30.12.13

Verden – Die ganze Innenstadt ein Meer aus Blaulicht und Martinshörnern. Dieses unglaubliche, kaum fassbare Bild bot sich dem unbeteiligten Betrachter am Sonntagabend in Verden. Auslöser war eine Massenschlägerei von Mitgliedern zweier Großfamilien mit insgesamt sechs Verletzten, zwei davon schwer. Die Opfer sind zwischen 30 und 54 Jahre alt.

Nach dem jetzigen Erkenntnisstand hatte zunächst eine verbale Auseinandersetzung zwischen zwei südländischen Familien (die Hauptsitze befinden sich in Verden, die Verwandten sind aber laut Polizei auf den ganzen Landkreis Verden verteilt) zum Abschluss des Verdener Weihnachtsmarktes stattgefunden. Bei den Worten blieb es nicht lange. Kurze Zeit später wurde bereits „handfester“ argumentiert, aus welchem Grund auch immer.

Schnell verlagerte sich das Geschehen vom Rathausvorplatz in Richtung Herrlichkeit. Und dort wurde es dann so richtig heftig. Zeitweilig sollen bis zu 30 Menschen mit Schlagwerkzeugen aufeinander losgegangen sein. Dabei wurden sowohl Mistkabeln als auch Holzlatten gesichtet. Schnell kam auch der Verdacht auf, einer oder mehrere der Männer hätten Waffen oder Messer dabei. Auch die Meldung von einem ersten Todesopfer machte in der restlos unübersichtlichen Gemengelage aus Akteuren, Schaulustigen, Rettungssanitätern und Polizeibeamten die Runde. Das bestätigte sich glücklicherweise nicht.

Dafür wurden die ersten Verletzten in eine Gaststätte in der Oberen Straße und kurze Zeit später nach einer Erstversorgung ins Krankenhaus gebracht. Die Verdener Polizei zog unterdessen Einsatzkräfte umliegender Dienststellen zusammen. Die Beamten fuhren aus Delmenhorst, Achim, Rotenburg und Osterholz zum Einsatzort. Auch ein Einsatzzug aus Bremen wurde alarmiert. Am Norderstädtischen Marktplatz kamen die Beamten zusammen und warteten auf weitere Einsatzbefehle. Auch Diensthundführer waren mittlerweile vor Ort.

Die Trennung der augenscheinlich verfeindeten Parteien war oberstes Ziel. Bis zum späten Abend konnte die Lage beruhigt werden. Dazu waren zwei Polizeiketten, eine vor der besagten Gaststätte in der Oberen Straße, eine weitere vor einer Kneipe am Johanniswall gebildet worden. In beide Lokalitäten hatten sich die Teilnehmer der Auseinandersetzung, die offenbar ihre Herzen auf den Zungen zu tragen schienen, zurückgezogen. Das Aggressionspotenzial hatte jedenfalls ganz erstaunliche Ausmaße angenommen.

Dabei sind die beiden Familien nach Polizeiangaben keine unbeschriebenen Blätter. Gestern wurde eine Ermittlungsgruppe bei der Polizeiinspektion Verden/Osterholz eingesetzt, um die weiteren Umstände der Schlägerei zu klären. Die Beteiligten beschuldigen sich gegenseitig der Taten. Anzeigen wegen schwerem Landfriedensbruch könnten und dürften ebenso die Folge sein wie wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Gleichzeitig werden Zeugen gesucht, die die Vorfälle rund um den Weihnachtsmarkt, in der Oberen und der Stifthofstraße beobachtet haben. Sie werden gebeten, sich bei der Polizei unter Telefon 04231/8060  zu melden.

https://www.kreiszeitung.de/lokales/verden/verden-ort47274/schlaegerei-verden-polizei-sucht-zeugen-3292332.html


31.12.2013

Auf dem Verdener Weihnachtsmarkt ist am Sonntagabend ein Streit zwischen zwei rivalisierenden Großfamilien eskaliert. Nach Informationen der Polizei gingen am Sonntagabend 20 bis 30 zum Teil mit Schlagwerkzeugen bewaffnete Menschen in der Verdener Innenstadt aufeinander los. Bei der Massenschlägerei wurden insgesamt sechs Menschen zum Teil schwer verletzt. Die Ermittlungen zu den Ursachen und den Beteiligten der Auseinandersetzung dauern an.

Wie Polizeisprecher Jürgen Menzel am Montag berichtete, wurde die Verdener Polizei von Passanten gerufen, als die Schlägerei gegen 20.30 Uhr auf dem bereits geschlossenen Weihnachtsmarkt begann. Zur Unterstützung wurden anschließend Einsatzkräfte aus den Dienststellen in Achim, Bremen, Rotenburg, Osterholz-Scharmbeck und Delmenhorst hinzugerufen. Dabei kamen auch Diensthundeführer zum Einsatz. „Zeitweilig sind bis zu 30 Menschen mit Schlagwerkzeugen – unter anderem auch mit Zaunlatten – aufeinander losgegangen“, sagte Menzel. Ob auch Schusswaffen im Einsatz waren, konnte Menzel am Montag nicht sagen.

Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Familien habe sich schließlich in Richtung Obere Straße verlagert. Um die beiden Lager voneinander zu trennen, bildeten die Beamten eine Polizeikette und riegelten den Innenstadtbereich ab. „Einige hatten sich dann schon in Gaststätten zurückgezogen“, sagte Menzel.

Bis kurz nach Mitternacht war es der Polizei dann gelungen, die Lage zu beruhigen. Zwei Menschen wurden bei der Massenschlägerei schwer verletzt und befinden sich derzeit noch im Krankenhaus. Lebensgefahr besteht nach Angaben der Polizei nicht. Mindestens vier weitere Beteiligte wurden ebenfalls bei der Auseinandersetzung verletzt, mussten aber nicht im Krankenhaus behandelt werden.

Zu den Hintergründen sagte Menzel lediglich, dass einige Mitglieder der Polizei bereits bekannt seien. „Wenn Konflikte über Monate schwelen, kommt irgendwann der Punkt, an dem die Lage eskaliert“, sagte der Polizeisprecher. Festgenommen wurde zunächst niemand. Die Situation stelle die Polizei vor einige Schwierigkeiten, da alle Beteiligten in irgendeiner Weise miteinander verwandt seien. „Aus diesem Grunde kann quasi jeder Beteiligte die Aussage verweigern“, sagte Menzel.

http://www.weser-kurier.de/region/verdener-nachrichten_artikel,-Streit-eskaliert-zu-Massenschlaegerei-_arid,744444.html


05.06.17

Verden – Dreieinhalb Jahre ist es mittlerweile her, als es im Zuge des Abbaus des Verdener Weihnachtsmarktes zu einer Massenschlägerei in der Innenstadt kam. Ein Großaufgebot der Polizei war damals im Einsatz. Gegen fünf Männer wurde Ende August 2014 Anklage beim Amtsgericht Verden – Schöffengericht – erhoben. Es gab einen Prozessauftakt, doch das Verfahren wurde ausgesetzt und an das Landgericht abgegeben. Bis heute gab es dort keine Verhandlung und auch ein für Oktober 2017 in Aussicht gestellter Prozessauftakt wurde kürzlich erneut verschoben.

Zuständig für das Verfahren ist die 1. Große Strafkammer des Landgerichts erklärt Dr. Katja Kruschke, Sprecherin des Landgerichts auf Nachfrage. Dies stehe seit dem zweiten Halbjahr 2016 fest. Vorher gab es ein Hin und Her hinsichtlich der Zuständigkeit.

Wegen seines Umfangs war das Verfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft Verden am dritten Verhandlungstag des Schöffengerichts an das Landgericht abgegeben worden. Dort war nach dem Geschäftsverteilungsplan die 2. Große Strafkammer zuständig. Diese verwies das Verfahren zurück an das aus ihrer Sicht zuständige Schöffengericht. Schließlich musste das Oberlandesgericht entscheiden.

„Das OLG in Celle hat gesagt, das Verfahren fällt in die Zuständigkeit einer großen Strafkammer und dass auch ein versuchtes Tötungsdelikt zur Debatte stünde“, so die Gerichtssprecherin.

Somit landete es wieder bei der 2. Großen Strafkammer, wurde aber wegen des möglichen versuchten Tötungsdeliktes der 1. Große Strafkammer vorgelegt. Diese hat das Verfahren dann unter Hinweis auf den Paragrafen 6a der Strafprozessordnung (Zuständigkeit besonderer Kammern) wieder an die 2. Große Strafkammer zurückgegeben.

Als diese nach dem Wechsel des Vorsitzenden Richters an das Landgericht Bremen aufgelöst worden war, landete das Verfahren doch wieder bei der 1. Großen Strafkammer, die jedoch mit Verfahren überlastet sei. Sie ist zugleich Schwurgericht und somit für alle versuchten und vollendeten Tötungsdelikte zuständig. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Haftsachen generell Vorrang haben, denn hat ein Prozess nicht binnen sechs Monaten begonnen, hat der Angeklagte sehr gute Chancen aus der Untersuchungshaft entlassen zu werden.

„Seit anderthalb Jahren verhandelt die 1. Große Strafkammer ununterbrochen Haftsachen“, erklärt Dr. Katja Kruschke. „In diesem Jahr hat diese Kammer bereits weit über 60 Verhandlungstage gehabt“. Seit September 2016 läuft ein Mordprozess mit bislang 29 Verhandlungstagen. Zwei weitere Schwurgerichtsverfahren mit Haftsachen stünden bereits an (da ist der Blutrachemord im Januar in Visselhövede noch gar nicht dabei) und es gebe noch ältere Verfahren, bei denen niemand in Untersuchungshaft sitzt.

Der Vorsitzende Richter habe bereits selbst zwei Überlastungsanzeigen geschrieben, berichtet Kruschke. Erschwerend kommt hinzu, dass die beiden beisitzenden Richter aus der betreffenden Kammer das Landgericht verlassen. Wann das Verfahren um die Massenschlägerei beginnen wird, ist somit nicht absehbar.

https://www.kreiszeitung.de/lokales/verden/thedinghausen-ort50200/prozess-weiter-ferne-8378588.html

Advertisements