09.06.2017 13:28

Ein 37-jähriger Angeklagter stand wegen Beleidigung und Körperverletzung vor dem Amtsgericht Sigmaringen. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten und zwei Wochen, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss der Mann ein Anti-Aggressions-Training absolvieren und eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro bezahlen.

Wegen Beleidigung in drei Fällen und gefährlicher Körperverletzung ist ein 37-jähriger Angeklagter vor dem Amtsgericht Sigmaringen zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten und zwei Wochen verurteilt worden. Obwohl der Angeklagte mehrfach vorbestraft ist und vor Gericht wenig Reue zeigte, hielt Richterin Nadine Zieher eine Bewährungszeit von drei Jahren noch einmal für vertretbar. „Das ist eine Chance, die Sie bekommen. Nutzen Sie diese Chance“, belehrte sie den 37-Jährigen. Weil der Angeklagte sich offensichtlich nicht unter Kontrolle habe, verordnete sie ihm neben einer Geldstrafe noch die Teilnahme an einem Anti-Aggressions-Training.

Im September des vergangenen Jahres hatte der Angeklagte vor einer Gaststätte in der Bahnhofstraße in Sigmaringen drei kontrollierenden Polizeibeamten den Mittelfinger gezeigt und sie als „Scheißbullen“ beleidigt, wurde vor Gericht dargelegt. Bereits im April des vergangenen Jahres habe er ebenfalls vor dieser Gaststätte einem Kumpel nach einer verbalen Auseinandersetzung mehre Faustschläge ins Gesicht versetzt und den am Boden liegenden Mann noch mit Füßen getreten.

Die Verhandlung gegen den 37-Jährigen war am 17. Mai unterbrochen und auf 7. Juni neu terminiert worden. Am zweiten Verhandlungstag ging es nur noch um Zeugenaussagen zum Vorfall der gefährlichen Körperverletzung am 13. April des vergangenen Jahres. Drei Zeugen, unter ihnen eine Angestellte der Gaststätte in der Bahnhofstraße sowie zwei Gäste, sagten vor Gericht übereinstimmend aus, dass der 37-Jährige einen Mann geschlagen und ihn auf dem Boden liegend mit Füßen gegen den Oberkörper getreten habe. Der Angeklagte hatte dies am ersten Verhandlungstag bestritten. Er habe seinem Bekannten lediglich eine Ohrfeige verpasst, weil der ihn als „Nigger“ beleidigt habe, ebenso seine Familie.

Der Geschädigte selbst, vor Gericht kein Unbekannter, kennt den Angeklagten seit mehreren Jahren und habe mit ihm auch gelegentlich ein Bier getrunken. Vor Gericht konnte er sich an den Vorfall nicht mehr erinnern. Er räumte ein, er sei sehr betrunken gewesen und habe auch Medikamente genommen. „Dass ich ‚Nigger‘ zu ihm sagte und seine Familie beleidigte, kann ich mir nicht vorstellen. Auch weiß ich nicht, dass es zum Streit gekommen ist“, sagte er vor Gericht aus. Er habe einen Blackout gehabt. Ein weiterer Zeuge, der zurzeit in der Justizanstalt in Hechingen eine Haftstrafe verbüßt und zur Tatzeit mit dem Angeklagten zusammen mehrere Biere getrunken hatte, stellte den Vorfall vor Gericht anders dar. Sein Kumpel sei verärgert über die Beleidigungen gewesen und habe den Mann vor der Gaststätte lediglich auf den Zebrastreifen geschubst, schilderte er aus seiner Sicht.

Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft hat sich der Sachverhalt bestätigt. Die Beleidigungen gegen drei Polizeibeamte habe der Angeklagte eingeräumt. Die heutige Verhandlung habe zudem ergeben, dass der 37-Jährige den Geschädigten zunächst verbal angegangen und dann zu Boden geschlagen habe. Weiter habe er den am Boden liegenden Mann mit Füßen getreten. Erschwerend für den Angeklagten komme hinzu, dass er mit dem Gesetz bereits mehrfach in Konflikt geraten sei. Allerdings stelle sich ihm die Frage, ob ein minderschwerer Fall vorliege, da der Geschädigte kein Interesse an einer Strafverfolgung gezeigt habe. Er beantragte für den Angeklagten wegen Beleidigung eine Freiheitsstrafe von einem Monat und wegen gefährlicher Körperverletzung eine Freiheitsstrafe von neun Monaten. Für beide Strafen forderte er eine Bewährungszeit von drei Jahren.

Der Angeklagte habe sich zwar geständig gezeigt, drei Polizeibeamte beleidigt zu haben. „Ich finde es aber schade, dass Sie die Chance nicht genutzt haben, sich bei den Beamten zu entschuldigen“, meinte die Richterin, nachdem sie den Angeklagten wegen Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung zur Gesamtstrafe von acht Monaten und zwei Monaten verurteilt hat. Zum Vorfall der gefährlichen Körperverletzung führte sie aus, dass es sich nicht nur um Ohrfeigen gehandelt habe. Das bestätigten die drei Zeugen deutlich. „Bei Ihnen ist eine Sicherung durchgebrannt“, richtete sie eindringliche Worte an den Angeklagten. Neben einem Anti-Aggressions-Training wurde dem 37-Jährigen auch eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro auferlegt. Auch muss er sich einen Bewährungshelfer unterstellen.

http://www.suedkurier.de/region/linzgau-zollern-alb/sigmaringen/Beleidigung-und-Koerperverletzung-37-Jaehriger-schrammt-knapp-am-Gefaengnis-vorbei;art372574,9285202

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