In Berlin steht ein Flüchtling aus Pakistan vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Vergewaltigung und fünf weitere Übergriffe auf Frauen vor. Der 26-Jährige versucht, seine Taten zu erklären.

Der 26-jährige Mann hat sich so tief hinter die Brüstung der Anklagebank gebeugt, dass nur noch sein ausrasierter Nacken zu erkennen ist. Am ersten Tag seines Prozesses vor dem Berliner Landgericht hat er seinen Verteidiger gebeten, eine Erklärung vorzulesen. „Ich heiße Asif M. und bin am 12. März 1990 in Pakistan geboren.“ So beginnt die kurze Geschichte, in der er die Vergewaltigung zu erklären versucht.

M. reiste vor zwei Jahren über Griechenland und Italien nach Deutschland. In Pakistan habe er Schweißer gelernt, erzählt er, und dass er vor den Taliban geflohen sei. In Berlin kam er in einem Flüchtlingsheim unter, er jobbte in einer Gaststätte, stand dort hinter der Bar.

Die Anklage wirft ihm vor, eine junge Frau vergewaltigt und fünf weitere sexuelle Übergriffe begangen zu haben. M. bestätigt die Taten zum größten Teil. Zwischen dem 29. April und 25. Juli ging er demnach immer wieder nach gleichem Muster vor: Spät in der Nacht sprach er auf der Straße Frauen an, die allein unterwegs waren. Er verwickelte sie in ein Gespräch, erzählte, dass er Geburtstag habe. Als die Frauen ihn abwiesen, hielt er sie fest.

Sein erstes Opfer zog er zu Boden und legte sich auf sie, küsste sie, fasste ihr an die Brust. „Nachdem er kurz von ihr abgelassen hatte und die Zeugin sich anschickte zu gehen, forderte der Angeschuldigte sie auf zu bleiben und entkleidete die Zeugin, was die Zeugin aus Angst vor weiterer Gewaltanwendung erduldete“, heißt es in der Anklageschrift. „Sodann vollzog der Angeschuldigte gegen den Willen der Zeugin den ungeschützten vaginalen Geschlechtsverkehr an ihr.“

Die anderen Frauen, die er danach überfiel, wehrten sich und schrien. Daraufhin rannte Asif M. davon.

In seiner Erklärung sagt M., dass es ihm leidtue, was er getan habe. Er schäme sich, sagt er. In Griechenland und Österreich habe er keine Straftaten begangen. „Aber in Deutschland ist das irgendwie aus mir herausgebrochen.“ In Österreich habe er eine Freundin gehabt, aber nur für kurze Zeit. „Es ist schwer, eine Freundin zu bekommen, wenn man Flüchtling ist und nichts zu bieten hat“, sagt Asif M.

Er habe genau gewusst, dass es nicht richtig ist, was er tat, aber irgendetwas in ihm habe ihn dazu gedrängt. „Ich wollte Sex haben.“

Seine Enthemmung versucht M., mit übermäßigem Alkoholkonsum zu erklären. In den Stunden vor der Vergewaltigung habe er heimlich hinter der Bar getrunken. Auch nach Feierabend sei es üblich gewesen, dass die Kollegen zusammen tranken. Wein, Bier, Wodka, Whisky. Dann, auf dem Heimweg, habe er noch einen Joint geraucht.

Auf der Straße begegnete er der Zeugin J. Er habe versucht, sie freundlich anzusprechen, aber das habe nicht richtig geklappt. Er habe ihr einen Drink angeboten, aber sie hätte nur gesagt, dass sie müde sei und nach Hause wolle. Daraufhin umklammerte Asif sie von hinten, zog sie zu Boden. Er habe dann weitergemacht bis zum Geschlechtsverkehr, sagt er. Und: „Sie hat sich nicht gewehrt.“

Richterin Bettina Sy hat Nachfragen zu seiner Version. Die Frau habe bei der Polizei ausgesagt, dass er sie nach der Vergewaltigung etwas gefragt habe. Sy trägt ein Stück des Vernehmungsprotokolls vor:

„Er fragte: ,Bist du böse auf mich?‘

Ich sagte: ‚Ja.‘

Er: ‚Entschuldigung.‘“

„Ihnen war also klar, dass die Frau den Geschlechtsverkehr mit Ihnen nicht wollte?“, fragt die Richterin.

