26.06.16 | 14:41 Uhr

Aus bisher ungeklärter Ursache hat ein 37-Jähriger sechs Menschen in einem Flüchtlingsheim in Genshagen (Teltow-Fläming) mit einem Messer angegriffen. Drei Schwerverletzte werden einen Tag später noch immer im Krankenhaus behandelt.

Nach einem Messerangriff am Samstagabend in Genshagen bei Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) liegen drei Schwerverletzte weiterhin im Krankenhaus. Ein 37 Jahre alter Asylbewerber war in seinem Wohnheim aus noch ungeklärten Gründen auf eine Gruppe von Menschen losgegangen.

Nach rbb-Informationen gibt es neben den drei Schwerverletzten noch drei Leichtverletzte, zudem soll eine schwangere Frau einen Schock erlitten haben. Der Tatverdächtige flüchtete nach seinem Angriff, so Polizei und Staatsanwaltschaft, konnte aber Dank eines Großaufgebotes von Einsatzkräften nach kurzer Zeit gefasst werden.

Der  Asylbewerber soll noch am Sonntag einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass der Mann seine Opfer töten wollte. Zu den Hintergründen der Tat gibt es noch keine Angaben.

https://www.rbb-online.de/politik/thema/fluechtlinge/brandenburg/2016/06/messerangriff-fluechtlingsheim-genshagen.html


16.03.17 | 16:28 Uhr

Fünf Verletzte, davon zwei mit lebensgefährlichen Schnittwunden – das war die Bilanz eines Wutanfalls vom Juni 2016 in einem Flüchtlingsheim in Genshagen. Dem Asylbewerber wird nun der Prozess gemacht.
„Filmen Sie den Angeklagten bitte nicht, falls er ausrasten sollte“, hat ein Justizwachtbeamter im Landgericht Potsdam zwei verdutzten Kameraleuten bereits im Flur mitgeteilt. Der 38-Jährige gelte als wütend, berichtet er anschließend.

Im Prozess ist davon am Donnerstag nichts zu merken. Der Angeklagte bleibt ruhig. Zur Person und zur Sache sagt er – zunächst – nichts; seine Verteidigerin kündigt an, das könne sich noch ändern.

Im Juni vergangenen Jahres soll der 38 Jahre alte Angeklagte aus Tschetschenien mit einem Messer in der Hand nacheinander fünf Menschen verletzt haben. Es hätten noch mehr sein können. Etliche Mitbewohner seien weggerannt.

Laut Anklage begann es mit einer Attacke auf die eigene Ehefrau; der Angeklagte schnitt ihr dreimal in die Wange. Angeblich hatte er sich geärgert, weil ein anderer Mann die kleine Tochter auf dem Arm getragen habe. „Sein Rollenverhältnis von Mann und Frau hat dann dazu geführt, dass er seine Ehefrau geschnitten hat“, erklärte Gerichtssprecher Sascha Beck.

Wie es weiter heißt, rannte er – außer sich vor Wut – mit dem Messer durch das Wohnheim. Einem Mitbewohner habe er in die linke Brust gestochen; ein weiterer Mann sei durch einen zwölf Zentimeter tiefen Stich in den Rücken verletzt worden.

Für diese beiden Taten ist der Asylbewerber wegen versuchten Totschlags angeklagt, denn er soll in Kauf genommen haben, dass die Opfer hätten sterben können. „Man kann in die Leute nicht hineinschauen, man schließt von Indizien auf einen möglichen Tötungsvorsatz“, erläuterte Sascha Beck. „Ein Stich in die Brust und ein Stich in den Rücken ist lebensgefährlich.“ Zwei weitere Männer seien durch Stiche in die Arme verletzt worden. Zudem sei der Angeklagte wohl auch kampfsporterfahren. Es sei davon auszugehen, dass er wusste, wie gefährlich seine Angriffe waren, so der Sprecher weiter.

Nach seinem Wutanfall im Heim soll der Angeklagte noch einen Mitbewohner auf der Straße verfolgt haben. Dem geschah nichts, denn er flüchtete auf dem Fahrrad. Bei dieser Verfolgungsjagd und bei dem Messerstich in die linke Brust des Mitbewohners spielen offenbar religiöse Motive eine Rolle.

„Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte, der aus Tschetschenien kommt und in einem anderen Kulturkreis aufgewachsen ist, hier mit den Moralvorstellungen Probleme“, so Sascha Beck. Die anderen Muslime im Flüchtlingsheim hätten den Glauben nicht so praktiziert, wie der Angeklagte es für richtig hielt; er warf ihnen beispielsweise vor, sie hätten ihn verleitet, mit Frauen zu tanzen. Das soll der 38-Jährige bei der Polizei ausgesagt haben.

