Seit Montag läuft der Prozess gegen einen 24-jährigen Asylbewerber aus dem Irak, dem versuchter Totschlag an einem 17-jährigen Syrer vorgeworfen wird. Der Iraker hatte seinen Kontrahenten bei einem Streit vor dem Leipziger Hauptbahnhof mit einem Teppich-Messer das Gesicht zerschnitten. Dem Täter nach sei das Opfer jedoch schon 23 und kein Syrer, sondern Palästinenser. Beide werfen sich gegenseitig vor, mit dem IS zu sympathisieren. Das Urteil wird am 21. Dezember erwartet.

Seit Montag muss sich der Iraker Mustava R. (24) vor dem Leipziger Landgericht für eine Messerstecherei vor dem Leipziger Hauptbahnhof verantworten. Ihm wird versuchter Totschlag zur Last gelegt. Der 24-Jährige hatte den 17-jährigen Syrer Amjad K. am 7. Juli 2016 gegen 20.50 Uhr an der Zentralhaltestelle in Streit geraten.

„Er behauptete, ich gehöre zu ISIS und er werde mich deshalb schlachten“, erklärte der jugendliche Syrer den Sachverhalt aus seiner Sicht. Ob das so stimmt, ist noch unklar. Fakt ist: Mustava R. griff den Syrer an und zerschnitt ihm mit dem Teppich-Messer das Gesicht. Dazu legte der angeklagte Iraker am Mittwochmorgen ein Geständnis ab:

Ich war im Recht, weil ich mich verteidigen musste, aber ich war im Unrecht, weil ich ein Cuttermesser dazu benutzt habe.“

(Angeklagter Mustava R., Irak)

Eskalierender Streit unter Arabern

Am zweiten Prozesstag wurde ein Video einer Überwachungskamera gezeigt, welche den Vorfall aufzeichnete. Demnach sprach der Angeklagte mit einer Gruppe Ausländern um Amjad K. an der Haltestelle.

„Unter ihnen war mein Freund Achmed, ein Syrer, der mit mir im Asylbewerberheim wohnt“, erklärt Mustava R. Man habe sich begrüßt und dabei Sachen gesagt wie: „Ich bringe dich um“ und „ich schlachte dich ab“. Unter Arabern seien solche „Späße“ üblich, beteuerte Mustava R., selbst Mütter redeten bisweilen so mit ihren Söhnen, „das ist normal bei uns“, erklärt der Iraker die uns fremde Kultur vor Gericht.

Doch der 17-Jährige empfand das nicht so. Er soll den 24-jährigen Iraker dann beschimpft und erniedrigt haben. Dieser entgegnete ihm, er solle sich raushalten, worauf ihn aus der Gruppe zwei Personen begannen wegzuschieben. Er habe dann eigentlich gehen wollen, so der Iraker.

Doch Amjad K., der Syrer, war schon zu aufgebracht. Er springt den Iraker an, schlägt ihn mit der Faust, wie auf dem Video zu sehen ist. Mustava R. geht zu Boden, steht wieder auf, voller Wut. In dem Moment sei er „außer Kontrolle geraten“, so der Angeklagte laut „Leipziger Volkszeitung“.

Mustava R., selbst mit acht Bier und einem Joint vorbelastet, „wollte ihm eine Lektion erteilen“. Doch umbringen habe er ihn nicht gewollt: „Als ich gesehen habe, wie schwer er verletzt war, habe ich sofort aufgehört“, schildert der Iraker, der nach eigenen Angaben noch nie zuvor jemanden so schwer verletzt habe.

Das Messer und ein Pfefferspray habe er sich angeschafft, nachdem er und seine Mutter im Asylheim von vier Männern angegriffen wurden.

Wer ist ein IS-Sympathisant?

Mit dem IS habe er nichts zu tun, versichert der Iraker entgegen den Erklärungen des 17-jährigen Syrers vor Gericht. Dieser hatte behauptet, dass Mustava R. ihn mit dem Ruf „Allahu Akbar“ angegriffen und gesagt habe, dass er zum IS gehöre und hier sei, „um uns abzuschlachten“. Der seit einem Jahr in Deutschland lebende Iraker relativiert: „Jeder, der hierher kommt, sieht sich diese IS-Videos im Internet an.“ Dies sei nichts Besonderes, so die „LVZ“.

Über den Syrer sagte er, dass dieser ihn am Telefon bedroht habe, dass er und sein Bruder Dschihad ihn finden würden und er sich nur als 17-Jähriger ausgegeben habe und eigentlich schon 23 sei. Auch käme er nicht aus Syrien, sondern sei Palästinenser.

Schmerzensgeld für Amjad K.

Die Anwältin des Syrers oder doch Palästinensers – man weiß es noch nicht – fordert ein „angemessenes Schmerzensgeld“ für ihren Mandanten. Eine Einigung darüber schloss der Anwalt der Verteidigung nicht aus.

Die Schwurgerichtskammer des Leipziger Landgerichts wird bis zum 21. Dezember für den Prozess noch vier Verhandlungstage einberufen. Dann soll das Urteil gesprochen werden.

http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/leipzig-mit-teppichmesser-gesicht-zerschnitten-iraker-24-wegen-angriff-auf-syrer-17-vor-gericht-a1995156.html

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