen bewusstlos gewesen. Sie habe keine Chance gehabt, sich zu wehren. Der Tod durch Ertrinken habe vermutlich mehr als eine Stunde gedauert, sagte die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk. Eine Handy-Auswertung der Polizei ergab, dass Hussein K. die ganze Zeit am Tatort war.

Ein Polizeibeamter sagte als Zeuge aus, die Handy-Auswertung des Angeklagten zeige, dass der Mann vermutlich aus dem Iran stamme und mindestens 22 Jahre alt sei. Eingereist nach Deutschland war er im November 2015 als Flüchtling ohne Papiere.

Der Vertreter der Nebenklage, der die Familie der Getöteten vertritt, sowie der Staatsanwalt hatten in der vergangenen Woche beantragt, dass der Rechtsmediziner von der Obduktion der Leiche unter Ausschluss der Öffentlichkeit berichtet, um die Familie des Opfers zu schützen. Diesen Antrag lehnte das Gericht ab. Das Interesse der Öffentlichkeit sei höher zu bewerten, sagte die Richterin.

Ein Urteil wird es Gerichtsangaben zufolge frühestens Mitte März geben. Dem bisherigen Plan zufolge könnte es am 9. März die Plädoyers geben, in den zehn Tagen danach dann das Urteil. Begonnen hatte der Prozess Anfang September vergangenen Jahres.

Es geht in dem Prozess auch um die Frage, wie alt der vor der Jugendkammer stehende Mann ist. Das hat Auswirkungen auf die Höhe der Strafe. Er selbst hatte angegeben, aus Afghanistan zu kommen und 16 oder 17 Jahre alt zu sein. Zum Prozessauftakt gab er zu, gelogen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hält Hussein K. für mindestens 22 Jahre alt. Entsprechende Gutachten und Zeugenaussagen stützen das.

https://www.welt.de/vermischtes/article173770544/Mordprozess-in-Freiburg-Rechtsmediziner-schildert-brutale-Tat-und-widerspricht-Hussein-K.html