Lendringsen. Sturzbetrunken umklammerte er ein Mädchen und fasste ihr an die Brüste. Ein 26-Jähriger Asylbewerber stand in Menden vor Gericht. Mehr zum Fall:

Ist eine 15-jährige Lendringserin im Park vor der evangelischen Kirche nur ganz knapp einer Vergewaltigung entgangen? Darauf gab es auch vor dem Schöffengericht keine klare Antwort. Der 26-jährige Angeklagte räumte aber eine sexuelle Nötigung ein. Er gab zu, das Mädchen volltrunken angegrapscht zu haben.

Die Schülerin hatte am 17. Juni auf einer Bank in dem Park aus ihren Freund gewartet. Gegen 19.20 Uhr war der 26-Jährige mit einer Gruppe aus Freunden vorbeigekommen. Die anderen gingen weiter. „Er hat sich direkt zu mir gesetzt und mir an die Brust gefasst“, sagt das Mädchen. „Er hat mich auch abgeküsst. Ich habe ihm gesagt, dass ich das nicht will.“ Erst nach einiger Zeit war es dem Mädchen gelungen, sich aus der Umklammerung zu lösen. Der Mann habe sie erneut gepackt sei dann aber von der Bank auf den Boden gekippt. „Man hat gemerkt, dass er voll besoffen war.“ Das Mädchen konnte wegrennen und lief ihrem Freund in die Arme.

Der Angeklagte bestreitet die Tat nicht. Er beteuert aber, dass er einen Filmriss hat: „Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich mich an nichts erinnern kann.“ Es sei das erste oder zweite Mal für ihn gewesen, dass er in Deutschland Alkohol getrunken habe, sagt der alleinstehende afghanische Flüchtling. Ein Arzt hatte nach der Tat knapp 1,5 Promille Blutalkoholgehalt festgestellt. Zurückgerechnet müssen es während der Tat sogar etwa 2 Promille gewesen sein. Drogen wurden nicht gefunden.

Das mittlerweile 16-jährige Mädchen zeigt sich vor Gericht gefasst. Sie redet klar und reflektiert über das Geschehen, will öffentlich aussagen. Was das Ziel des Angeklagten gewesen sei, will die Staatsanwaltschaft schließlich wissen. „Der hat schon richtig feste zugedrückt“, sagt die Schülerin. „Ich glaube nicht, dass der mich nur anfassen wollte.“ Sie beginnt zu weinen und gräbt ihr Gesicht in den Zeugentisch. Das Gericht unterbricht die Verhandlung.

„Die Coolness der Zeugin war nur gespielt“, sagt die Staatsanwältin. Auch wenn die körperlichen Folgen eher gering waren, sei von einer psychischen Beeinträchtigung auszugehen. „Ich werde nicht mehr alleine in den Park gehen“, sagt das Mädchen.

Staatsanwaltschaft und Pflichtverteidiger des Angeklagten zeigen sich gleichermaßen überzeugt, dass alle Vorwürfe genauso stimmen. Und auch der bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getretene Angeklagte will nicht widersprechen. Der Afghane, der nach eigenen Angaben in seiner Heimat Psychologie studiert hat, wohnt bereits seit 15 Monaten in Deutschland. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Ihm droht die Abschiebung. Er will dagegen klagen.

Das Gericht schließt sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung an und verurteilt den Angeklagten zu zehn Monaten Haftstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Er muss außerdem 250 Sozialstunden ableisten. Der 26-Jährige muss außerdem eine Speichelprobe mit seiner DNA abgeben. Sein genetischer Fingerabdruck wird gespeichert, um ihn bei möglichen weiteren Taten identifizieren zu können.

Glück für den Angeklagten: Er wurde noch nach altem Sexualstrafrecht verurteilt. Der Strafrahmen erstrecke sich da im Bereich einer Haftstrafe zwischen sechs Monaten und fünf Jahren. Nach neuem Strafrecht („Nein heißt Nein“) erstrecke sich der Strafrahmen bis zu einem Maximum von zehn Jahren Haft. Dadurch hätte auch die Strafe für den 26-Jährigen höher ausfallen können.

http://www.wp.de/staedte/menden/abgelehnter-asylbewerber-begrapscht-15-jaehrige-vor-kirche-id209098279.html

Advertisements