Sollte der Angeklagte wirklich wegen versuchten Totschlages verurteilt werden, droht ihm eine lange Haft, denn ein versuchter Totschlag kann wie ein vollendeter Totschlag verurteilt werden – also mit bis zu 15 Jahren Haft. Unter anderem kommt es für das Strafmaß auf die Schwere der Verletzungen an.

Wie es danach mit dem Angeklagten weitergeht, ist noch unklar. Er ist im Oktober des Jahres 2015 eingereist. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Dagegen klagt er vor dem Verwaltungsgericht, das aber noch nicht entschieden hat. Da der Tschetschene über Polen eingereist ist, könnte er dahin zurückgeschoben werden.

Anfang März hatte die Brandenburger Polizei ihre Kriminalstatistik für das vergangene Jahr vorgestellt. Dabei hatte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke von zahlreichen Gewalttaten in Flüchtlingsheimen gesprochen. Der Statistik zufolge gab es im vergangenen Jahr in Brandenburg 642 Gewalttaten mehr als im Vorjahr, was einem Anstieg um 15,6 Prozent entspricht. Nicht alle, aber viele dieser Taten waren einfache und gefährliche Körperverletzungen in Flüchtlingsheimen, erklärte Mörke vor Journalisten.

Das Potsdamer Landgericht wird sich bereits Ende März mit einem weiteren gravierenden Fall befassen müssen – ab dem 29. März geht es dann sogar um vollendeten Totschlag. Ein zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alter Gambier ist angeklagt, einen jungen Afghanen erstochen zu haben. Weil der Angeklagte minderjährig ist, wird eine Berichterstattung von diesem Prozess nicht möglich sein. Das schreibt das Jugendgerichtsgesetz vor. Es will verhindern, dass ein junger Angeklagter durch Berichterstattung stigmatisiert und damit erst recht auf die schiefe Bahn gebracht wird.

https://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2017/03/prozess-messerstecherei-fluechtlingsheim-ludwigsfelde-genshagen-potsdam-landgericht.html


25.04.17 | 16:51 Uhr

Er verletzte mehrere Mitbewohner in seiner Unterkunft mit einem Messer – einen davon lebensgefährlich: Ein tschetschenischer Asylbewerber ist jetzt in Potsdam zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.
Das Potsdamer Landgericht hat einen tschetschenischen Asylbewerber wegen gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das teilte ein Gerichtssprecher am Dienstag auf Anfrage des rbb mit. Es ging um gefährliche Körperverletzung in sechs Fällen.

An einem Abend im Juni des vergangenen Jahres trat er einen Mann an einer Bushaltestelle nieder. Wenig später verletzte er fünf Menschen in seinem Wohnheim in Ludwigsfelder Ortsteil Genshagen (Teltow-Fläming) mit dem Messer. Der Strafkammer zufolge wollte der Angeklagte dabei zwei seiner Opfer töten, überlegte es sich aber während der Tat anders. Daher wurde er – entgegen der Anklage – nicht wegen versuchten Totschlags verurteilt.

Laut Anklage attackierte der Mann zunächst die eigene Ehefrau; er schnitt ihr dreimal in die Wange. Angeblich hatte er sich geärgert, weil ein anderer Mann die kleine Tochter auf dem Arm getragen habe, wie Gerichtssprecher Sascha Beck beim Prozessauftakt erklärte. Daraufhin rannte er dannach – außer sich vor Wut – mit dem Messer durch das Wohnheim. Einem Mitbewohner stach er in den Rücken, einem anderen in die linke Brust. Dieser Mann wurde lebensgefährlich verletzt. Zwei weitere Männer seien durch Stiche in die Arme verletzt worden, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft war sicher, dass der Mann einige der Taten beging, weil er auch verärgert war, dass andere den islamischen Glauben nicht so streng praktizierten wie er. Der Angeklagte sagte lediglich aus, er könne sich nicht erinnern.

Einem Gutachten zufolge war er zum Tatzeitpunkt vermindert schuldfähig. Die Richter stuften den Mann wegen seiner Herkunft und Sozialisation als erhöht strafempfindlich ein. Dies wirkte sich strafmildernd aus.

Der Angeklagte ist ein abgelehnter Asylbewerber, er klagt gegen die Ablehnung vor dem Verwaltungsgericht Potsdam. Der Tschetschene hält sich mit Frau und Kind seit knapp anderthalb Jahren in Deutschland auf.

https://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2017/04/urteil-messerstecherei-fluechtlingsunterkunft-ludwigsfelde-genshagen-potsdam.html

Advertisements