22. Januar 2017 – 12:16 Uhr

Im Sommer 2016 soll ein Mann in Reutlingen seine Freundin mit einem Dönermesser getötet und weitere Personen verletzt haben. Jetzt beginnt der Prozess in Tübingen.

Eine Reihe von Gewalttaten wie der Amoklauf von München erschütterte im vergangenen Sommer Deutschland. Für Entsetzen sorgte im Juli auch ein Mord in Reutlingen: Ein Mann soll dort mit einem Dönermesser seine Freundin getötet und in der Innenstadt weitere Menschen verletzt haben. Ab Dienstag steht er in Tübingen vor Gericht. Einen extremistischen Hintergrund sehen die Ermittler bei dem syrischen Asylbewerber nicht.

Der 22-jährige ist vor dem Landgericht Tübingen wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Laut Staatsanwaltschaft arbeitete der im Juni 2015 nach Deutschland eingereiste Mann in Reutlingen in einem türkischen Restaurant, wo er seine spätere Freundin, eine 45-jährige Frau aus Polen, kennenlernte. Ihm wird vorgeworfen, sie am 24. Juli in einem Hinterhof in der Reutlinger Innenstadt mit einem 60 Zentimeter langen Dönermesser angegriffen zu haben. Das Messer soll er vorher aus der Restaurantküche mitgenommen haben.

Die Frau erlag noch vor Ort ihren schweren Verletzungen an Kopf und Hals. Der Syrer soll direkt nach der Tat vor dem türkischen Restaurant zwei Gäste angegriffen und dabei einen Mann schwer verletzt haben. Der andere Gast konnte sich mit einem Stuhl schützen. Mohamad H. lief danach mit dem gezückten Dönermesser weiter durch die Reutlinger Innenstadt, schlug schließlich am Busbahnhof die Scheiben eines Autos ein und attackierte die darin sitzende Fahrerin und ihren Beifahrer. Die Frau erlitt Schnittverletzungen am Arm, konnte aber vor weiteren Angriffen ihren Wagen starten und wegfahren.

Der Angeklagte soll schließlich in der Innenstadt noch weitere Menschen bedroht haben, bevor er beim Überqueren einer Straße von einem Auto erfasst wurde. Er wurde leicht verletzt und konnte nach diesem Unfall von Polizeibeamten festgenommen werden. Die genauen Motive des 22-Jährigen sind laut Staatsanwaltschaft unklar. Die Behörde erklärte aber bei Erhebung der Anklage im Dezember: „Anhaltspunkte für einen politischen oder religiösen Tathintergrund bestehen nicht.“ Kurz nach der Tat im Sommer hatten die Ermittler auch von Hinweisen auf psychische Auffälligkeiten gesprochen.

Die Tat hatte im Sommer vergangenen Jahres bundesweit für Entsetzen gesorgt, auch weil sich damals innerhalb weniger Tage mehrere Gewalttaten ereigneten. So erschoss am 22. Juli ein 18-jähriger Schüler bei einem Amoklauf in München neun Menschen und anschließend sich selbst. Nur zwei Tage später kam es zu der Bluttat in Reutlingen.

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.tuebingen-prozess-um-doenermessermord-von-reutlingen-beginnt.a65d35b0-9fcc-4740-ae14-654599f000e1.html


14. Februar 2017 – 11:04 Uhr

Im Mordprozess um eine tödliche Attacke mit einem Dönermesser in Reutlingen spricht der Angeklagte von einer Stimme in seinem Kopf, die ihm die Tat befohlen habe. Das Alter des Angeklagten ist weiterhin unklar.

Tübingen – Die Stimme seines toten Großvaters soll böse Befehle gegeben haben: Der Mordprozess am Tübinger Landgericht nach einer Dönermesser-Attacke in Reutlingen hat sich am Dienstag um die Psyche des Angeklagten gedreht. „Töte dich, töte die anderen, bring dich um“, habe die Stimme gesagt, berichtete der Angeklagte. Er habe schon vor der aufsehenerregenden Tat vom Juli versucht, sich selbst und seinen Nachbarn zu töten.

Dem Angeklagten werden Mord und zweifacher versuchter Mord vorgeworfen. Der Angestellte eines Imbisslokals soll am 24. Juli vergangenen Jahres seine 45 Jahre alte Freundin und Kollegin mit einem Dönermesser getötet haben. Bei einem Amoklauf durch die Innenstadt habe er weitere Menschen töten wollen und verletzt, hieß es in der Anklage.

Die zuvor verfolgte Idee, seinen Nachbarn im Asylheim zu töten, war offenbar schon weit fortgeschritten: Der Angeklagte stand zweimal mit dem Messer vor dessen Tür, traf ihn aber nicht an, wie er berichtete. Er habe auch versucht, sich die Pulsadern aufzuschneiden.

Der Angeklagte schilderte, er habe gehofft, mit der Erfüllung der Befehle die Stimme zum Schweigen zu bringen. Mit Alkohol und Drogen habe er sie schließlich von Zeit zu Zeit ausblenden können. Sie sei aber immer wieder gekommen. Erstmals sei die Stimme nach der Flucht aus Syrien und seiner Ankunft in Deutschland aufgetaucht. Er habe niemandem davon erzählt – aus Angst, für verrückt gehalten zu werden.

Die Frage, ob der anerkannte Asylbewerber bei seiner Tat bereits 21 Jahre alt war, ist weiterhin offen. Die erneute Befragung der Mutter des Angeklagten deute aber eher darauf hin, dass von einem Alter über 21 Jahren auszugehen ist, sagte der Vorsitzende Richter vor der Verhandlung. Ein Urteil wird Anfang April erwartet.

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.prozess-nach-doenermesser-attacke-in-reutlingen-angeklagter-spricht-von-stimme-im-kopf.8f0e9aec-9530-42d4-9f19-88e07ae17e76.html


28.04.2017 – 11:12 Uhr

Urteil im Dönermesser-Prozess ist rechtskräftig

Tübingen (dpa) – Das Urteil im Dönermesser-Prozess ist rechtskräftig. Der 22 Jahre alte Verurteilte habe die eingelegte Revision zurückgenommen, teilte das Landgericht Tübingen heute mit.
Das Gericht hatte den jungen Mann Anfang April wegen Mordes und versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt – was eine vorzeitige Haftentlassung erschwert.
Die Richter sahen es als erwiesen an, dass er am 24. Juli 2016 in Reutlingen seine Freundin mit einem Messer aus einem Dönerimbiss tötete und zwei weitere Menschen verletzte. Das Verfahren ist demnach nun abgeschlossen (Az.: 5 Ks 26 Js 15235/16).

http://www.bild.de/news/aktuelles/news-aktuell/urteil-im-doenermesserprozess-ist-rechtskraeftig-51502770.bild.html