Ein Dolmetscher übersetzt die Antwort von Asif M.: „Vorher hat sie gar nichts gemacht, deswegen habe ich gedacht, dass sie wollte.“

Sy: „Wofür haben Sie sich denn dann überhaupt entschuldigt?“

M.: „Später habe ich gemerkt, dass ich etwas Falsches getan habe.“

Sy: „Wann kam Ihnen dieser Gedanke?“

M.: „Als ich nach Hause wollte.“

Sy: „Und weswegen ist Ihnen das auf einmal klar geworden?“

M.: „Später habe ich daran gedacht, dass sie sagte: ‚Nein.‘“

Sy: „Wann hat sie das gesagt?“

M.: „Als ich gefragt habe, ob sie ein Bier wollte.“

Sy: „Also das Bier, Herr M., war ja nicht das Problem.“

Verteidiger Ralph Schaefer unterbricht, um sich mit seinem Mandanten zu besprechen. Dann wendet er sich wieder an die Richterin. „Ich habe ihn gefragt, ob von der Zeugin J. Zärtlichkeiten ausgingen. Er sagt, nein, sie hat gar nichts gemacht. Und dass er seinen Fehler dann erst später gemerkt hat, als sie sagte, dass sie das nicht gut fand.“

Das Gericht hatte zu Beginn erwogen, sich mit der Verteidigung auf ein Strafmaß zwischen drei Jahren und drei Monaten bis drei Jahre und neun Monate zu verständigen, um den Frauen die öffentliche Aussage zu ersparen. Doch nach den widersprüchlichen Aussagen des Angeklagten will die Vorsitzende nun doch zumindest einen Teil der Opfer befragen.

Während der gesamten, rund einstündigen Verhandlung hält Asif M. seinen Oberkörper tief gebeugt. Seine Worte fallen genuschelt zu Boden, der Dolmetscher hat Mühe, ihn zu verstehen. Nur einmal, als eine der Frauen, die sich seiner erwehren konnten, den Saal betritt, schaut er kurz auf. Dann lässt er sich wieder hinter die Brüstung sinken.

Am 2. Januar will das Gericht die ersten Opfer hören.

https://www.welt.de/vermischtes/article160521663/Es-ist-als-Fluechtling-schwer-eine-Freundin-zu-bekommen.html


Asif M. (36) soll nachts sechs Frauen aus Sexgier überfallen haben. Vor Gericht bereut er seine Taten. Entschuldigte sich sogar danach bei seinen Opfern.

Asif M. (26) sitzt seit am Donnerstag vor dem Landgericht, weil er nachts sechs Frauen (19 bis 25 Jahre) aus Sexgier überfallen haben soll. Der Asylbewerber aus Pakistan macht sich ganz klein auf der Anklagebank, um nicht einem seiner mutmaßlichen Opfer am Fenster gegenüber in die Augen sehen zu müssen. Er hebt nicht mal den Kopf, als er murmelt: „Irgendetwas in mir hat mich dazu gedrängt. Ich schäme mich.“

29. April 2016, kurz nach Mitternacht auf der Eugen-Kleine-Brücke in Lichterfeld. Sophie D., eine junge Französin eilt nach Hause, als sie von einem Fremden angesprochen wird. Sie will nicht mit ihm reden. Doch er lässt sich nicht abweisen, umklammert sie, zieht sie zu Boden, küsst sie, nimmt sie mit Gewalt… „Sie erduldet es aus Angst“, heißt es in der Anklage.

Der Angeklagte: „Ich bin davon ausgegangen, dass sie wollte. Sie hat sich nicht gewehrt.“ Richterin: „Sie sollen sie danach gefragt haben, ob sie böse ist?“ Der Angeklagte nickt. Richterin: „Und Sie sollen sich auch entschuldigt haben?“ Der Angeklagte leise: „Ja, hab ich.“ Richterin: „Warum das, wenn es doch freiwillig war?“ Der Angeklagte in der Klemme: „Weiß nicht. Irgendwann hatte ich wohl gemerkt, dass ich doch was falsch gemacht hatte.“

Bei den anderen Frauen, die geschrien, sich gewehrt haben, sei er gleich weg. Es sei immer auf dem Heimweg von seiner Arbeit in einer Bar geschehen. „Ich war angetrunken, hatte manchmal auch einen Joint geraucht.“ Er habe die Frauen freundlich angesprochen. Wenn sie ihn abwiesen, vielleicht auch noch bedrängt und begrapscht. Doch spätestens wenn sie sich massiv wehrten und um Hilfe schrien, habe er aufgegeben und sei weggelaufen.

Bis nach der letzten Tat am 25. Juli an der Lentzeallee (Wilmersdorf) ein Zeuge ihn in den Park fliehen sah und die Polizei rief. Der Angeklagte ist seit 2005 – da war er 15 – in Europa: Erst Griechenland, dann Österreich und seit 2014 in Deutschland.

http://www.bz-berlin.de/tatort/menschen-vor-gericht/ist-dieser-mann-ein-serien-sextaeter